Cimzia – was ist das und wie wird es angewendet?

Wirkstoff: Certolizumab pegol (Handelsname: Cimzia®)
 
Dieses Medikament ist rezeptpflichtig.
 
Allgemeine Informationen
 
Cimzia® gehört zur Gruppe der Biologics. Es handelt sich um einen TNF-α-Blocker.
 
Bei welcher Erkrankung wird das Medikament angewandt?
 
Cimzia® ist von der europäischen Zulassungsbehörde EMA für die Behandlung einer aktiven Psoriasis arthritis zugelassen. Das Medikament kann bei Erwachsenen eingesetzt werden, wenn so genannte DMARDs vorher versagt haben. Darüber hinaus wird das Medikament bei mittelschwerer bis schwerer aktiver rheumatoider Arthritis (RA) und bei axialer Spondyloarthritis angewendet. Es soll immer zusammen mit MTX eingesetzt werden – außer, der Patient verträgt es nicht oder es gibt andere Gründe, die dagegen sprechen.
 
Wirkmechanismus
 
Cimzia® hat sozusagen eine Leidenschaft für TNFα im menschlichen Körper: Es schnappt sich das Zytokin und neutralisiert es. TNFα ist ansonsten dafür bekannt, dass es bei Entzündungen eine wichtige Rolle spielt und sie antreibt.

 
Wie wird die Therapie angewandt?
 
Cimzia® kommt als fertig gefüllte Spritze aus der Apotheke. Sie ist als Injektion unter die Haut gedacht – sprich: Gespritzt wird in die Bauchfalte oder in den Oberschenkel.
 
Ein Griff an der Spritze macht die Handhabung auch bei Problemen mit den Händen oder Fingern einfacher. Nach einer Einweisung beim Arzt kann sich der Patient die Spritze zuhause selbst verabreichen. Wer darin unerfahren ist, kann sich sicherlich die ersten Male in der Arztpraxis die Spritze setzen lassen.
 
Übliche Dosierung
 
Zu Beginn einer Therapie bekommt der Patient alle zwei Wochen 400 Milligramm (also jedesmal zwei Spritzen) Cimzia®. Nach sechs Wochen setzt der "Normalfall" ein – dann gibt es alle zwei Wochen 200 Milligramm (also eine Spritze). Gleichzeitig wird, wenn möglich, MTX weiterhin genommen oder gespritzt.
 
Dies ist nur die übliche Dosierung. Der Arzt kann auch zu der Überzeugung kommen, dass eine andere Dosierung geeigneter wäre. So kann, wenn ein Erfolg zu sehen ist, auch eine Erhaltungsdosis von 400 Milligramm nur noch alle vier Wochen erwogen werden.
 
Ist nach zwölf Wochen noch kein Erfolg zu sehen, sollten Arzt und Patient "die Fortsetzung der Therapie sorgfältig überdenken", ist in der Fachinformation zum Medikament nachzulesen.
 
Wann darf das Medikament nicht eingenommen werden?
 
Gegen eine Behandlung mit Cimzia® sprechen
  • eine Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen Bestandteil
  • eine aktive Tuberkulose oder andere schwere Infektionen, z.B. Sepsis oder opportunistische Infektionen
  • eine mittelschwere bis schwere Herzinsuffizienz (NYHA-Grad III/IV)
Worauf müssen Arzt und Betroffener besonders achten?
 
Wie bei allen Biologics, müssen Patient und Arzt gut auf Infektionen achten – einschließlich Tuberkulose. Wenn das Medikament aus irgendeinem Grund abgesetzt wird, werden Infektionen nicht weniger gefährlich, denn der Wirkstoff ist erst nach fünf Monaten aus dem Körper "ausgewaschen". Infektionen können möglicherweise vom Betroffenen nicht gut erkannt werden, weil typische Symptome wie Fieber fehlen.
 
Vor Beginn einer Behandlung mit Cimzia® muss ein Tuberkulose-Test gemacht werden. Auch ein Test auf Hepatitis B ist angesagt.
 
Wer mit Cimzia behandelt wird, kann sich impfen lassen – jedoch nur mit Totimpfstoffen.
 
Kann das Medikament in Schwangerschaft und Stillzeit angewandt werden?
 
Frauen im gebärfähigen Alter sollen während der Einnahme von Cimzia® und mindestens fünf Monate danach verhüten. Zur Anwendung des Wirkstoffs in der Schwangerschaft gibt es keine Daten. Auf jeden Fall ist die Anwendung dann nicht empfohlen.
 
Auch für die Anwendung in der Stillzeit gibt es keine ausreichenden Erkenntnise. Ein Risiko fürs Kind kann laut Fachinformation nicht ausgeschlossen werden. Patientin und Arzt sollen "den Nutzen des Stillens für das Kind und den Nutzens der Therapie mit Cimzia für die Frau" abwägen.
 
Welche Nebenwirkungen können auftreten?
 
Häufig (bei mehr als einem von 100 Behandelten aber weniger als bei einem von 10)
  • bakterielle Infektionen (z.B. Abszess)
  • virale Infektionen (einschließlich Herpes, Papillomavirus und Influenza)
  • Eosinophile Erkrankungen, Leukopenie (einschließlich Neutropenie, Lymphopenie)
  • Kopfschmerzen (einschließlich Migräne), sensorische Anomalien
  • Arterielle Hypertonie
  • Übelkeit
  • Hepatitis (einschließlich erhöhte Leberenzyme)
  • Ausschlag
  • Fieber, Schmerz (beliebige Lokalisation), Asthenie, Pruritus (beliebige Lokalisation), Reaktionen an der Injektionsstelle
Gelegentlich (bei mehr als einem von 1000 Behandelten aber weniger als bei einem von 100)
  • Sepsis
  • maligne Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems (einschließlich Lymphome und Leukämie), Organtumore, Nicht-Melanom-Hautkarzinome, präkanzeröse Läsionen (einschließlich Leukoplakia oris, melanozytärer Naevus), benigne Tumore und Zysten (einschließlich Hautpapillom)
  • Anämie, Lymphadenopathie, Thrombozytopenie, Thrombozytose
  • Vaskulitiden, Lupus erythematodes, Arzneimittelüberempfindlichkeit (einschließlich anaphylaktischer Schock), allergische Erkrankungen, Autoantikörper positiv
  • Elektrolytstörungen, Dyslipidämie, Appetitstörungen, Gewichtsveränderung
  • Angst und Stimmungsschwankungen (einschließlich assoziierter Symptome)
  • Periphere Neuropathien, Schwindel, Tremor
  • Sehstörung (einschließlich verschlechtertes Sehvermögen), Augen- und Augenlidentzündung, Störung der Tränensekretion
  • Tinnitus, Vertigo
  • Kardiomyopathien (einschließlich Herzinsuffizienz), ischämische koronare Herzkrankheiten, Arrhythmien (einschließlich Vorhofflimmern), Palpitationen
  • Hämorrhagie oder Blutung (beliebige Lokalisation), Hyperkoagulabilität (einschließlich Thrombophlebitis, Lungenembolie), Synkope, Ödeme (einschließlich periphere, faziale), Ekchymose (einschließlich Hämatome, Petechien)
  • Asthma und verwandte Symptome, Pleuraerguss und Symptome, Atemwegsobstruktion und -entzündung, Husten
  • Aszites, gastrointestinales Geschwür und -Perforation, Entzündung des Gastrointestinal- trakts (beliebige Lokalisation), Stomatitis, Dyspepsie, aufgetriebenes Abdomen, Trockenheit im Mund-Rachen-Raum
  • Hepatopathie (einschließlich Zirrhose), Cholestase, erhöhte Bilirubinwerte im Blut
  • Alopezie, Neuauftreten oder Verschlechterung einer Psoriasis (einschließlich palmoplantare pustuläre Psoriasis) und verwandte Erkrankungen, Dermatitis und Ekzeme, Erkrankungen der Schweißdrüsen, Hautulzera, Photosensitivität, Akne, Hautdiskoloration, trockene Haut, Nagel- und Nagelbettstörungen
  • Erkrankungen der Muskulatur, Kreatinphosphokinase im Blut erhöht
  • Nierenfunktionsstörungen, Blut im Urin, Symptome der Blase und Harnröhre
  • Menstruationszyklusstörungen und Metrorrhagien (einschließlich Amenorrhö), Erkrankungen der Brust
  • Schüttelfrost, grippeähnliche Erkrankung, veränderte Temperaturwahrnehmung, Nacht- schweiß, Hautrötung mit Hitzegefühl
  • Erhöhte alkalische Phosphatasewerte im Blut, verlängerte Blutgerinnungszeit
  • Hautverletzungen, Wundheilungsstörung
Selten: (mehr als einer von 10.000 Behandelten aber weniger als einer von 1000)
  • Magen-Darm-Tumore, Melanome
  • Panzytopenie, Splenomegalie, Erythrozytose, pathologische Leukozytenmorphologie
  • Angioneurotisches Ödem, Sarkoidose, Serum-Krankheit, Pannikulitis (einschließlich Erythema nodosum)
  • Schilddrüsenerkrankungen
  • Hämosiderose
  • Selbstmordversuch, Delirium, geistige Beeinträchtigung
  • Krampfanfall, Entzündung der Hirnnerven, Koordinations- oder Gleichgewichtsstörungen
  • Perikarditis, atrioventrikulärer Block
  • Zerebrovaskulärer Insult, Arteriosklerose, Raynaud-Phänomen, Livedo reticularis, Teleangiektasie
  • Interstitielle Lungenerkrankung, interstitielle Pneumonie
  • Odynophagie, Hypermotilität
  • Cholelithiasis
  • Hautexfoliation und -desquamation, bullöse Erkrankungen, Erkrankungen der Haarstruktur
  • Nephropathie (einschließlich Nephritis)
  • Sexuelle Funktionsstörung
  • Fistel (egal wo)
  • Erhöhte Harnsäurewerte im Blut
Mit welchen anderen Medikamenten oder Wirkstoffen gibt es Wechselwirkungen?
 
Es wird nicht empfohlen, Cimzia® mit Anakinra oder Abatacept zu kombinieren.
 
Lagerung
 
Das Medikament sollte im Kühlschrank bei 2° bis 8°C aufbewahrt werden – nicht aber im Tiefkühlfach. Empfohlen wird, es im Karton zu lassen, damit es vor Licht geschützt ist.
 
Verwendete Literatur
 

Über Claudia Liebram 279 Artikel
Claudia Liebram ist Berlinerin mit Leib und Seele. Dort arbeitet sie als Redakteurin. Ihre Psoriasis begann, als sie 3 Jahre alt war – viel Erfahrung also, die sie weitergeben kann.

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