„Ohne meinen Arzt wäre ich wohl nicht mehr am Leben“

Christine Schröder verdankt ihrem Internisten ihr Leben. Bei ihr wurden Symptome der Psoriasis arthritis im (!) Herzen festgestellt. Ihren Weg durch Arztpraxen und Kliniken schildert sie in ihrem Erfahrungsbericht.

Seit meiner Kindheit war ich von einer Psoriasis vulgaris an zwei kleinen Stellen am Arm und am Kopf betroffen. Meine Mutter und ihr Vater litten ebenfalls an Psoriasis, waren, bzw. sind aber wesentlich stärker betroffen. Zusätzlich zu den starken Auswirkungen an der Haut, gesellte sich bei meiner Mutter ab dem 40 Lebensjahr auch eine schwere Psoriasis arthritis, Fingergelenke, Schultergelek, Hüftgelenk dazu.

Nach jahrelangen Schmerzen und erfolglosen Therapieversuchen des Orthopäden, wird sie seit 1 Jahr vom Internisten mit einer Kombinationstherapie von MTX und Cortison behandelt, und ist nun nahezu schmerzfrei.

Bis zum Herbst 1997 hatte ich bis auf die bereits erwähnten zwei kleinen Stellen mit der Psoriasis absolut keine Probleme.

Im Winter 1997 zog ich mir eine eitrige Zugengrund – Angina mit hohem Fieber zu.

Nach erfolgter antibiotischer Therapie blühte die Psoriasis plötzlich in Form einer Psoriasis – Punctata auf. Kurz darauf bekam ich Probleme mit dem Herzen. Ich hatte Symptome der Angina-Pectoris. Schmerzen in der Brust, die in den linken Arm ausstrahlten. Mein damaliger praktischer Arzt probierte zur Beseitigung der Schmerzen den Einsatz von Nitrolingual-Spray. Die Schmerzen verschwanden sofort. Da ich zu diesem Zeitpunkt erst 30 Jahre alt war, war mein Arzt ratlos, und schickte mich zum Kardiologen. Dieser machte eine Echokardiographie und ein Belastungs – EKG. Anschließend erklärte er mir, dass ich 100 Prozent gesund sei, und ich zur Klärung der Ursache einen Psychologen aufsuchen solle. Falls die Schmerzen wieder aufträten, sollte ich ein starkes Schmerzmittel nehmen.

Vier Wochen später hatte ich, nach unzähligen vorangegangener Attacken, bei einer Sportveranstaltung (war nur Zuschauer) einen so heftigen Brustschmerz, dass ich ohnmächtig wurde. Gleich darauf bekam ich Kammerflimmern und musste von dem anwesenden Turnierarzt reanimiert werden. Im Krankenhaus wurde festgestellt, dass ich einen Herzinfarkt erlitten hatte. Bei der darauffolgenden Herzkatheter-Untersuchung konnte aber keine Verengung der Herzkranzarterien entdeckt werden. Die Cholesterin-Werte waren völlig in Ordnung.

Mein Hausarzt lehnte daraufhin jegliche Behandlung ab und ich wechselte zu einem Internisten, der mich zur kardiologischen Diagnostik in eine Spezialklinik einwies. Bei einem weiteren Herzkatheter konnten auch keine Anzeichen einer Herzmuskelentzündung (Myokarditis ) entdeckt werden. Es wurde dann aufgrund des vorangegangenen Kammerflimmerns ein Defibrillator (Gerät, daß bei zu schnellem Herzschlag einen Stromstoß in das Herz abgibt) implantiert. Eine Ursache für den Infarkt konnte nicht gefunden werden.

Kurz nach der Entlassung aus dem Krankenhaus bekam ich Luftnot bei körperlicher Anstrengung. Es wurde schließlich so schlimm, dass ich mich eines Tages mit letzter Kraft in die Praxis meines Internisten schleppte. Als ich versuchte, der Arzthelferin zu sagen, was mir fehlte, kamen aus meinem Mund nur röchelne und brodelnde Geräusche. Meine Lippen und Nagelbetten waren blau verfärbt. Der Arzt stellte sofort fest, dass ich ein Lungenödem hatte, und konnte im letzten Augenblick die entsprechenden Maßnahmen ergreifen. Ich bekam daraufhin wasserausschwämmende Medikamente. Ein weiterer Krankenhausaufenthalt mit unzähligen Herzkatheter-Untersuchungen konnte wieder keine Ursache aufdecken.

Nach vielen ergebnislosen Wochen im Krankenhaus war ich psychisch und physisch völlig am Ende. Ich wollte nur noch nach Hause. Die Krankenhausärzte waren natürlich absolut dagegen. Ich war inzwischen zu einem begehrten Forschungsobjekt geworden. Ich schilderte die Situation und meine Verfassung meinem Internisten, und er erklärte sich damit einverstanden, die Behandlung zu übernehmen, da der stationäre Aufenthalt keinerlei Erfolg zeigte.

Sechs Monate später bekam ich einen Perikarderguss (Flüssigkeitsansammlung im Herzbeutel), der notfallmäßig punktiert werden mußte, da er das Herz abdrückte. Aus dem gewonnenen Punktat konnte dann endlich die Diagnose gestellt werden. Es wurden Psoriasis-Antigene und autoimmune Antikörper gefunden. Ich hatte also im Herzen die gleiche Entzündung, wie die Patienten mit einer Psoriasis arthritis in den Gelenken.

Mein Arzt versuchte dann zwecks Therapie, Kollegen oder Literatur ausfindig zu machen, die ihm eventuelle Ratschläge oder Orientierungsmöglichkeiten bieten könnten. Er musste jedoch feststellen, daß es weder Literatur, noch Kollegen gab, die ihm hätten weiterhelfen können. Da ich ihn anflehte, mich nicht wieder ins Krankenhaus zu schicken, startete er zunächst einen Versuch mit Kortison in steigender Dosis. Später kam noch MTX hinzu, schließlich auch Imurek. Mein Zustand verschlechterte sich jedoch zusehens. Im Januar 2000 liefen dann die Vorbereitungen für meine Aufnahme auf die Transplantationsliste des Herzzentrums. Ich konnte zu dieser Zeit keine Treppen mehr steigen, war trotz aller Medikamente kurzatmig, meine Lippen waren ständig blau.

Mein Arzt sah aber eine letzte eventuelle Chance. Er schlug mir das Medikament Remicade vor und ich willigte ein. Da ich mich in kritischem Zustand befand, suchte mein Arzt nach einer Klinik, in der das Medikament unter intesivmedizinischen Bedingungen gegeben werden könnte. Er erhielt jedoch nur Absagen. Keiner wollte das Risiko eingehen, erstmals einem Herzpatienten das Medikament zu verabreichen. Die Zeit drängte aber allmählich, und da mein Arzt selbst vier Jahre lang eine Intensivstation geleitet hatte, schuf er schließlich in seiner Praxis intensivähnliche Voraussetzungen, um mir am 17. Februar 2000 die erste Infusion zu geben. Was kaum jemand geglaubt hatte, trat ein. Drei Wochen nach der Infusion konnte ich wieder ein fast normales Leben führen. Ich konnte sogar wieder Radfahren und Reiten. Es war wie ein Wunder.

In der Zwischenzeit hat sich ein Infusionsintervall von sechs bis sieben Wochen eingestellt. Am Ende der 6. bzw. 7. Woche stellt sich jeweils wieder eine Herzschwäche ein, die bis zum Wirkungsbeginn der Infusion weiter fortschreitet. Zwei bis drei Wochen nach der Infusion kann ich aber wieder ein normales Leben führen.

Eine Transplantation konnte Gottlob vermieden werden. Zur unterstützenden Therapie wurde jetzt Fumaderm angesetzt. Ohne den mutigen Einsatz meines Arztes, der für mich Kopf und Kragen riskiert hat, wäre ich wohl nicht mehr am Leben. Die Aussichten auf den Erfolg einer evtl. Transplantation waren ohnehin gering, da aufgrund der autoimmunen Ursache der Erkrankung mein Körper ein fremdes Herz sicher abgestoßen hätte.

Meinem Arzt bin ich für seinen unermüdlichen Einsatz unendlich dankbar, denn ich habe zwei kleine Kinder, die nun wieder eine fast gesunde Mutter haben.

Christine Schröder

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