My Psoriasis App – Kontrolle über die Schuppenflechte?

My Psoriasis App

Psoriasis und Apps – das war zumindest im deutschsprachigen Raum bislang eine eher glücklose Kombination. Im AppStore von Apple beispielsweise fand sich bis vor kurzem nur ein zwar offensichtlich ausgereiftes Programm, das aber auch schon länger nicht mehr aktualisiert worden war. Mit 4,49 Euro war es auch für App-Verhältnisse recht teuer.

Die Marktlücke hat die Firma Leo Pharma genutzt: Sie bietet jetzt die My Psoriasis App an. Der Name deutet es an: Die App wurde international entwickelt, ist in mehreren Sprachversionen und eben auch auf Deutsch erhältlich – und zwar in sehr gutem Deutsch.

MyPsoriasis (1)„Verfolgen Sie den Einfluss von Psoriasis auf ihr Leben. Nutzen Sie die MyPso App, um ausgewählte Symptome über eine gewisse Zeit aufzuzeichnen“, erklärt sich die App beim Start gleich selbst. Die Symptome können Juckreiz, Schmerz, Entzündung, Trockenheit, Schulung, Stress oder „Andere“ sein. „Andere“ muss sich der Nutzer dann aber fortan selbst merken, denn weiter gefragt wird nicht, was damit gemeint ist.

Gefragt wird nach dem Geschlecht und nach Plänen – und zwar, wie lange man seine Psoriasis aufzeichnen möchte. Dabei hilft eine Erinnerungsfunktion. Die App fragt sogleich, wann man bitte erinnert werden möchte – wer gern lange im Bett liegt, sollte da eher nicht 7 Uhr angeben, und die Abfrage muss auch nicht jeden Tag erfolgen. Es ist auch möglich, sich einfach nur „jeden Montag“ daran erinnern zu lassen, dass man ja mal alles rund um seine Schuppenflechte vermerken könnte. So sinkt auch die Gefahr, dass man irgendwann auf die Meldungen des Smartphones nicht mehr reagiert, weil sie zu oft kommen. Eine Erinnerung an die Therapie kann auf die gleiche Weise eingerichtet werden.

Der wichtigste Bildschirm, der einem fortan öfter begegnen wird, enthält die drei wichtigsten Funktionen: Man kann Fotos hinzufügen, die Symptome und die Auslöser aufzeichnen.

Für jedes Symptom wird gefragt, wie stark es ist – auf einer Skala von 1 bis 4. Es folgt ein Punkt, bei dem man ruhig ehrlich sein kann: Wird die Therapie wie vorgesehen angewendet? „Ja, meistens“, „Nein selten“ oder „Ich nutze keine Therapie“ – da waren die Programm-Erfinder realistisch.

Die Testerin gab als ein Symptom ihren Juckreiz an, der für sie eines der quälendsten Probleme an der Psoriasis ist. Dazu passte dann der Hinweis „Kratzen kann die Heilung beeinträchtigen“ nebst einem Verweis auf weitere Informationen.

MyPsoriasis (18)Die Foto-Funktion ist selbst erklärend umgesetzt. Der Nutzer gibt noch auf einer Zeichnung an, welches Körperteil er da gerade fotografiert hat.

Schwieriger ist dann schon der nächste Bildschirm: „Was hat Ihrer Ansicht nach heute Ihre Psoriasis-Symptome ausgelöst?“, wird gefragt. Platz ist für 3 Auslöser. Wer hier klar angeben kann, welcher Auslöser sein Favorit ist, dürfte schon einen großen Schritt weiter sein.

Der folgende Bildschirm fordert zum „Teilen“ auf – was zuerst zu einem kleinen Schrecken führt: Soll ich das jetzt alles auf Facebook oder Twitter teilen? Nein, gemeint ist eine Funktion, die stark an die App „MyTherapy“ erinnert, die wir bereits vor längerer Zeit vorstellten: Der Nutzer kann einen Bericht mit dem Verlauf seiner Erkrankung und einem Foto per Mail verschicken – ob an sich selbst oder an einen Arzt, bleibt ihm selbst überlassen.

Doch auch ohne das „Teilen“ zeichnet die App nun Woche für Woche auf, wie es einem mit seinen Symptomen ergeht. Kurven, wie man sie schon aus der Health-App von Apple kennt, lassen die Veränderungen schnell ersichtlich werden.

MyPsoriasis (29)Ab sofort soll sich der Nutzer der MyPsoriasis App auch nicht mehr allein fühlen: Er kann sich bzw. seine Symptome und Auslöser mit denen von anderen Nutzern vergleichen.

Der Hinweis auf ein Internetangebot des App-Anbieters schließt die App ab, gefolgt von Informationen über das Programm des Anbieters für Patienten, über die Firma und die Nutzungsbedingungen.

Insgesamt entlockte uns die App schon ein „Nicht schlecht“ – und wir haben schon einige Apps getestet und alsbald wieder vom Smartphone gelöscht. 😉

Vorschläge zur Verbesserung

An seine Therapie kann sich der Nutzer lediglich einmal täglich erinnern lassen. Viele Therapien aber sind zwei- oder mehrmals am Tag anzuwenden – schon die Vitamin-D3-Creme des App-Anbieters oder auch Tabletten wie Otezla® oder Fumaderm®. Noch komplizierter wird es spätestens bei Therapien, die alle zwei Wochen oder gar alle drei Monate angewendet werden. Wünschenswert wäre in diesem Bereich eine Funktion, die den Nutzer an die nötigen Laborkontrollen erinnert.

Bei den Auslösern ist der psychische Aspekt etwas unterentwickelt – lediglich Stress kann angegeben werden. Vielleicht wäre ein eigener Dokumentations-Bereich zum psychischen Befinden oder auch nur zur Gefühlslage eine Idee, auch wenn die Darstellung eines zeitlichen Zusammenhangs zur eventuellen Verschlechterung der Psoriasis sicherlich eine Herausforderung ist.

Der Vergleich mit anderen Nutzern ist nett – aber es bleibt unklar, auf welcher Datenbasis das geschieht. Sind es die Nutzer der deutschsprachigen App? Oder von allen internationalen Versionen von Kanada bis nach Dänemark?

Die Nutzungsbedingungen sind sehr lang – da wäre es schön, wenn man sich die auf „Knopfdruck“ per E-Mail zuschicken lassen könnte, wie es in anderen Programmen möglich ist. Dann kann man sie auch mal am „großen“ Bildschirm lesen.

Anderes – und der Datenschutz

Schade ist, dass Patientenverbänden Kraft und Geld für solche Apps fehlt, sondern eine Pharmafirma die Lücke füllt. Ihre Gesundheitsdaten wähnt die Testerin bei Patientenverbänden (zumindest im Bereich der Psoriasis) sicherer als sonstwo auf der Welt. Welche Daten im Hintergrund von einer App abgefragt werden, lässt sich für einen Laien schon gar nicht erahnen. Leo Pharma versichert, dass Daten anonymisiert an Unternehmen weitergegeben werden, die an der Verbesserung der MyPsoriasis-App beteiligt sind – namentlich zwei Firmen in Dänemark. Aber auch “Pflegefachkräfte sowie andere Unternehmen im Konzern von Leo Pharma“ können mit den Daten versorgt werden.

MyPsoriasis (35)Leo Pharma erklärt in den Nutzungsbedinungen, dass die Daten ausschließlich in anonymer Form verarbeitet werden. Angaben zum Geschlecht, Triggerfaktoren, Auslösern, Therapie-Abbrüchen oder Symptomen werden demnach „nur zu statistischen Zwecken verarbeitet, sie sind nicht individuell zuordenbar.“

Sehr wichtig ist Leo Pharma, dass der Nutzer für das, was er aus der App folgert, selbst verantwortlich ist. In den Nutzungsbedingungen wird zum Beispiel darauf hingewiesen, dass die App keine Interpretationen oder Berechnungen liefert.

An keiner Stelle in der App weist die Firma auf ihre Produkte hin – sie dürfte es ohnehin nicht, versucht es aber auch nicht versteckt.

Gucken und Herunterladen

Anschauen: Klicken Sie sich durch Bilder von der My Psoriasis App

HerunterladenAppStore (iOS) | Google Play Kiosk (Android)

Bilder: in unserer Bildergalerie „MyPsoriasis App

Noch ein Hinweis: Dieser App-Test wurde vom Anbieter weder angeregt noch anderweitig irgendwie begleitet. Er basiert ausschließlich auf unserer eigenen Initiative.

Über Claudia Liebram 279 Artikel
Claudia Liebram ist Berlinerin mit Leib und Seele. Dort arbeitet sie als Redakteurin. Ihre Psoriasis begann, als sie 3 Jahre alt war – viel Erfahrung also, die sie weitergeben kann.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*