Firmen-Konsortium will eigene Gen-Karte erstellen

Firmen-Konsortium plant, in kurzer Zeit eigene Gen-Karte zu erstellen

Derzeit wird intensiv daran gearbeitet, das Genom des Menschen komplett zu sequenzieren, um eines Tages aus den Daten diagnostischen und therapeutischen Nutzen zu ziehen. Im Jahr 2003, erhoffen sich die Forscher, die Genomkarte komplett in den Händen zu halten. Einfacher und schneller wollen dagegen die Mitglieder eines Konsortiums aus Firmen und einer Stiftung einen Nutzen aus molekulargenetischen Daten ziehen: Sie wollen eine Gen-Karte erstellen, die nur die für die Entstehung von Krankheiten wichtigsten Genomabschnitte enthält.

Das Zauberwort dieser neuen Entwicklung spricht sich wie Snip aus und ist ein Akronym: SNP. Die drei Buchstaben stehen für „single-nucleotide polymorphism“. Es geht also um Variationen in einzelnen Nukleotiden in der Kette der DNA-Bausteine. Diese Variationen sind fast gleichmäßig über das gesamte Genom verteilt und treten regelmäßig in einem Abstand von etwa 1000 Bausteinen auf.

Die Forscher haben gelernt, daß sich SNPs gut als genetische Marker nutzen lassen. In großangelegten Assoziationsstudien, in denen Verknüpfungen zwischen genetischen Merkmalen und Krankheitsrisiken analysiert werden, erhoffen sie sich nun, mit Hilfe der SNPs jene Gene leichter als bisher zu identifizieren, die zur Entstehung von Krankheiten beitragen.

Ein Beispiel dafür, daß dieser Weg zum Erfolg führen kann, ist das Apo-E-Gen, das in verschiedenen Variationen vorkommt und je nach Konstellation mit einem frühen oder späten Beginn des Morbus Alzheimer assoziiert ist. „Der Unterschied in einer einzigen Variation macht dabei einen Unterschied von 20 bis 25 Jahren in Bezug auf den Zeitpunkt des Krankheitsbeginns aus“, erläuterte Dr. Allen Roses, Direktor des weltweiten Genetik-Programms von dem Unternehmen GlaxoWellcome, auf einer Pressekonferenz in Hamburg. Roses ist seit Juni 1997 bei dem Unternehmen – nach fast 27 Jahren Forschung an der Dukes-Universität in Durham im US-Staat North Carolina.

Wer zum Beispiel die Varianten E2 plus E3 (ApoE2/3) im Genom trage, bei dem beginne die Demenz frühstens im Alter von 90 Jahren, so Roses, bei der Kombination Apo E3/3 schon mit 65 Jahren. Diesen Zusammenhang haben der Wissenschaftler und seine Mitarbeiter von der Dukes University Anfang der 90er Jahre entdeckt. Außerdem hat sich herausgestellt, daß 80 Prozent der Menschen, die die Kombination APO E4/4 tragen, im Alter von 75 Jahren erkranken, dagegen nur zehn Prozent von denen mit der Kombination APO E2/3.

Wo wird die ganze Screening-Arbeit mit den Proben der Patienten gemacht? Wie Roses sagte, sind außer den Wissenschaftlern an der Dukes-Universität auch Forscher an der Universität von West-Australien in Perth und britische Forscher in Sheffield daran beteiligt. Roses: „Zehn Firmen und der Wellcome Trust finanzieren ein Projekt, in dem 300 000 SNPs gefunden werden sollen, um dann innerhalb von zwei Jahren 150 000 SNPs zu kartieren.“ Die Analyse-Ergebnisse sollen von den beteiligten Genomzentren regelmäßig, zunächst alle drei Monate, später monatlich veröffentlicht und jedem zugänglich werden.

Vorrangig werden SNP-Karten für Migräne, Diabetes und Psoriasis erstellt. Roses: „Das bedeutet, daß wir uns zunächst auf Regionen im Erbgut konzentrieren, zu denen es bereits Daten aus Assoziations-Studien gibt.“ An den Studien nehmen Familien teil, in denen die zu untersuchenden Krankheiten gehäuft auftreten. Roses geht davon aus, durch die Analysen schon bald das Gen für Psoriasis zu finden.

Anhand der SNP-Karte wird es nach Ansicht von Roses eines Tages möglich sein zu beurteilen, wer auf bestimmte Medikamente anspricht oder bei wem mit unerwünschten Wirkungen zu rechnen ist. Für Roses, dessen Ziel ein wirksames Medikament gegen Morbus Alzheimer ist, ist eines jetzt schon klar: In acht Jahren wird das SNP-Kartieren so geläufig sein wie heute die Molekularbiologie.

Quelle: Ärzte Zeitung, 23.6.1999

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