Psoriasis arthritis – Therapie mit Medikamenten

Psoriasis Arthritis

Empfehlungen zur Behandlung von Patienten mit Psoriasis Arthritis finden sich in der Leitlinie „Therapie der Psoriasis vulgaris“, die mit Unterstützung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft und dem Berufsverband der Deutschen Dermatologen erstellt wurde. Empfehlungen einer deutschen rheumatologischen Fachgesellschaft speziell zu ihrer Behandlung existieren nicht. Im April 2014 wurden jedoch Empfehlungen der Europäischen Rheumaliga EULAR („European League Against Rheumatism“) zur medikamentösen Therapie der Psoriasis Arthritis veröffentlicht.

Bei der Auswertung der verfügbaren Studien berücksichtigten die Experten vier Medikamentengruppen:

  • nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR; z.B. Ibuprofen, Naproxen, Diclofenac)
  • Glukokortikoide
  • synthetische krankheitsmodifizierende antirheumatische Medikamente (engl.: disease-modifying antirheumatic drugs, DMARDs)
  • biologische DMARDs („Biologika“)

Einige dieser Medikamente wie bestimmte Tumor-Nekrose-Faktor (TNF)-alpha-Hemmer sind dabei sowohl zu Behandlung der Psoriasis Arthritis als auch der Plaque-Psoriasis und der rheumatoiden Arthritis zugelassen.

Fünf Grundprinzipien und zehn Empfehlungen

Die EULAR hat ihre detaillierten Empfehlungen kompakt in fünf Grundprinzipien und zehn Empfehlungen zusammengefasst. In teils verkürzter Form lauten sie wie folgt

Grundprinzipien

  1. Psoriasis Arthritis ist eine heterogene und potenziell schwere Erkrankung, die der multidisziplinären Behandlung bedarf.
  2. Rheumatologe und Patient müssen Entscheidungen gemeinsam treffen.
  3. Primär sollte sich ein Rheumatologe um die Behandlung der Beschwerden an Muskeln und Gelenken kümmern und bei gleichzeitigem Vorliegen von Hautsymptomen mit einem Dermatologen kooperieren.
  4. Oberstes Behandlungsziel ist eine möglichst gute Lebensqualität. Dies lässt sich dadurch erreichen, die Symptome zu kontrollieren, Gelenkschäden zu verhindern, die Funktionalität der Gelenke zu erhalten und die Teilhabe der Patienten am sozialen Leben zu ermöglichen. Die entzündlichen Krankheitsprozesse sollten dabei möglichst vollständig zum Stillstand gebracht werden.
  5. Bei regelmäßigen Kontrollen durch den Rheumatologen muss die Therapie den jeweiligen Bedürfnissen angepasst werden.

Therapieempfehlungen

  1. Zur Linderung der Symptome können (entzündungshemmende und zugleich schmerzlindernde) NSAR eingesetzt werden (z.B. Ibuprofen, Diclofenac).
  2. Vor allem wenn viele Gelenke geschwollen sind, sollte schon in frühen Krankheitsstadien der Einsatz eines (synthetischen) DMARD erwogen werden (z.B. Methotrexat, Sulfasalazin).
  3. Bei gleichzeitig vorliegenden Hautsymptomen ist ein Medikament zu bevorzugen, das auch diese verbessert.
  4. Bei Psoriasis Arthritis können zusätzlich lokale Kortisoninjektionen in das Gelenk erwogen werden. Bei einer in möglichst niedriger Dosierung durchzuführenden oralen Kortisontherapie ist Vorsicht geboten.
  5. Patienten mit aktiver Erkrankung, die auf mindestens ein synthetisches DMARD wie Methotrexat nicht angesprochen haben, sollten mit einem TNF-alpha-Hemmer behandelt werden.
  6. In Betracht gezogen werden kann die Behandlung mit einem TNF-alpha-Hemmer auch bei Patienten mit Daktylitis (Entzündung aller Strukturen des Fingers, „Wurstfinger“) und/oder Enthesitis (Entzündung an der Übergangsstelle zwischen Sehne und Knochen), wenn sie auf NSAR oder lokale Kortisoninjektionen nur unzureichend ansprechen.
  7. In Betracht gezogen werden sollte ein TNF-alpha-Hemmer bei Patienten mit Beteiligung der Wirbelsäule und unzureichendem Ansprechen auf NSAR.
  8. Bei Patienten mit sehr starker Krankheitsaktivität kann ein TNF-alpha-Hemmer in Ausnahmefällen auch sofort eingesetzt werden, ohne zuvor eines der anderen Medikamente auszuprobieren.
  9. Spricht ein Patient auf einen bestimmten TNF-alpha-Hemmer nicht an, kann die Umstellung auf einen anderen TNF-alpha-Hemmer erwogen werden.
  10. Bei jeder Anpassung der Therapie sollte der Arzt eventuell vorliegende Begleiterkrankungen sowie mögliche Nebenwirkungen der Medikamente berücksichtigen.

Eine Anmerkung zu NSAR

NSAR wie Ibuprofen und Diclofenac sind frei verkäuflich. Dies darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass ihre Anwendung aufgrund der Nebenwirkungen nicht unproblematisch ist. So weist die Europäische Arzneimittelbehörde zum Beispiel darauf hin, dass Diclofenac bei Patienten mit bestimmten Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie einer mittleren bis schweren Herzinsuffizienz oder zerebrovaskulären (d.h. die Blutgefäße des Gehirns betreffenden) Erkrankungen, etwa nach einem Schlaganfall, gar nicht eingesetzt werden sollte. Menschen mit Bluthochruck oder Diabetes sowie Raucher sollten es aufgrund des erhöhten Risikos für Nebenwirkungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall erst nach sorgfältiger Abwägung einnehmen. Selbst Menschen ohne Risikofaktoren sollten auf eine möglichst niedrige Dosierung achten und Diclofenac oder ein anderes NSAR nur so kurz wie unbedingt nötig nehmen. Auch viele schwere oder sogar tödliche Magen-Darm-Blutungen werden den NSAR zugeschrieben.

Sollten Sie sich NSAR in der Apotheke kaufen, vergessen Sie deshalb nicht, es ihrem Arzt gegenüber zu erwähnen und besprechen Sie mit ihm die Alternativen.

Dr. rer. nat. Matthias Herrmann

Bildquellen

  • psoriasis-arthritis-medikamente: Kadmy – Fotolia.com

2 Kommentare

  1. In dem Textabschnitt: Empfehlungen zur Behandlung von Patienten mit Psoriasis Arthritis finden sich in der Leitlinie „Therapie der Psoriasis vulgaris“, die mit Unterstützung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft und dem Berufsverband der Deutschen Dermatologen erstellt wurde.

    Der Link zu „http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/013-001.html“ Enthält keine aktuelle Leitlinie.
    Es sind keine Leitlinien für Psoriasis vulgaris vorhanden. Ihr Text ist somit nicht mehr aktuell. Bitte überprüfen.

    Leitlinien-Detailansicht
    Therapie der Psoriasis vulgaris
    Registernummer 013 – 001
    Klassifikation S3

    01/2016: Leitlinie seit > 5 Jahren nicht aktualisiert, Leitlinie wird zur Zeit überprüft / 03.07.2014: aktuelle Patienten-Leitlinie eingestellt

    Mit freundlichen Grüssen
    R. K.

    • Danke für den Kommentar! Es ist leider richtig: Die Leitlinie zur Behandlung der Psoriasis ist nicht mehr aktuell, sie wird derzeit überarbeitet. Nach unserem Kenntnisstand soll sie bis gegen Ende des Jahres (2016) aktualisiert sein. So lange kann man auf dem von Ihnen genannten Link ja aber noch die alte Leitlinie finden.

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