„Vor mir ist noch keiner weggelaufen“

Carolin D. arbeitet in einem Geschäft für Kinderschuhe. Die Kleinen fragen, ob sie sich wehgetan hat. Anfangs wusste sie nicht so recht, was sie antworten sollte. Das ist heute anders. Ihr Rat: „Geht hinaus in die Welt! Ignoranten gibt es immer und überall, aber deswegen sollte man sich niemals verstecken.“ Der Erfahrungsbericht einer Betroffenen.

Ich habe mir vor meinen 21. Lebensjahr niemals Gedanken gemacht über Hautkrankheiten. Mit Anfang 20 fing ich meine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau an. Ich rauchte schon mit 16. Ich hatte ein ziemlich normales Leben ohne Schuppenflechte. Dann hat das Schicksal zugeschlagen: Mein Vater starb kurz vor Weihnachten 2008. Damit fing das Leben mit der Schuppenflechte an.

Zwei Monate nach der Beerdigung sah ich ein komische weiße Stelle an meinem Ellenbogen. Ich machte mir darüber keine Gedanken, dachte eher „wird ja schon weggehen“. Ich achtete monatelang nicht darauf. Es wurde größer und größer. Aber ich musste mich auf meine Ausbildung konzentrieren – die Prüfungen waren nicht mehr weit.

Dann bemerkte ich, dass der andere Ellenbogen auch weiße Stellen hatte. Eine Bekannte – ich hatte sie lange nicht mehr gesehen – sagte mir, dass das Schuppenflechte ist. Sie arbeitet am Empfang bei einem Hautarzt.

Ich war geschockt, ich wusste gar nicht so genau, was das ist. Ich recherchierte im Internet und fiel aus allen Wolken. Ich fragte mich, „wieso hab ich sowas?“. Ich war zwei Tage ziemlich deprimiert, aber dann fasste ich mich wieder und stellte mich der Öffentlichkeit.

Ich arbeite im Verkauf. Als erstes klärte ich meine Arbeitskollegen und Freunde auf, was ich habe. Sie nahmen das alle sehr gut auf und gaben mir Mut und nahmen mir die Angst vor fremden Reaktionen. Meine Familie sagte mir, dass die Krankheit mein Opa hatte. Das war mir neu – ich kannte ihn nicht besonders gut. Er starb auch sehr früh.

Mittlerweile rauche ich seit einem Jahr nicht mehr. Die „Supercreme“ hab ich noch nicht gefunden, aber es wird nicht mehr, und das freut mich schon sehr. Ich gehe im Sommer oft in das Schwimmbad, vor der Schuppenflechte bin ich nicht gegangen. Ich habe 10 Kilo Übergewicht. Aber nach der Schuppenflechte habe ich so viel Selbstvertrauen bekommen, dass ich ins Schwimmbad gehe, kurze Hosen trage, fast nichts anderes als T-Shirts anziehe und auch ziemlich offen auf Fragen reagiere. Ich arbeite in der Kinderabteilung und verkaufe dort Schuhe. Die Kinder fragen mich oft, ob ich mir weh getan habe.

Am Anfang hatte ich noch ein komischen Gefühl und wusste nicht, was ich darauf antworten sollte. Nun kann ich darauf antworten, und vor mir ist noch keiner weggelaufen.

Ich muss zu meinem Glück sagen, dass es bei mir gar nicht so schlimm ist. Ich habe es extrem am Kopf (sieht aber kaum jemand), an den Ellenbogen, an der Wade, unter den Knien und auf der Hand.

Ich benutze hauptsächlich Vaseline. Die Waschlotion von Aldi bekommt mir ganz gut. Das einzige Problem, was ich habe, ist meine Kopfhaut. Da ich im Verkauf arbeite, kann ich nicht mit einem Fettfilm auf den Haaren zur Arbeit kommen.

Ich kann nur jedem sagen: Geht hinaus in die Welt! Ignoranten gibt es immer und überall, aber deswegen sollte man sich niemals verstecken.

1 Kommentar

  1. Hallo Carolin, mit Freude lese ich von Deinem Mut, Dich mit unserer Krankheit nicht zu verstecken! Mein Haarboden ist auch betroffen:kein Schuppenshampoo verwenden,da es zu sehr austrocknet.Eher ölhaltiges Shampoo verwenden. Herzlich grüsst Dich Martha aus der Schweiz

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