WHO veröffentlicht Fakten zur Schuppenflechte

Weltgesundheitsorganisation

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat auf ihrer Internetseite eine Seite zum Thema Psoriasis veröffentlicht. Dazu gehört auch ein „Faktenblatt“ zur Schuppenflechte. Wir bieten hier eine deutsche Übersetzung dieses Faktenblattes, denn die WHO selbst übersetzt ihre Informationen meist „nur“ ins Arabische, Chinesische, Französische, Russische und Spanische.

Mit unserer Übersetzung sind wir bewusst nah am Originaltext geblieben, um so wenig eigene Interpretation wie möglich reinzubringen.  Manche Textstellen klingen deshalb sicher etwas hölzern. Kursives in Klammern ist dann doch von uns, fett „gedruckter“ Text aber wie im Original. Voilà:

Was ist Psoriasis?

Psoriasis, eingestuft als nicht übertragbare Erkrankung, ist eine chronische, schmerzhafte, entstellende und mit Behinderungen einhergehende Erkrankung, für die es keine Heilung gibt. Sie beeinflusst die Lebensqualität des Patienten negativ. Sie kann in jedem Alter auftreten und ist am meisten in der Altersgruppe der 50- bis 69-jährigen verbreitet (1). Die aus Ländern gemeldete Häufigkeit zwischen 0,09 Prozent (2) und 11,4 Prozent (3) macht die Psoriasis zu einer ernst zu nehmenden Erkrankung. Psoriasis betrifft die Haut und Nägel und wird mit einer Reihe von Begleiterkrankungen in Verbindung gebracht. Die Hauterscheinungen sind begrenzt oder „generalisiert“ (am ganzen Körper), meist symmetrisch, scharf begrenzt, mit roten Papeln (Knötchen oder Pusteln) und Plaques (erhabene Stellen) und für gewöhnlich mit weißen oder silbernen Schuppen bedeckt. Die Hauterscheinungen verursachen Juckreiz, Brennen und Schmerzen. Zwischen 1,3 Prozent (4) und 34,7 Prozent (5) der Betroffenen mit Psoriasis entwickeln eine chronische, entzündliche Arthritis (Psoriasis arthritis), die zu deformierten Gelenken und Behinderungen führt. Menschen mit Psoriasis können ein erhöhtes Risiko für andere ernste Krankheiten wie Herz-Kreislauf- oder andere nicht übertragbare Krankheiten haben (6-8).

Was ist über die Ursache der Psoriasis bekannt?

Die Ursache der Psoriasis ist unklar, jedoch gibt es Hinweise auf eine genetische Veranlagung.  Die Rolle des Immunsystems als Ursache ist ein wichtiger Gegenstand der Forschung. Obwohl es Hinweise gibt, dass die Psoriasis eine Autoimmunerkrankung ist, wurde bislang kein Autoantigen gefunden, dass dafür verantwortlich sein könnte. Psoriasis kann auch durch externe und interne Trigger („Anlässe“) inklusive leichte Verletzungen, Sonnenbrand, Infektionen, innerliche Medikamente und Stress ausgelöst werden. (7)

Auswirkungen auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität

Psoriasis verursacht eine große körperliche, psychische und soziale Belastung. Die Lebensqualität ist oft deutlich eingeschränkt. Die von Betroffenen am häufigsten genannten Symptome der Schuppenflechte sind (10)

  • Schuppung der Haut: 92 Prozent
  • Juckreiz: 72 Prozent
  • Rötung: 69 Prozent
  • Müdigkeit: 27 Prozent
  • Schwellung: 23 Prozent
  • Brennen: 20 Prozent
  • Blutungen: 2o Prozent

Es gibt auch einen erheblichen Einfluss auf das psychische Wohlbefinden wie ein höheres Maß an Depressionen (11,12). Psoriasis kann Beziehungen zu Hause, in der Schule oder auf der Arbeit sowie die Sexualität beeinflussen. Die Patienten werden häufig stigmatisiert und vom normalen sozialen Umfeld ausgeschlossen, darunter in Schulen, an Arbeitsplätzen und in Schwimmbädern. Als Ergebnis vermeiden sie oft soziale Aktivitäten und fühlen sich häufig einsam, isoliert, unattraktiv und frustriert. Bei Psoriasis-Patienten können die Behinderung, verpasste Chancen im Berufsleben und hohe Behandlungskosten zu einer erheblichen sozioökonomischen (finanziellen) Belastung werden. Die Kosten der Psoriasis sind deutlich (oder wichtig) für beide – sowohl für die Patienten als auch für das Gesundheitssystem.

Diagnose und Behandlung der Psoriasis

Die Diagnose der Psoriasis basiert für gewöhnlich auf der Anwesenheit der typischen Hautveränderungen. Es gibt keine speziellen Bluttests oder diagnostischen Verfahren. Eine Hautbiopsie oder ein Abschaben (von ein wenig Haut) können nötig sein, um andere Erkrankungen auszuschließen.

Die Behandlung der Psoriasis besteht im Kontrollieren der Symptome. Äußerliche und innerliche Therapien sowie eine Lichttherapie stehen zur Verfügung. In der Praxis wird oft eine Kombination dieser Methoden angewendet.

Die Behandlung umfasst auch eine Schmerzreduktion und ein Reduzieren der Behinderungen der Arthritis und anderer Erscheinungsformen. Eine Behandlung ist für gewöhnlich lebenslang nötig und zielt auf eine Remission (Linderung). Das Management der Psoriasis beinhaltet auch die regelmäßige Kontrolle auf Begleiterkrankungen wie dem Metabolischen Syndrom und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Depression, Angst und Selbstmordgedanken.

Patienten mit Psoriasis haben – wie Patienten mit anderen nicht übertragbaren Erkrankungen – oft mehrere Erkrankungen und komplexe Bedarfe. Das Langzeit-Management der Psoriasis erfordert eine Anpassung der Therapie an den Einzelnen. Die Management-Algorithmen (Behandlungspläne, z.B. Leitlinien) können dem jeweiligen Gesundheitssystem angepasst werden. Eine psychosoziale Unterstützung und Aufklärung des Patienten können hilfreich sein. Wichtig sind eine gesunde Ernährung und angemessene körperliche Aktivität sowie ein Management anderer Risikofaktoren wie Übergewicht. Eine Gewichtsreduktion kann die Wirksamkeit einer Psoriasis-Therapie bei Menschen, die übergewichtig sind, verbessern. Eine Stärkung des Patienten („Patient empowerment“) ist zentraler Bestandteil eines erfolgreichen Programmes (13), wie beim Management anderer chronischer Hauterkrankungen gezeigt wurde (14).

Welche Maßnahmen sind erforderlich?

Die wichtigsten Maßnahmen, um das Leben von Menschen mit Psoriasis zu verbessern, sind:

  • eine Versorgung von Patienten mit Psoriasis in der allgemeinen Krankenversicherung. Eine frühzeitige Diagnose und eine passende Therapie sind die beste Möglichkeit, um den Patienten vor unnötigem Leid und einer bleibenden Behinderung zu bewahren. Eine optimale Therapie reduziert auch die Kosten der Krankheit für die Gesellschaft.
  • eine Verbesserung des Zugangs zu wichtigen Medikamenten für Psoriasis. Als Minimum sollten öffentliche und private Einrichtungen die Medikamente auf der WHO-Liste der unentbehrlichen Medikamente inklusive innerliche Therapien zur Verfügung stellen. Allgemeine Krankenversicherungen sollten die Kosten für diese Behandlungen übernehmen.
  • eine koordinierte, patientenzentrierte Versorgung. Angebote, die die Sicht mehrerer Professionen rund um die Bedürfnisse und Vorlieben des Einzelnen bündeln, sind wichtig – nicht nur zur Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit Psoriasis, sondern auch für diejenigen, die von anderen chronischen komplexen Erkrankungen betroffen sind
  • ein Training / eine Ausbildung in Gesundheitsberufen, insbesondere in der Primärversorgung. Eine Aufklärung über die häufigsten chronischen Hauterkrankungen sollte in grundlegenden medizinischen und pflegerischen Ausbildungen und in der Fortbildung von Ärzten erfolgen, um die Zahl frühzeitiger Diagnosen zu erhöhen und Behinderungen zu verhindern.
  • die Entwicklung von einheitlichen Richtlinien zur Diagnose der Psoriasis und ihrer Behandlung einschließlich dem Sammeln von epidemiologischen Daten mit einer einheitlichen Methodik.
  • ein Reduzieren der Stigmatisierung und der Diskriminierung. Aktive Schritte umfassen Kampagnen, die das Bewusstsein für Psoriasis in der Bevölkerung erhöhen und Anstrengungen, um die erhöhte Diskriminierung von Psoriasis-Patienten zu beenden – unter anderem mit Anti-Diskriminierungs-Gesetzen und der Durchsetzung bestehender Rechtsvorschriften.
  • ein Bestärken der Patienten („Empowering patients“). Patientenorganisationen haben eine Schlüsselrolle beim Bestärken von Psoriasis-Patienten, indem sie Netzwerke schaffen, um sich gegenseitig zu unterstützen, Erfahrungen auszutauschen und gegen die Diskriminierung von Menschen mit Psoriasis zu kämpfen. Gesundheitserziehung, Beratung und andere Programme können Menschen helfen, ihre Erkrankungen zu managen.
  • Schwerpunkte in der Forschung. Es gibt viel Forschungsbedarf bei der Psoriasis – einschließlich zur Epidemiologie (Verbreitung), zu Ursachen, Verbindungen zu anderen Krankheiten, zur Behandlung und zur Möglichkeit, die Gesundheitsversorgung zu verbessern. Forschung an neuen Therapien sollte sich auf Möglichkeiten konzentrieren, die weltweit und in großem Maßstab einsetzbar sind. Es besteht ein Bedarf an Forschung, die die Wirksamkeit (von Therapien) vergleicht, um den Nutzen und die Wirksamkeit von Behandlungsmöglichkeiten zu identifizieren.

Was tut die WHO?

Die 67. Weltgesundheitsversammlung verabschiedete eine Resolution zur Notwendigkeit, das Bewusstsein für Psoriasis zu erhöhen und gegen die Stigmatisierung zu kämpfen.

Die WHO hat einen „Globalen Bericht“ zur Psoriasis und weitere Informationen entwickelt, die helfen sollen, das Bewusstsein dafür zu erhöhen, in welchen Bereichen eine Psoriasis das Leben der Menschen beeinflussen kann. Die WHO möchte politischen Entscheidungsträgern praktische Lösungen aufzeigen, um das Gesundheitssystem und die soziale Integration von Menschen mit Psoriasis zu verbessern.

Links

Quellen

1. Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME). Global Burden of Disease Study 2010: Results by Cause 1990-2010. Seattle: IHME; 2012.

2. Gibbs S. Skin disease and socioeconomic conditions in rural Africa: Tanzania. Int J Dermatol. 1996;35(9):633–9.

3. Danielsen K, Olsen AO, Wilsgaard T, Furberg AS. Is the prevalence of psoriasis increasing? A 30-year follow-up of a population- based cohort. Br J Dermatol. 2013;168:1303–10.

4. Bedi TR. Clinical profile of psoriasis in North India. Indian J Dermatol Venereol Leprol. 1995;61(4):202–5.

5. Pariser D, Schenkel B, Carter C, Farahi K, Brown TM, Ellis CN, and Psoriasis Patient Interview Study Group. A multicenter, non- interventional study to evaluate patient-reported experiences of living with psoriasis. J Dermatol Treat. 2015;1–8.

6. Augustin M, Radtke MA, Glaeske G, Reich K, Christophers E, Schaefer I, et al. Epidemiology and Comorbidity in Children with Psoriasis and Atopic Eczema. Dermatology. 2015;231(1):35–40.

7. Boehncke W-H, Schön MP. Psoriasis. Lancet. 2015;386(9997):983–94.

8. Vena GA, Altomare G, Ayala F, Berardesca E, Calzavara-Pinton P, Chimenti S, et al. Incidence of psoriasis and association with comorbidities in Italy: a 5-year observational study from a national primary care database. Eur J Dermatol. 2010;20(5):593–8.

9. Harden JL, Krueger JG, Bowcock AM. The immunogenetics of psoriasis: a comprehensive review. J Autoimmun. 2015;64:66–73.

10. Dubertret L, Mrowietz U, Ranki A, van de Kerkhof PC, Chimenti S, Lotti T, et al. European patient perspectives on the impact of psoriasis: the EUROPSO patient membership survey. Br J Dermatol. 155(4):729–36.

11. Russo PAJ, Ilchef R, Cooper AJ. Psychiatric morbidity in psoriasis: a review. Australas J Dermatol. 2004;45(3):155–9; quiz 160–1.

12. Sampogna F, Tabolli S, Abeni D, IDI Multipurpose Psoriasis Research on Vital Experiences (IMPROVE) investigators. Living with psoriasis: prevalence of shame, anger, worry, and problems in daily activities and social life. Acta Derm Venereol. 2012;92(3):299–303.

13. Pagliarello C, Calza A, Armani E, DI Pietro C, Tabolli S. Effectiveness of an empowerment-based intervention for psoriasis among patients attending a medical spa. Eur J Dermatol. 2011;21(1):62–6.

14. Weisshaar E, Skudlik C, Scheidt R, Matterne U, Wulfhorst B, Schönfeld M, et al., ROQ Study Group. Multicentre study “rehabilitation of occupational skin diseases-optimization and quality assurance of inpatient management (ROQ)”-results from 12-month follow-up. Contact Dermatitis. 2013;68(3):169–74.

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