Eiweiße machen Haut für Schuppenflechte anfällig

Dr. Ronald Wolf von der Hautklinik der Universität München hat – zusammen mit amerikanischen Kollegen und Ärzten der Uni-Kliniken München und Dresden – offenbar einen Mechanismus entdeckt, der die genetische Veranlagung zur Psoriasis erklärt. "Nebenbei" kann dadurch auch erläutert werden, warum äußere mechanische Einflüsse wie das so genannte Köbner-Phänomen zum Ausbruch der Schuppenflechte führen können.

Die Wissenschaftler nahmen molekulare Signalwege der Psoriasis unter die Lupe. Diese Signalwege regulieren Stoffwechselvorgänge zwischen verschiedenen Zellen und Geweben, insbesondere zwischen Haut und Immunsystem. Sie spielen bei der Krankheitsneigung eine entscheidende Rolle. Daran beteiligt sind bestimmte Eiweiße. Die werden bei der Psoriasis durch entsprechende Schuppenflechte-Gene verstärkt hergestellt.

Eines der Eiweiße, das Koebnerisin (S100A15), hat Dr. Wolf entdeckt. Ein zweites, nahe verwandtes Eiweiß, das so genannte Psoriasin, war durch voran gegangene Analysen der Haut von Psoriasis-Patienten bereits bekannt. Beide Eiweiße machen die Haut für Schuppenflechte anfällig. „Die zur Psoriasis-neigende Haut stellt die zwei Proteine in deutlich erhöhten Mengen her", so Dr. Wolf.

Bei Mäusen sind die Funktionen der beiden menschlichen Proteine in einem einzigen Eiweiß gebündelt, das die Wissenschaftler S100a7a15 nennen. Nun hat das Team um Dr. Wolf die Nager genetisch so verändert, dass sie davon bereits von Geburt an größere Mengen in der Haut produzieren. Wie sich zeigte, macht sie das extrem empfänglich für die Ausbildung von Symptomen, die der menschlichen Schuppenflechte entsprechen. Sobald ihre Haut zum Beispiel durch eine Abschürfung gereizt wird, startet eine überschießende Entzündung – wie beim Menschen. Dabei bindet das S100a7a15-Protein an ein Rage genanntes Molekül auf der Oberfläche bestimmter Immunzellen und Hautzellen. Infolgedessen wandern weitere Immunzellen in die Haut ein, und auch für die Psoriasis typischen Entzündungs-Botenstoffe sind in erhöhten Konzentrationen messbar. „Die S100-Proteine Psoriasin und Koebnerisin sind zusammen mit Rage wichtige Regulatoren der Krankheitsentstehung“, sagt Ronald Wolf.

Langfristig gesehen wollen die Forscher Substanzen finden, die gezielt die beiden S100-Proteine oder deren Kopplung an RAGE blockieren. Eine Hoffnung, „auf diese Weise Psoriasis-Herde zu verhindern beziehungsweise einen bereits bestehenden Krankheitsschub zu behandeln“, wie der Münchener Dermatologe erklärt.

„Wir rechnen damit, dass unsere Ergebnisse zu neuen Therapien führen – sowohl gegen die Schuppenflechte selbst als auch gegen die Neigung zur Erkrankung“, sagt Dr. Wolf. cl

2 Kommentare

  1. Sind das Eiweiße, die schon im Körper des Psoriatikers sind oder sind es Eiweiße, die man mit Lebensmitteln (Rind, Fisch, etc) zu sich nimmt?

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