Ernährungs-Docs gaben Tipps bei Schuppenflechte

Leckeres Essen

Update nach der Sendung

Die „Ernährungs-Docs“ des NDR-Fernsehens stellten im Februar 2016 den Fall einer Frau vor, die durch radikale Umstellung ihrer Ernährungsgewohnheiten, Abnehmen und Laufen ihre Schuppenflechte eindämmen konnte. Was ist dran an diesem Beispiel?

Die 66-Jährige ist seit 16 Jahren betroffen. Die Ernährungs-Ärztin stellte einen PASI von 28,5 fest. Ab PASI 10 spricht man von einer schweren Psoriasis. Die Patientin ist stark übergewichtig und bewegt sich wenig. Man erfuhr, dass sie „bislang keine Medikamente“ genommen hat. Sie würde „ihre ganze Hoffnung auf anderes Essen“ setzen. Ihr sei schon klar, dass sie bisher zu oft, zu viel und meist das Falsche gegessen habe.

Die Ärztin bestätigte, dass ihre Lebenserwartung geringer sein könne. Sie warnte mit drastischen Worten: „Die Schuppenflechte marschiert quasi von der Haut zum Herzen“. Weniger dramatisch heißt das: Bei einer starken, unbehandelten Schuppenflechte sind Folgen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall möglich.

Vorgeschlagen wurde ein Ernährungskonzept, mit dem die Entzündungen im Körper der Patientin zurückgedrängt, ihr Gewicht verringert und ihr Herz gestärkt werden solle. Sie dürfe täglich nur zwei feste Mahlzeiten zu sich nehmen (vor allem 3x in der Woche fetten Fisch) und nichts zwischendurch essen. Abends solle sie einen ärztlich verordneten Eiweiß-Shake (Formula-Diät) und tagsüber viel Weißdorn-Tee trinken. Außerdem erhielt sie einen Schrittzähler, um sich kontrolliert mehr zu bewegen.

Nach vier Monaten stellte sich die Patientin wieder vor: Sie hatte weniger Psoriasis-Stellen, die nicht mehr so rot und kaum noch schuppig waren. Ihr PASI betrug nur noch 12,2 und sie hatte 17 kg abgenommen.

Zum Schluss hieß es: „Weil sie es geschafft hat, ihre Essgewohnheiten zu verändern, hat [sie] ihre Schuppenflechte in den Griff gekriegt – mit entzündungshemmenden Essen, mit Bewegung und Gewichtsabnahme“. Weitere Tipps finden sich auf der Internetseite der TV-Serie[1].

Kommentar

Auf den ersten Blick überzeugt der Fall. Die Patientin ist endlich aktiv geworden und hat erfolgreich ihre Hautkrankheit und ihr Gewicht verringert. „Mit viel Disziplin“, wie es im Beitrag hieß. Aber ist das wirklich ein weiterer Beweis dafür, dass die „Ernährungs-Docs“, wie sie behaupten, schon innerhalb weniger Monate oft mehr erreichen als Tabletten?

Der PASI bei der Patientin ist über die Hälfte auf 12,2 zurückgegangen. Das ist tatsächlich beeindruckend, aber es reicht nicht! Der verringerte Wert steht immer noch für eine schwere Form der Psoriasis. Und die muss unbedingt therapiert werden. Dazu sagt die Ärztin im TV-Beitrag aber kein Wort! Sie hätte die Patientin, die „ihre ganze Hoffnung auf anderes Essen“ gesetzt hat, darüber aufklären müssen! Auch der Abschlusskommentar, die Patientin hätte ihre Krankheit jetzt „im Griff“, vermittelt einen falschen Eindruck. Es scheint, als müsse die Patientin das Ernährungskonzept nur weiterführen, um irgendwann einmal erscheinungsfrei zu werden. Wenn diese Patientin aber ihre weiterhin schwere Psoriasis medizinisch nicht behandelt, riskiert sie (trotz Weißdorn-Tee) lebensgefährliche Begleiterkrankungen.

Von Ernährungsumstellung keine Wunder erwarten

Es ist erwiesen, dass es Lebensmittel gibt, die Entzündungen oder Juckreiz fördern können und andere, die darauf hemmend wirken[2]. Daraus folgt, dass man eine Psoriasis nicht unnötig durch provozierende Nahrungsmittel anfeuern sollte. Psoriasis-Patienten sollten mehr darauf achten, was sie essen. Aber wie stark einzelne Nahrungsmittel tatsächlich eine Krankheit beeinflussen, ist wissenschaftlich gar nicht oder kaum erforscht. Aus unserer Erfahrung kann eine Ernährung mit entzündungshemmenden Lebensmitteln allein die notwendige Therapie einer mittelschweren oder schweren Psorias nicht ersetzen. Sie kann aber eine Therapie unterstützen, so dass diese besser wirkt. Deshalb sollte man sich vor allem bei einer schweren Psoriasis bewusst ernähren.

Ernährungsempfehlungen für Psoriatiker, wie sie rund um diesen TV-Beitrag gemacht werden, gibt es schon lange[3]. Das Problem ist, unter welchen Umständen man als Betroffener aktiv wird, um seine Ernährungsgewohnheiten umzustellen. Nicht jeder hat die Möglichkeit, dabei so engmaschig betreut zu werden, wie es das NDR-Fernsehen „mit gezielten Ernährungs-Strategien“ in diesem Fall gemacht hat. Der TV-Beitrag deutet an, dass die Patientin sich enorm anstrengen musste. Allein ist das nur schwer zu schaffen.

Durch Lebensmittel geheilt?

Es wird immer wieder davon berichtet, dass jemand seine Psoriasis nur durch Ernährung zurückgedrängt oder sogar geheilt haben soll[4]. Das kann stimmen, muss aber nicht. Immer sind es Einzelfälle, die leider nicht auf die Mehrheit der Psoriatiker übertragbar sind. Die Aussage, jemand sei allein durch eine Ernährungsumstellung erscheinungsfrei geworden, konnte in keinem dieser Fälle objektiv überprüft werden.

Erscheinungsfrei unabhängig von Ernährung

Es gibt auch andere Gründe, weshalb nach einer Ernährungsumstellung eine Psoriasis zurückgeht. Zum einen gibt es wirklich Fälle, in denen eine Psoriasis abheilt – selten, aber es kommt vor. Zum anderen tritt die Psoriasis schubweise auf – sie kommt und geht, unabhängig von anderen Einflüssen. Viele behandeln während der Diät ihre Krankheit parallel weiter. So ist nicht nachzuweisen, was letztendlich gewirkt hat. Schließlich ist bekannt, dass die Psyche und „die Kraft des Denkens“ auf veränderte Lebensumstände wirken. Sie können eine Krankheit grundlegend beeinflussen – positiv wie negativ. Es ist erwiesen, dass Patienten eher auf eine Therapie ansprechen, wenn sie sich von einem Arzt besonders intensiv betreut und kompetent behandelt fühlen – wie z.B. bei den „Ernährungs-Docs“.

Therapiebegleitend Gewicht und Bauchfett reduzieren

Das gleiche gilt fürs Abnehmen. Die Patientin hat vor allem mit Hilfe eines Eiweiß-Diät-Pulvers deutlich an Gewicht verloren. Es blieb in der Sendung offen, wie lange diese Abnehmhilfe eingenommen werden muss. Grundsätzlich gilt fürs Abnehmen das gleiche wie für eine Diät: Ohne Begleitung und Rückkoppelung ist das kaum zu schaffen. In mehreren Studien wurde nachgewiesen, dass übergewichtige Psoriasis-Patienten, die abgenommen haben, deutlich besser auf eine Therapie ansprachen, als eine Vergleichsgruppe[5]. Es ist das Bauchfett, das Entzündungen im Körper verstärkt. Ob das auf normalgewichtige Patienten ebenfalls zutrifft, ist noch nicht untersucht worden. Aus unserer Erfahrung kann Abnehmen allein aber die notwendige Therapie einer mittelschweren oder schweren Psorias nicht ersetzen. Trotzdem sollten schwer betroffene und vor allem schwergewichtige Psoriatiker sich durch das Beispiel ermutigt fühlen. Wenn das Leid damit verringert werden kann, sollte man die Qual des Abnehmens nicht scheuen.

Sport und Schrittzähler helfen – heilen aber nicht

Das gleiche gilt fürs Bewegen. Die Patientin hat im TV-Beitrag eingestehen müssen, dass sie ihre Bewegungsziele nicht erreicht habe. Trotzdem wurde das im Endkommentar als erfolgreiche Wirkung aufgenommen! Unabhängig von diesem Fall ist es bewiesen, dass körperliche Aktivitäten positiv auf innerliche Entzündungsmediatoren wirken. Auch zur Psoriasis liegen inzwischen sichere Erkenntnisse dazu vor. So verringert sich das Risiko, neu an Psoriasis zu erkranken, bei denjenigen, die regelmäßig körperlich aktiv sind. In Sport treibenden Familien bricht Psoriasis seltener aus. Fitness (Aerobic) und Krafttraining beeinflussen nach sechs Monaten bestimmte Gen-Aktivitäten. Die können das Entzündungsniveau senken. Hinzu kommt, dass Sport Endorphine freisetzt. Das verringert Angst und Stress und verschafft ein positives Lebensgefühl für die Krankheitsbewältigung. Sport allein aber wird eine schwere Psoriasis kaum zum Abklingen bringen[6]. Er kann aber eine Therapie unterstützen, so dass diese besser wirkt. Deshalb sollten Menschen mit schwerer Psoriasis auf ausreichende Bewegung achten.

Herz- und Kreislauf-Prophylaxe?

Nicht gemessen wurde im TV-Beitrag, welche Wirkung der Weißdorn-Tee bei der Patientin gehabt hat. Ob er tatsächlich einem möglichen Herzinfarkt vorbeugen kann, können Kardiologen bewerten. Das hängt vermutlich auch davon ab, ob das Herz- und Kreislaufsystem von der Psoriasis schon angegriffen ist. Was bei so einer schweren Psoriasis wie im TV-Beitrag möglich wäre.

Die Botschaft der „Ernährungs-Docs“

Die Ankündigungen und der Vorspann der Sendungen sprechen offensichtlich Patienten an, die der wissenschaftlich fundierten („Schul-“) Medizin nicht mehr trauen. Es wird versprochen, durch Ernährungsumstellung „mehr zu erreichen als mit Tabletten“. Krankheiten würden abgemildert oder sogar geheilt werden.

Die Fernseh-Ärzte in diesem Sendeformat bezeichnen sich selbst (in klassischem Denglisch) als „Ernährungs-Docs“. Ihre Stellungnahmen erinnern an typische Aussagen von Schulmedizin-Verächtern und Alternativ-Heilern. Obgleich sie alle drei aus der Schulmedizin kommen. So heißt es im Vorspann zu jeder Sendung:

„Wir schlucken jede Menge Pillen und sind trotzdem krank. Für viele gibt es eine bessere Behandlung: Anders essen!“ (Off)

„Mit Ernährung lässt sich so viel erreichen. Aber nur wenige wissen das und noch viel weniger nutzen diese Chance“ (Dr. Matthias Riedl)

„Essen ist gleich Medizin “ (Dr. Jörn Klasen)

„Jeder hat es verdient, dass er eine Chance bekommt“ (Dr. Anne Fleck).

Rheuma-Diät – wissenschaftlich nicht nachgewiesen

Beim Fall einer jungen Patientin mit schwerem Rheuma, stark fortgeschrittener Gelenkzerstörung und Pflegebedürftigkeit haben wir nachgefragt. Schließlich sind Rheuma und Psoriasis Arthritis sehr ähnlich. Wir wollten wissen, auf welcher wissenschaftlichen Grundlage die Empfehlungen ausgesprochen wurden. Alle Experten behaupten, dass es bisher keine belegbare „Rheuma-Diät“ gibt. Immerhin wurde in dem Beitrag suggeriert, dass die Ernährungstipps das schaffen könnten, was selbst starke Medikamente nicht schaffen würden: die Entzündungen herabzusetzen. Der NDR sah sich nicht imstande, Nachweise zu bringen. Stattdessen hieß es:

„Wir haben die Ernährungsempfehlungen zusammen mit den Ärzten und auf Grundlage unserer langjährigen Recherchen und Erfahrungen im Bereich Ernährungsmedizin für das NDR-Gesundheitsmagazin Visite entwickelt.“

Den TV-Beitrag haben wir einigen Ernährungsberaterinnen aus Rheuma-Kliniken vorgespielt. Alle haben die reißerische Darstellung kritisiert. Generell haben sie die Vorschläge nicht abgelehnt, aber nur als eine von mehreren Möglichkeiten bewertet. Smoothies sahen sie als problematisch an, weil dadurch das vorbereitende Kauen und Aufspalten mit Speichel übersprungen wird. Leinöl gilt bei manchen als „ungeeignet“. Im Gegensatz zum Fischöl müssen beim Leinöl die beiden entzündungshemmenden Wirkstoffe EPA und DHA erst getrennt werden. Das, so behaupten Untersuchungen, würde aber im Stoffwechsel nur in sehr geringem Maße stattfinden[7]. Ganz am Ende dieses Beitrags wurde die Patientin kurz darauf hingewiesen, dass sie vermutlich weniger Medikamente benötige, wenn sie die Diät einhalte.

P.S. Nach unserer Kritik und nach dem „Ernährungs-Doc“ – Kommentar am Ende dieses Artikels wurde ein 13-jähriges Mädchen mit Rheuma vorgestellt. In diesem Fall wurde deutlich gesagt, dass durch die Ernährungsumstellung einige Medikamente abgesetzt, andere aber beibehalten werden müssten.

Gesundwerden ohne Medikamente?

Die „Ernährungs-Docs“ treten absolut überzeugt von sich auf. Ihr Konzept und ihre Ratschläge kennen keine Abstufungen oder vorsichtigen Einschränkungen. Sie weisen nicht darauf hin, dass es auch andere, manchmal gegenteilige Ernährungsvorschläge gibt. Sie propagieren teure, umstrittene Mode-Exoten wie Chia-Samen oder Manuka-Honig. Das Essen als Medizin steht derart massiv im Vordergrund, dass viele Zuschauer glauben müssen, sie könnten auf eine medizinische Behandlung verzichten. Nur wer sehr genau zuhört, erfährt manchmal, dass eine vorgeschlagene Diät lediglich die Medikamenten-Dosis verringern könne. Das ist aber nicht die eigentliche Botschaft der „Ernährungs-Docs“.

Trotz des sehr selbstbewussten Auftretens und dem Eindruck, hier hätten drei Mediziner endlich den sanften Weg zur Gesundung gefunden: Ernährung und Bewegung können eine Therapie unterstützen, aber selten ersetzen. Vor allem bei schweren chronischen Krankheiten ist es nicht zu verantworten, Betroffenen einzureden, anders essen sei die „bessere Behandlung“.

Der NDR bezeichnet seine Sendereihe „Die Ernährungs-Docs“ als „einzigartiges Fernsehformat“, das Menschen hilft, „die an ihren massiven Gesundheitsproblemen fast verzweifeln“. Im Privat-Fernsehen gehört eine derartig reißerische Präsentation zum Geschäftsmodell. Bei einem Sender mit öffentlich-rechtlichem Auftrag dagegen ist es nicht akzeptabel, bei verzweifelten Patienten den Eindruck zu hinterlassen, es ginge auch ohne Medikamente.

Wir finden, dass diese Sendereihe sensationsheischend Gesundheit oder Heilung verspricht. Einzelfälle werden verallgemeinert. Es gibt keinen Hinweis, dass nicht alles bei jedem gleich wirkt. Die Zuschauer bekommen den Eindruck, dass unterstützende Maßnahmen wie Ernährung anstelle einer Therapie treten können. Notwendige Hinweise, dass trotzdem weiterhin Medikamente genommen werden müssen, werden – wenn überhaupt – nur nebenbei erwähnt. Ob das dann noch von den Zuschauern gehört wird, kann durchaus bezweifelt werden: Viele glauben, was sie glauben wollen.

 

[1] Allgemeine Ernährungstipps bei Schuppenflechte,
Rezepte bei Schuppenflechte
[2]  Was gegen Entzündungen hilft
[3] Diät bei Schuppenflechte, Psoriasis Forum Berlin,
Lebensmittel-Empfehlungen bei entzündlichen Krankheiten,
Mit der Ernährung Entzündungen ausbremsen, Ulrike Becker, PTA-Forum 17/2015
[4] Buchbesprechung: „Schuppenflechte – Selbstheilung ohne Medikamente“, Marianne Sebök
„Healing Psoriasis: The Natural Alternative“, John Pagano (Autor)
[5] Online weight loss coaching for patients with psoriasis: results of a pilot study, Sascha Gerdes, Br J Dermatol. 2015 Sep 24. doi: 10.1111/bjd.14187
Effect of weight loss on the severity of psoriasis: a randomized clinical study, Dr. Peter Jensen et.al., JAMA Dermatol. 2013; 149: 795-801
Weight loss improves the response of obese patients with moderate-to-severe chronic plaque psoriasis to low-dose cyclosporine therapy: a randomized, controlled, investigator-blinded clinical trial, Paolo Gisondi et.al. Am J Clin Nutr. 2008 Nov;88(5):1242-7.
[6] Diet and physical exercise in psoriasis: a randomized controlled trial, L. Naldi, British Journal of Dermatology, Volume 170, Issue 3, pages 634–642, March 2014
The association between physical activity and the risk of incident psoriasis, C. Hillary, Arch Dermatol. 2012;148(8):918-924. doi:10.1001/archdermatol.2012.943
Psoriasis and sport: a new ally?, N. Balato, J Eur Acad Dermatol Venereol. 2015 Mar;29(3):515-20. doi: 10.1111/jdv.12607. Epub 2014 Jul 30.
[7] Docosahexaensäure, Wikipedia

Über Rolf Blaga 115 Artikel
Rolf Blaga hat bis 2012 als Studienrat in Berlin am Oberstufenzentrum Gesundheit unterrichtet. Seit 1993 ist er aktiv in der Psoriasis-Selbsthilfe tätig, sowohl regional im Psoriasis Forum Berlin als auch überregional in der Psoriasis Selbsthilfe Arbeitsgemeinschaft.

2 Kommentare

  1. Sehr geehrter Herr Blaga,

    Ihre Kritik beruht auf der Annahme, dass die Ernährungsmedizin im Widerspruch zur Schulmedizin steht. Diese Aussage findet sich in keiner Sendung. Vielmehr sind viele Patienten den Leitlinien entsprechend weiter mit Medikamenten behandelt worden. Wo es ging, wurden diese in Absprache mit den Patienten reduziert oder modifiziert. Die Ernährungsmedizin ist integraler Bestandteil der Evidenz basierten Medizin – also der wissenschaftlich fundierten Heilkunst.
    Alle drei beteiligten Ärzte sind überdies sogenannte „Schulmediziner“ und damit in ihrem Handeln medizinischen Leitlinien verpflichtet.

    Die Ernährungstherapie in Misskredit zu bringen, entspricht dem Denken der vergangenen Jahrzehnte. Beispielsweise gibt es Remissionsraten also Heilungen von früh ernährungstherapeutisch behandeltem Diabetes Typ 2 von 10 bis 30 %. Wer den Betroffenen, den Mut nimmt, die eigene Gesundheit in die Hand zu nehmen, handelt fahrlässig und vergeudet Gesundheit und Lebensjahre.

    Ihre Kritik am ernährungstherapeutischen Vorgehen bei der rheumatischen Erkrankung Psoriasis liegt sicherlich an mangelndem Wissen. Zu Ihrem Beitrag hat Ihnen ja auch unlängst schon Prof. Matthias Augustin vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf eine fundierte Einschätzung übermittelt. Wir würden es begrüßen, wenn Sie diese Ihren Forums-Lesern nicht vorenthalten.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Matthias Riedl sowie das Team der „Ernährungs-Docs“

    • Sehr geehrter Herr Dr. Riedl!

      Als gewissenhafter Autor kritischer Beiträge lasse ich mir natürlich nicht gerne „mangelndes Wissen“ vorwerfen. Das klingt nicht gerade wie ein sachliches Argument! Sie verweisen auf Prof. Augustin. Der habe dem Psoriasis-Netz eine „fundierte Einschätzung“ zum „ernährungstherapeutischem Vorgehen bei der rheumatischen Erkrankung Psoriasis“ übermittelt. Sie würden es begrüßen, wir die den Lesern nicht vorenthalten würden.

      Leider hat mir Prof. Augustin nicht geantwortet, als ich ihn dringend darum bat zu erlauben, seine Ausführungen veröffentlichen zu dürfen. Wie Sie vielleicht wissen, geht so etwas in nicht ohne Zustimmung des Verfassers. Schließlich war der Brief an mich persönlich gerichtet.

      Prof. Augustin hat sich nicht, wie Sie schreiben, zur „rheumatischen Erkrankung Psoriasis“ geäußert. Das wäre nämlich die Psoriasis Arthritis. Er hat sich aber zur HAUTERKRANKUNG Psoriasis geäußert. Folgende Aussage von mir hat er als nicht richtig bezeichnet: „Es konnte bisher nicht seriös nachgewiesen werden, dass eine Psoriasis durch bestimmte Ernährungskonzepte zurückgeht.“ Das hatte ich in meinem Beitrag vor der Sendung geschrieben. Als Beleg verwies er auf zwei Studien: „Weight loss improves the response of obese patients with moderate-to-severe chronic plaque psoriasis to low-dose cyclosporine therapy“ und „Diet and physical exercise in psoriasis„.

      Trotz intensiven Lesens konnte ich in keiner der beiden Studien finden, welche Lebensmittel genau den Patienten gegeben wurden. Studienobjekt war allein die Gewichtsreduktion und nicht die Frage, welche Lebensmittel eine Psoriasis verbessern könnten. Ich bleibe dabei: Es ist bisher nur erwiesen, dass Abnehmen an sich bei übergewichtigen Psoriasis-Patienten den Therapie-Erfolg begünstigt. Es ist offen, ob das auch für Normalgewichtige gilt. Wissenschaftlich ist es noch nicht erwiesen, welche (entzündungshemmende) Lebensmittel wie stark eine Psoriasis beeinflussen.

      Richtige Ernährung kann den Erfolg einer Behandlung deutlich verbessern, aber nicht ersetzen! Sie schreiben, viele Patienten der Sendungen seien „weiter mit Medikamenten behandelt worden“. Im Fall der Patientin mit Schuppenflechte wurde das aber ausdrücklich ausgeschlossen!

      Natürlich ist es allgemein bekannt, dass alle drei „Ernährungs-Docs“ Schulmediziner sind. Deshalb ist es umso verwunderlicher, wie vehement in den Ankündigungen, im Vorspann und auch in den Beiträgen immer wieder der Eindruck entsteht, als könne man ALLEIN mit Ernährung eine schwere chronische Krankheit verbessern oder sogar heilen. Auf keinem schulmedizinischen Ärztekongress habe ich bisher den Begriff „Ernährungs-THERAPIE“ gehört. Eine therapiebegleitende Maßnahme ist noch keine Therapie an sich. Die Zuschauer wurden nicht darüber aufgeklärt, dass die Psoriasis-Patientin im TV-Beitrag mit dem verbliebenen PASI <10 auf jeden Fall medikamentös behandeln muss.

      Auch ohne Abdruck-Erlaubnis gebe ich gern die Botschaft von Prof. Augustin an alle Psoriasis-Patienten weiter: "Gewichtsreduktion bei Übergewicht, verbesserte Ernährung bei entsprechenden Defiziten, Nikotinentwöhnung und ein ausreichendes, regelmäßiges Maß an Bewegung sind Grundkomponenten der Therapie bei Psoriasis, gleichgültig welche Arzneimitteltherapie geplant ist."

      Ich grüße das Team der "Ernährungs-Docs" und wünsche mir mehr sachliche Distanz bei Ihren Sendungen.

      Rolf Blaga

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