„Ausschlaggebend ist rein mein nervliches und seelisches Befinden“

Mit 17 tut es weh, wenn sich Klassenkameraden wegsetzen, weil die Schuppenflechte „blüht“. Heute spiegelt die Psoriasis von Angelika K. genau ihre seelische Verfassung wider. Der Erfahrungsbericht einer Betroffenen.

Seit 19 Jahren ist die Schuppenflechte Bestandteil meines Lebens und ich konnte mich nie damit abfinden, geschweige denn sie zu akzeptieren.

Als ich 16 war, ging ich wegen einer starken Rötung auf den Handrücken und der Kopfhaut zu einem Dermatologen. Da ich damals nicht wußte, dass mein Vater, der von uns getrennt lebte, Schuppenflechte hatte und nicht irgendein Ekzem, verschrieb der Hautarzt Kalzium-Spritzen. Der Schulärztin musste ich erklären, dass ich kein Junkie war.

Nach dieser „Therapie“ war ich vom Scheitel bis zur Sohle mit knallroten Flecken übersät. Es war Sommer und Freunde überredeten mich, mit zum See an den Strand zu kommen. Irgend ein Mensch wollte die Polizei holen… Anschließend kam ich für 14 Tage ins Krankenhaus. Mit Kortison war das zwar weg, aber eine Woche später waren Gesicht, die Ellenbogen und einige andere Stellen am Körper massiv da. Mein Schulbesuch war gefährdet, weil ich kein Gesundheitszeugnis bekam. Ich sollte ein Praktikum in einem gastronomischen Betrieb machen. Eine Mitschülerin hat sich woanders hingesetzt, weil es ihr vor mir ekelte. Im Alter von 17, 18 Jahren tut das sehr weh. Das Ausmaß gegenüber heute war aber ziemlich gering.

1985, zwei Monate nach dem Tod meines Bruders (Suizid, er war 23 Jahre alt), setzte ein extremer Schub ein, und ich kam wieder ins Krankenhaus. Diesmal drei Wochen und nur Cortison.

1986 für vier Wochen Israel; Ein Bokek am Toten Meer in den Monaten Juli und August. Drei Wochen hat sich an der Haut nichts getan und dann in vier Tagen war alles weg. Wieder zu Hause, sagte eine ältere, mir unbekannte Frau zu mir: Mein Gott, ist sie schön. Ich fühlte mich richtig gut und wollte eigentlich nur mehr Bäume ausreißen.

Im Sommer 1987 lernte ich einen Mann kennen, brach meine Zelte in Klagenfurt (Österreich) ab und zog nach Hamburg. Anfangs war meine Haut relativ ruhig. Diese Beziehung funktionierte nicht – trotz Heirat (1989). Meine Haut hat mir sehr deutlich gezeigt, ich muss da raus – ich hatte nicht die Kraft.

Anfang 1991 hatte ich eine Gehirnblutung und deshalb eine komplizierte Operation. Auf der Intensivstation im Anschluss, freute über die rasante Besserung der Haut, bis ich erfuhr, dass Unmengen von Cortison gegen die Schwellung im Hirn in den Infusionen waren.

Ärzte und Pflegeteam im UKE (Universitätskrankenhaus Eppendorf /Hamburg) waren schwer in Ordnung. Nach eigenem Bemühen kam ich im März auf die dermatologische Abteilung des UKE. Fünf Wochen „Hölle“, fünf Wochen lang zwischen Raucherraum und Krankenzimmer hin- und her zu kriechen und einmal am Tag eine Salbe zu bekommen. Gelblich-weiß und kraftlos verließ ich das Krankenhaus. Kann ich nicht mehr genau sagen, aber es dauerte nur zwischen 7 und 10 Tagen, bis es wieder sehr wenig gesunde Haut gab.

Anfang 1993 war ich für 6 Wochen in einer psychosomatischen Kurklinik in Bad Salzuflen. Die dermatologische Behandlung war nur in einer Praxis einer Hautärztin und dem Klinikpsychologen musste ich bei fast bei jedem Gespräch erklären, wer ich bin und was ich überhaupt will. Die Haut ist trotzdem in Ordnung gekommen, und das Nervenkostüm war auch kräftiger.

Ende Februar war die Kur zu Ende. Scheidung eingereicht, eigene Wohnung gefunden und sie eingerichtet.

Frühjahr 1994 starke Verschlechterung der Haut. 29.11. -24.12.`94 Kur in Bad Bentheim. Dort konnte ich mich richtig erholen, viele Gespräche mit anderen Schuppis und vor allem das Gefühl, mit der Krankheit nicht alleine dazustehen. Die Haut war für fast sechs Monate völlig in Ordnung.

Im Dezember 1995 Umzug von Hamburg in die Nähe von Düsseldorf. Wegen eines Mannes, den ich in Bad Bentheim kennengelernt habe. Auch ein Psoriatiker. Meine Haut spiegelte den „Zustand“ der Beziehung sehr deutlich wieder. Obwohl es Anfang dieses Jahres zur Trennung kam, flackerte doch immer wieder etwas auf. Das war die beste Grundlage für meine Haut, im Oktober mit einem Schub zu reagieren. So schlimm habe ich einen Schub noch nie bewusst erlebt. Nervlich hat mich das fertig gemacht.

Abschließend will ich noch sagen, dass Ernährungsgewohnheiten bei mir überhaupt keinen Einfluss auf den Zustand der Haut haben. Ausschlaggebend ist rein mein nervliches und seelisches Befinden.

Angelika K. (Wuppertal)

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