„Schneller als ich gucken konnte, hatte ich kaum noch Freunde“

Patricia L. hat sich vorgenommen, noch besser mit der Krankheit zu leben und sie noch mehr zu akzeptieren. „Ich habe eingesehen, dass ich auch so ein völlig normales Leben führen kann.“ Der Erfahrungsbericht einer Betroffenen.

Ich komme aus Warstein. Ich habe auch Schuppenflechte. Bei mir ist sie allerdings nur auf dem Kopf und mit kleinen Stellen auf dem linken Unterarm. Bei mir traten die sogenannten roten Flecken mit 7 Jahren zum ersten mal auf. Ich habe mir damals nicht viel dabei gedacht. Nur meine Eltern wunderten sich, weil ich mich nur noch am Kopf gekratzt habe.

Mit 8 Jahren bin ich zum ersten Mal mit diesem Problem zum Arzt gegangen. Der überwies mich zum Hautarzt. Dort musste ich etliche Test mit mir machen lassen, weil der Arzt anfangs dachte, es wäre eine allergische Reaktion. Doch dann kam die „frohe“ Botschaft, das ich Pso habe.

Für meine Mutter war diese Krankheit keine Neuigkeit mehr, denn sie selber war damals sehr jung daran erkrankt. Sie hatte die Schuppenflechte an den Ellebogen. Doch bei ihr ging es nach ein paar Jahren wieder weg. Ich allerdings trage meine Schuppen schon seit 10 Jahren mit mir rum.

Bisher hat kein Medikament wirklich geholfen, und wenn, dann nur für kurze Zeit.

Im Sommer habe ich Psoriasis nur im Nacken und hinter den Ohren, aber sobald es kalt und feucht draußen wird, habe ich es fast überall am Kopf.

Ich war schon insgesamt bei 4 verschiedenen Hautärzten und jeder hat was anderes gesagt und verschrieben. Ich habe damals sehr viele Medikamente ausprobiert. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern. Jeden Abend musste ich eine Flüssigkeit auf die Stellen machen. Wenn das auf die aufgekratzte Schuppenflechte kam, brannte das wie die Hölle.

Bei meinem Hautarzt in Magdeburg habe ich immer selbst hergestellte Salben aus der Apotheke bekommen. Die waren echt gut, hatten aber auch einen sehr starken unangenehmen Geruch. Nachdem ich ein Jahr mit verschiedenen Medikamenten behandelt wurde, wurde meine Schuppenflechte als geheilt bezeichnet. Nix da… Nach 2 Wochen fing alles wieder von vorne an. Meine Mutter hat mir damals immer Totes-Meer-Shampoo gekauft. Das gibt es auch heute noch in jedem Schlecker-Markt zu kaufen. Ich fand, das Shampoo war sehr gut, aber die Schuppenflechte blieb trotzdem. Nur das sie nicht mehr so stark juckte.

Als ich dann nach NRW gezogen bin, musste ich auch meinen Hautarzt wechseln. Der verschrieb mir wieder eine brennende Flüssigkeit und eine übelriechende Salbe. Weil ich das schon alles durch hatte, wechselte ich zu einem anderen Hautarzt. Dieser verschrieb mir eine UV-Strahlentherapie. Ich musste zweimal in der Woche meine Haare mit einem sogenannten Lichtkamm kämmen. Die Schuppenflechte ging auch deutlich zurück. Nur: Sobald die Therapie abgesetzt wurde kam sie wieder. Dann wurden mir wieder diese Salben und Co. verschrieben.

Seitdem habe ich die Hoffnung aufgegeben, jemals völlig befreit zu sein von Schuppen. Ich kann sehr gut mit den Schuppen leben. Allerdings ist es mir immer noch unangenehm, schwarze Sachen anzuziehen oder allgemein dunkle, denn auf denen sieht man die Schuppen ja sofort.

Nicht viele Menschen wissen von meiner Schuppenflechte. Ich war damals, als ich es erfuhr, sehr offen gegenüber meinen Freundinnen und habe es ihnen erzählt. Ich durfte mich von da an verspotten lassen – von wegen, das wären doch Läuse und keine Schuppen. Schneller als ich gucken konnte, hatte ich kaum noch Freunde. Als ich nach NRW zog, wussten nur meine engsten Freunde davon. Die fragten mich immer aus. Sie dachten anfangs alle, dass es ansteckend wäre. Sie haben es nur mit viel Mühe akzeptiert.

Danach musste ich wieder die Schule wechseln. Meinen Freundinnen dort habe ich es erzählt. Sie waren die ersten, die es positiv aufgenommen haben und mich so akzeptiert haben und es auch noch tun – seit mehr als drei Jahren. Darüber bin ich echt froh und auch sehr dankbar.

Für die Zukunft habe ich mir vorgenommen, noch besser mit der Krankheit zu leben und sie noch mehr zu akzeptieren. Ich habe eingesehen, dass ich auch so ein völlig normales Leben führen kann. Ich bin momentan selbstbewusster als ich jemals war und kann super so leben im Moment. Und das mit dem Solarium stimmt wirklich. Bei mir hilft es auch.

Ich finde, das man sich bei sowas nicht schämen muss. Wir können ja schließlich nicht viel dafür. Ich stehe dazu und bin glücklich darüber, so außergewöhnlich zu sein- auch wenn das ewige Jucken manchmal nervt!

Patricia L. (17)

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