Wirkung von Medikamenten schneller sehen

In die Haut schauen ohne Schnitt

Wenn ein Hautarzt sichergehen will, dass es sich wirklich um eine Schuppenflechte oder eine andere Hauterkrankung handelt, lädt er Sie zu einer Biopsie ein. Er entnimmt ein Stück Haut und schickt sie ins Labor. Das ist ein kleiner Schnitt, eigentlich nicht mal ein Schnitt, eher ein "Herausstanzen".

Doch auch das lässt sich bald vermeiden: Bei der Tagung der Deutschen Gesellschaft für Biomedizinische Technik im VDE und dem Dachverband Medizinische Technik wurde ein neues Verfahren vorgestellt – die Optische Kohärenz Tomographie, kurz OCT genannt.

Mit dem Verfahren ist es möglich, ohne Schnitt oder zeitaufwendiger Gewebsanalyse innerhalb von Sekunden beinahe gestochen scharfe Aufnahmen aus dem "Innenleben" der Haut zu erhalten. So kann der Erfolg eines Medikaments bei Schuppenflechte frühzeitig kontrolliert werden.

Das Ganze wird auch optische Biopsie genannt.

Besser als Ultraschall und ohne "Glibber-Gel"

OCT ist die Bezeichnung für ein physikalisches Messverfahren, bei dem infrarotes Licht in das Gewebe eindringt. Aus dem reflektierenden Licht, das mit einem Referenzstrahl abgeglichen wird, erstellt ein Computer ein zweidimensionales Bild der analysierten Region. In der Medizintechnik wird OCT vor allem bei Augenuntersuchungen angewandt, weil das Auge sehr lichtdurchlässig ist. Jetzt ist es erstmals gelungen, ein leistungsstarkes Gerät zu entwickeln, mit dem auch die "blickdichte" Haut, in der Licht stark streut und die deshalb für nicht-inavsive optische Methoden wenig zugänglich ist, untersucht werden kann.

Das Verfahren ähnelt dem eines Ultraschallgeräts. Beim Ultraschall werden jedoch keine optischen, sondern akustische Reflexionen bildlich dargestellt. Auch die Art der Anwendung ist mit einem Ultraschallgerät vergleichbar: Mit einem flexiblen Handstück fährt der Arzt über die zu untersuchende Stelle. In Echtzeit entstehen bildschirmfüllend bis zu einem Zentimeter breite und maximal 1,7 Millimeter tiefe Aufnahmen der Haut, die annähernd mikroskopischen Charakter haben: Hornhaut, Oberhaut (Epidermis) und Lederhaut (Dermis) grenzen sich voneinander ab, selbst winzige Blutgefäße und Schweißdrüsen sind gut sichtbar. Ein weiteres Plus: Bei dem OCT-Verfahren wird das Auftragen von kaltem und glibberigem Gel unnötig, das vielen Menschen eine Ultraschalluntersuchung so unangenehm macht und das Bilder verfälschen kann.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Biomedizinische Technik im VDE, 27.03.2006