Die Schuppenflechte – das Rheuma der Haut

Die Schuppenflechte zeigt sehr deutlich, wie die Wissenschaftler in der Erforschung von Hautkrankheiten vorankommen. So wird mehr Verständnis dafür entwickelt, wie stark sich die Betroffenen in ihrer Lebensqualität eingeschränkt sehen. Außerdem sind Fortschritte in der Erforschung der genetischen Grundlagen der Psoriasis zu vermelden. In deren Ergebnis werden neue Therapien entwickelt.

Professor Jörg Christoph Prinz von der Hautklinik der Universität München hat die aktuellen Forschung einmal zusammengefasst.

Zwei Prozent der westlichen Bevölkerung nennen eine Psoriasis „ihr eigen“. Die Erkrankung bleibt in der Mehrzahl der Fälle lebenslang bestehen. Sie ist nicht lebensbedrohlich. Doch die Betroffenen leiden im Alltag genauso wie solche mit Krebsleiden, schwerer Herzinsuffizienz, Depression, Gelenksentzündungen und anderen schwere medizinischen Leiden. Das beweisen Studien.

Der Durchschnitt der Patienten bekommt seine Psoriasis mit 20 Jahren. Und: Sie sind dann für den Rest ihres Lebens – also im Schnitt 60 Jahre lang – eingeschränkt. Entstellende Hautentzündung, wochenlange Krankenhaus- und Kuraufenthalte und oft mehrere Stunden Behandlungsaufwand täglich unterstreichen, was ein Psoriasis-Kranker auf sich nimmt. Bisherige Therapien untersdrücken zwar die Hautstellen – nach Therapieende kommt es bei den allermeisten Patienten zu einem raschen Rückfall und zu erneuter Behandlungsbedürftigkeit.

In den letzten Jahren häufen sich die Hinweise, dass Psoriasis eine Autoimmunerkrankung ist, die von T-Zellen „vermittelt“ wird. Häufigster Auslöser sind Mandel-Infektionen. Wie bei anderen Autoimmunerkrankungen sind mehrere Gene im Spiel. T-Lyphozyten werden von einem Antigen in der Haut aktiviert. Daraufhin produzieren die T-Zellen Entzündungsbotenstoffe, die dann in einer Psoriasis „auf den Körper“ gelangen. Die Pathomechanismen sind in weiten Bereichen vergleichbar denen von Gelenksentzündungen. Psoriasis kann also durchaus als Rheuma der Haut angesehen werden.

Forscher setzen nun bei den T-Zellen an. Dort müssen nach ihrer Meinung neue Medikamente wirken. Jetzt ist die Psoriasis zu einer „Modellkrankheit“ geworden: Medikamente, die zum Einsatz in oder an diesen T-Zellen entwickelt werden, könnten dann auch für andere Autoimmunerkrankungen eingesetzt werden. Die Forscher haben es hier auch hübsch einfach: Sie sehen den Erfolg oder eben Misserfolg der Haut an. Anders als bei der Therapie der rheumatoiden Arthritis, chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen oder der multiplen Sklerose genügt der Anblick des Patienten.

Große biotechnologisch innovative pharmazeutische Firmen wie Immunex oder Biogen konzentrieren sich daher nun auf die Entwicklung von Medikamenten, die als sogenannte Biologicals die gesteigerte T-Zell-Funktion der Psoriasis auf „natürliche Weise“ unterdrücken können. Zu dieser neuen Medikamentengruppe gehören gentechnisch hergestellte Fusionsmoleküle, die zumindest teilweise menschlichen Eiweißbausteinen entsprechen. Sie greifen gezielt in die T-Zell-Aktivierung ein, indem sie Aktivierungssignale unterdrücken und Entzündungsmediatoren neutralisieren. Entsprechend den bisherigen Studienergebnissen können hierdurch oft lange Remissionen erzielt werden.

Die Psoriasis wird auch mit den neuen Medikamenten nicht ausgeheilt. Doch die neuen Behandlungsverfahren vereinfachen dem Patienten die Behandlung: Sie Wirkstoffe sind einfach zu applizieren und wirken rasch und anhaltend.

Ein paar der neuen Therapien sind schon weit vorangekommen. Sie haben schon klinische Prüfungen durchlaufen und befindet sich im Zulassungsverfahren. Inwieweit sie aber die Patienten eine echte Chance haben, in ihren Genuss kommen, ist offen: Das hängt von den Kostenträgern ab.

Die Wissenschaftler geben jedoch zu Bedenken: Die wahrscheinlich „teuren“ Medikamente bringen echten volkswirtschaftlichen Nutzen, weil sie chronisch Kranke langfristig rehabilitieren. Solange die Krankenkassen jedoch ausschließlich auf die reinen Medikamentenkosten schauen (müssen), wird der Widerstand gegen die Medikamente groß sein. „Die Lösung dieses Dilemmas erfordert somit möglicherweise einen Wandel in der gesellschaftlichen Auffassung von Kosten und Nutzen der Therapie“, so Professor Prinz.

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