Humira und Enbrel im Arzneiverordnungsreport 2011 wieder vorn

Der Arzneiverordnungsreport 2011 ist erschienen. Um einen Überblick über die Ausgaben für Medikamente zu bekommen, wurden dafür 791 Millionen Verordnungen für gesetzlich Versicherte aus dem Jahr 2010 unter die Lupe genommen.
Die Kosten für Arzneimittel sind im Jahr 2010 wieder gestiegen – mit 1,5 Prozent jedoch nicht so stark wie in den Jahren zuvor.
Wieder tauchen die Biologics an vorderster Stelle mit auf: Humira und Enbrel sind die umsatzstärksten Arzneimittel unter den patentgeschützten Medikamenten. Im Jahr 2010 wurde Humira® in der 6-er Packung (40 mg) für 414,4 Millionen Euro verkauft. Mit Enbrel® (12-er Packung, 50 mg) wurde ein Umsatz von 341,8 Millionen Euro gemacht.

Preisvergleiche in alle Richtungen

Herausgeber des Reports das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO). Professor Ulrich Schwabe vom Pharmakologischen Institut der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg und Mitautor des Reports, hat ausgerechnet, dass das Einsparpotential allein bei Humira bei 187 Millionen Euro ausmachen würde– wenn man die Preise zugrunde läge, die in anderen europäischen Staaten üblich sind.
Traditionell weisen die Verbände der Pharmahersteller Zahlen wie die des WIdO jedes Jahr aufs Neue zurück. Sie führen an, dass deutsche Besonderheiten nicht berücksichtigt seien.
Der Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller hält den Verordnungsreport für ein „verzichtbares Relikt“, weil der deutsche Arzneimittelmarkt „durch eine Vielzahl von Reform-, Steuerungs- und Kostendämpfungsgesetzen und Verordnungen vollkommen überreguliert“ sei.
Der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa) hält die Lage bei den Ausgaben im Gesundheitssystem für entspannt. „Die Krankenkassen verfügen über Milliardenüberschüsse. Auch die Arzneimittelausgaben sind stabil“, meint Hauptgeschäftsführerin Birgit Fischer. Jetzt wäre die Zeit günstig, „eine konstruktive Debatte darüber zu führen, wie Innovationen und eine nachhaltige Finanzierung in Einklang zu bringen sind“.

Künftig wird nur noch Zusatznutzen teurer bezahlt

Seit dem 1. Januar 2011 müssen Pharma-Hersteller ihre neuen Produkte durch den Gemeinsamen Bundesausschuss prüfen lassen – auch darauf, ob ein zusätzlicher Nutzen gegenüber schon bestehenden Medikamenten besteht. Nur wenn Letzteres bestätigt wurde, dürfen auch deutlich höhere Preise verlang werden. Wird der Zusatznutzen nicht bestätigt, zahlen die Krankenkassen nur es einen „niedrigeren“ Festbetrag. Im Gesetz steht, dass auch schon vorhandene Medikamente bewertet werden sollen. Darauf dringt nun Professor Schwabe.
Dr. Dieter Paffrath, Stellvertretender Vorstandvorsitzender der AOK Nordwest, weist darauf hin, dass im Jahr 2010 zwar weniger patentgeschützte Medikamente verordnet wurden – doch die wenigen sind dann teurer. Ihm geht es nicht um eine pauschale Wertung der neuen Medikamente: Hersteller sollen für ihre Forschungsaufwendungen honoriert werden – doch gleichzeitig sollen innovative Therapien für alle bezahlbar sein.

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