Große und kleine Hilfen für den Alltag – eine Ergotherapeutin rät

„Sie haben mehr Hilfsmittel zuhause als Sie glauben“, sagt Susanne Bitzer-Munoz, Ergotherapeutin im Immanuel-Krankenhaus in Berlin-Zehlendorf. Ohnehin ist ihr der Begriff Alltagsmittel lieber als die spröde Bezeichnung „Hilfsmittel“.

Das erste, was sie ihren Patienten als Trainingsaufgabe mit auf den Weg gibt: „Automatisieren Sie Ihr Verhalten“. Das soll heißen: Hilfen sollten immer benutzt werden – und nicht nur an den Tagen, an denen die Gelenke wehtun. Dazu gehört, dass die Hilfsmittel griffbereit liegen – und nicht irgendwo verkramt. Manchmal muss vielleicht eher der Partner trainiert werden, damit er nicht meckert, weil nun öfter mal „was herumliegt“.

„Alltagshilfen schonen die kleinen Gelenke“, erklärt Susanne Bitzer-Munoz. Die großen Gelenke werden dann mehr benutzt und gleichzeitig trainiert. Ein Fehler sei es, Helferlein links liegen zu lassen, weil es ja „gerade noch so geht“. Wer sich sagt, „ist ja noch nicht so schlimm“, der geht selbst davon aus, dass seine Situation noch schlimmer wird – und resigniert. „Jeder sollte seine eigenen körperliche Belastbarkeit akzeptieren lernen“, so die Ergotherapeutin. „Es ist normal, dass es einem einen Tag besser geht und am anderen Tag schlechter.“

Eines ihrer wichtigsten Hilfsmittel ist eine Bandage für das Handgelenk. Was innen nicht mehr von selbst hält, muss eben gestützt werden. „So eine Bandage sollte nur während der Zeit der Belastung getragen werden und nicht zwölf Stunden lang“, so Susanne Bitzer-Munoz. Gut sei eine Bandage mit Schienenverstärkung. Es gibt sie für kleine, mittlere und große Hände. Die Schiene diszipliniert den Träger gleichzeitig, so dass er sein Handgelenk nicht überdehnt.

Wichtig: Jeder Arzt – auch der Hausarzt – kann eine Handgelenksbandage (und andere Bandagen) verschreiben.

Selbst für einzelne Finger gibt es solche Bandagen – Fingersleeves genannt.

Das Handgelenk sollte generell möglichst immer gerade gehalten werden. Die Gefahr einer Überanspruchung lauert schon beim Brotschneiden mit dem großen Messer. Für diesen Zweck gibt es von Ikea, Solingen oder Zwilling auch ergonomische Messer mit abgewinkelten Griffen.

Berliner, die sich für eine Beratung oder Ergotherapie bei Susanne Bitzer-Munoz interessieren, benötigen von ihrem Arzt ein Rezept über „motorisch-funktionielle Behandlung“ (Rezept Nummer 18) für vier oder sechs Sitzungen. Ihre Telefonnummer: (030) 80 50 56 05.

Die Deutsche Rheuma-Liga bietet eine kostenlose Beratung für den Gelenkschutz an. Von Susanne Bitzer-Munoz stammt auch eine Broschüre „Gelenkschutz im Alltag“, die bei der Rheuma-Liga zu haben ist – oder als PDF-Datei zum Selberausdrucken.

Buchtipps:

• Fußgymnastik mit Kindern

von Martha Scharll

bei Amazon ansehen

• Kinder machen Fußgymnastik

von Barbara Köhler, Heidi Reber

bei Amazon ansehen

 


Dinge, die im Altag helfen: Teil 1 | Teil 2 | Teil 3 | Teil 4

 

Welche Tipps haben Sie?

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*