Chronischer Schmerz spricht Gehirn anders an als kurzer

EEG

Mit Schmerzen schützt sich der Körper. Für Wissenschaftler sind sie ein schwieriges Phänomen – auch, weil der Schmerz von vielen Dingen beeinflusst wird. Bleiben Schmerzen lange, wird das ein chronischer Schmerz – und eine eigene Krankheit, die oft schwer zu behandeln ist. Forscher haben jetzt Menschen ins Gehirn geguckt, während die Schmerzen hatten.

Die Mediziner wollten wissen: Was passiert im Gehirn, wenn Schmerzen unterschiedlich lange dauern? Wie wirken Placebo-Medikamente auf das Gehirn?

Also bekamen 41 Probanden eine Art Badekappe mit 64 Elektroden aufgesetzt. Mit einem Elektroenzephalogramm (kurz: EEG) wurde während des gesamten  Versuchs die Aktivität der Nervenzellen gemessen. 10 Minuten lang schickten die Forscher den Studienteilnehmern schmerzhafte Hitze auf die Hand – immer unterschiedlich stark. Mit der anderen Hand bedienten die Probanden einen Schieberegler, der den Forschern zeigte, wie stark der Schmerz gerade auf einer Skala von 1 bis 100 empfunden wurde.

Schmerz in anderen Bereichen des Gehirns

„Schon über wenige Minuten veränderte sich die subjektive Schmerzwahrnehmung der Teilnehmer“, berichtet Professor Markus Ploner von der TU München. Die Tester meldeten unterschiedlich starke Schmerzen, obwohl die Forscher gerade gar nichts an der Hitze verändert hatten.

Der Blick ins Gehirn zeigte den Wissenschaftlern: „Dauert ein Schmerz länger an, wandelt er sich offensichtlich von einem reinen Wahrnehmungsprozess zu einem mehr emotionalen Prozess. Diese Erkenntnis ist hochinteressant für die Diagnose und Therapie von chronischen Schmerzen, bei denen der Schmerz über Monate und Jahre andauert“, so Ploner.

Schon vorher war klar: Kurze Schmerzen sind eher die Sache von sensorischen Hirnbereichen. Die neuen Experimente zeigten: Lang anhaltende Schmerzen fordern auch emotionale Hirnbereiche heraus.

Placebo ändert Wahrnehmung der Schmerzen

Ein zweites Experiment der Münchner Schmerzforscher bewies: Allein schon die Erwartung von Schmerzen beeinflusst die Wahrnehmung. 20 Probanden wurden unterschiedlich starke, auf jeden Fall aber schmerzhafte Laser-Pulse auf zwei Areale auf dem Handrücken geschickt. Beim zweiten Mal wurden die Bereiche vorher jedoch eingecremt. Die Forscher erzählten den Testern, dass die Creme die Schmerzen lindern soll. Prompt gaben die Probanden auch an, dass die Creme die Schmerzen gelindert hatte. Nur: Sie enthielt gar keinen Wirkstoff.

Die Wissenschaftler fanden diesen Placebo-Effekt auch im Gehirn wieder: Obwohl die Probanden die gleichen Laser-Pulse und damit die gleichen Schmerzreize erhielten, feuerten die Nervenzellen beim zweiten Durchlauf ein anderes Muster von Signalen.

„Unsere Ergebnisse zeigen, wie unterschiedlich unser Gehirn sogar objektiv gleiche Schmerzreize verarbeitet“, so Ploner. „Dieses komplexe neurologische Phänomen ‚Schmerz‘ im Gehirn systematisch zu kartieren und besser zu verstehen, ist eine große Herausforderung – für eine bessere Therapie von Schmerzpatienten aber dringend notwendig.“, meint Ploner.

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Über Claudia Liebram 279 Artikel
Claudia Liebram ist Berlinerin mit Leib und Seele. Dort arbeitet sie als Redakteurin. Ihre Psoriasis begann, als sie 3 Jahre alt war – viel Erfahrung also, die sie weitergeben kann.

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