„Ich lebe einfach gerne“

„Am Besten fühle ich mich in den Momenten, in denen ich meine Psoriasis einfach vergesse“, sagt Franziska. Ihre Tipps: ein Nordseeurlaub und Fußreflexzonenmassagen. Der Erfahrungsbericht einer Betroffenen.

Ich lebe bereits seit 13 Jahren mit meiner Psoriasis und habe schon viel mitgemacht und ausprobiert.

Salizyl, Cignolin, Lichttherapie, Teer, Schwefel, diverse Diäten (keine Milchprodukte, kein Fleisch, keine Süßigkeiten), Gänseblümchentee, Akkupunktur, Heilbeterin, Totes Meer, Reki, Salben mit Harnstoff, Salben ohne Harnstoff, selbstgemischte Salben, Fußreflexzonenmassage, bis hin zu meinem ständigen Begleiter, dem Cortison. Seit diesen 13 Jahren spielte ich für meine Ärzte das „Versuchskaninchen“ und testete fast sämtliche neuen Wundermittel. Ohne langanhaltenden Erfolg.

Meiner Meinung nach wird es diesen Erfolg auch niemals geben, ohne jetzt pessimistisch zu sein. Ich mußte zwanghaft lernen, mit meiner Psoriasis zu leben, sie war und ist nun mal mein ständiger Begleiter, manchmal stärker präsent, manchmal fast unsichtbar. Ich bin ein lebensfroher und unternehmenslustiger Mensch, der jedoch im Sommer mit langen Ärmeln zur Arbeit geht und auch die Badenseen meidet. Dies liegt einfach an dem Gefühl, mich nicht rechtfertigen zu müssen für etwas, wofür ich gar nichts kann.

Die meisten Nichtbetroffen können sich gar nicht vorstellen, wie sehr man nur unter der Frage leidet :“Was hast Du denn da?!“ oder warum man nur Sex im Dunkeln haben möchte. Man ist nie frei, selbst wenn man das Gefühl hat, man sei normal, ist dieses Gefühl stark antrainiert. Natürlich kläre ich jeden, der mich fragt, gerne auf, aber jedes mal muß ich dafür meine „Lebensgeschichte“ darlegen, nur um nicht „ekelig“ auf meine Umwelt zu wirken.

Am Besten fühle ich mich in den Momenten, in denen ich meine Psoriasis einfach vergesse, ich liebe Winterspaziergänge in dicken, langen Klamotten, die den Schutz bieten, den ich für mich einfach brauche. Dass Psoriasis viel mit dem eigenen Wohlbefinden, Stimmungen und Stress zu tun hat, merke ich daran, im Winter geht es mir gut, im Sommer habe ich T-Shirt-Stress und mir geht es schlecht.

Erscheinungsformen

In meinen 13 Psoriasisjahren habe ich mehrere „Arten“ von Schuppenflechte durchlebt. Kreisförmige Ausbildung, einreißende, blutende Punkte, geschlossene Flächen an Rücken, Brust, Bauch, kleine Pusteln. Gerade als junge Frau fühlt man sich dann sehr unattraktiv. Erst Anfang diesen Jahres erlitt ich einen Schub, bei dem mein ganzer Körper flächendeckend befallen war, ich zog mich noch nicht einmal mehr vor meinem Freund aus, mit dem ich bereits seit 2 1/2 Jahren zusammen bin. Aber zum Glück verschwinden solche Schübe ja auch „einfach“ wieder.

Totes Meer / Borkum

Über meine Kur am Toten Meer kann ich nur sagen, man braucht harte Nerven, aber immerhin war ich 7 Monate beschwerdefrei. Ich würde jedoch trotzdem so schnell nicht wieder dort hin fahren, das Klima ist körperlich anstrengend und die viele Zeit, die man dann mit seiner Krankheit verbringen kann, versetzt einen in nachdenkliche Stimmungen. Auch die anderen Sitten müssen einem liegen. Ich würde höchstens nur noch mal mit meinem Freund dorthin fahren.

Ich war auch schon mal in Kur in einem Klinikum auf Borkum, dort wurde ich mit Salbe verätzt und in den Bestrahlungskabinen verbrannt.

Anstelle einer Kur empfehle ich jedem lieber einen Nordseeurlaub im Sommer.

Meine Alternative: Fußreflexzonenmassage

Obwohl ich fast wöchentlich zu Cortison greife, suche ich immer nach alternativen Therapiemöglichkeiten. Dadurch wurde die Fußreflexzonenmassage zu meinem zweiten ständigen Begleiter. Nach meinem diesjährigen schlimmen Schub entschloss ich mich zu dieser Therapie, da der bekannte „Verschlimmerungseffekt“, der mich bis dahin von dieser Therapie abgehalten hat, nicht mehr eintreffen konnte. Die Fußreflexzonenmassage regt die Lymphtätigkeit an, der Stoffwechsel wird angeregt (z.B. regelmäßiger Stuhlgang), Schlackestoffe werden schneller abtransportiert und ausgeschieden (alles Gifte für die Haut) und das Nervenkostüm wird gestärkt. Stress, Sorgen, Depressionen sind nämlich sehr schädlich für die Haut.

Zum Ende hin kann ich nur sagen, jeder muss für sich einen Weg finden, ich kann leider nicht über meinen eigenen Schatten springen und verstecke lieber meine Krankheit. Jedoch durch mein Freund und vor allem durch meine Mama, die mich durch diese 13 Jahre gebracht hat (sie hat alles mit mir ausprobiert und gemeinsam mit mir gelitten und geweint), ist es mir möglich, manchmal meine, was war es noch gleich, zu vergessen und mich ganz normal zu fühlen.

Ich lebe einfach gerne, und ich hoffe, dass die meisten von Euch dieses Gefühl auch noch „erlernen“.

Franziska (23)

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