Inflectra® als erster „Nachbau“ für ein Biologic zugelassen

Infusion

Biologics haben vielen Menschen mit einer schweren Schuppenflechte in den letzten Jahren das Leben entschieden erleichtert. Doch sie sind nun auch keine Neuheiten mehr. Wie bei anderen Medikamenten wollen andere Pharmafirmen die Originalpräparate früh nachbauen. Was dann bei „normalen“ Medikamenten Generika heißt, sind bei den Biologics so genannte Biosimilars – biologisch in der Wirkung eben ähnlich bis gleich.

Nun ist das erste Biosimilar für ein Biologic im Bereich der Psoriasis zugelassen worden: Inflectra® enthält den Wirkstoff Infliximab, der bislang einzig und allein im Medikament Remicade® zu haben war. Der Nachahmer kann eingesetzt werden bei

  • Rheumatoider Arthritis
  • Spondylitis ankylosans
  • Morbus Crohn
  • Colitis ulcerosa
  • Psoriasis arthritis und
  • Psoriasis

Es geht dabei um viel Geld: Mit Remicade® hat sein Hersteller MSD im Jahr 2012 in Europa zwei Milliarden US-Dollar Umsatz gemacht. Laut Biosimilar-Hersteller Hospira wird erwartet, dass mit derartigen Nachbauten in Europa bis zum Jahr 2020 bis zu 20,4 Milliarden Euro eingespart werden können – vor allem in Frankreich, Deutschland und in Großbritannien.

Inflectra® kann also ab sofort bei Erwachsenen mit aktiver und fortschreitender („progressiver“) Psoriasis arthritis zum Einsatz kommen, wenn sie auf eine Basistherapie nicht angemessen reagieren. Dabei sollte es vorrangig mit Methotrexat zusammen gegeben werden. Wer Methotrexat jedoch nicht verträgt oder wenn andere Gründe dagegen sprechen, kann Inflectra® auch allein gegeben werden.

Für die mittelschwere bis schwere Plaque-Psoriasis bei Erwachsenen ist Inflectra® ebenfalls zugelassen. Hier müssen innerliche Therapien beispielsweise mit Ciclosporin, Methotrexat oder eine PUVA-Therapie gescheitert oder aus anderen Gründen nicht möglich sein.

Mögliche Nebenwirkungen

Bei aller Hoffnung auf eine preiswertere Behandlung gibt es allerdings auch bei Inflectra® mögliche Nebenwirkungen zu vermelden.

Zu den häufigsten gehören

  • virale Infektionen
  • Kopfschmerzen
  • Infektionen der oberen Atemwege
  • Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis)
  • Übelkeit
  • Bauchschmerzen
  • durch die Infusion ausgelöste Reaktionen und Schmerzen

Inflectra® kann außerdem dazu führen, dass der Körper Infektionen nicht mehr so gut bekämpfen kann. Der Mediziner sollte zudem gefragt werden, wenn eine Impfung ansteht. Das gilt auch für jeden, der in einer Gegend gelebt hat, in der Histoplasmose, Blastomycosis beziehungsweise Kokzidioidomykose aufgetreten sind.

„Viele Patienten mit Herzinsuffizienz sollten Inflectra® nicht einnehmen“, schreibt Hospira deutlich. „Daher sollten sie vor der Behandlung alle Herzerkrankungen mit ihren Ärzten besprechen.“

Möglich sind auch

  • ernsthafte Infektionen wie Tuberkulose, Blutvergiftung und Lungenentzündung
  • maligne Lymphome, die bei Patienten mit Inflectra® oder anderen TNF-alpha-Blockern vorkamen – selten, aber eben doch häufiger als im Allgemeinen
  • eine Reaktivierung des Hepatitis-B-Virus, wenn der schon einmal eine Rolle spielte und der Betroffene einen TNF-Blocker wie Inflectra® nimmt. Einige dieser Fälle verliefen tödlich.
  • seltene Fälle mit ernsthaften Leberschäden einnahmen – einige davon waren tödlich. Symptome wie Gelbsucht (gelbe Haut und Augen), dunkelbraunen Urin, Bauschmerzen auf der rechten Seite, Fieber oder schwere Erschöpfung können darauf hinweisen.
  • Blutstörungen – einige davon verliefen tödlich. Hier sind die Symptome anhaltendes Fieber, blaue Flecken, Blutungen oder Blässe.
  • Störungen des zentralen Nervensystems. Betroffen sollten auf Symptome wie Taubheit, Schwäche, Kribbeln oder Sehstörungen achten.
  • allergische Reaktionen während oder nach Infusionen mit Infliximab. Zu den Anzeichen gehören Nesselsucht, Atembeschwerden, Brustschmerzen, hoher beziehungsweise niedriger Blutdruck, Anschwellen des Gesichts oder der Hände und Fieber beziehungsweise Schüttelfrost.

Claudia Liebram

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Über Claudia Liebram 279 Artikel
Claudia Liebram ist Berlinerin mit Leib und Seele. Dort arbeitet sie als Redakteurin. Ihre Psoriasis begann, als sie 3 Jahre alt war – viel Erfahrung also, die sie weitergeben kann.

3 Kommentare

  1. Ich habe meine Versandapotheke nach Inflectra befragt und erhielt die Antwort, dass es in Deutschland leider unter dem Namen Inflectra keine Zulassung geben würde und Remicade die alleinige Zulassung für den Wirkstoff Infliximab (Remicade) besäße.

    Hat jemand andere Informationen?

    • Hallo,

      Ich glaube da hat die Apotheke etwas verwechselt. Inflectra ist definitiv in Deutschland für alle Indikationen von Remicade zugelassen und das Patent von Remicade ist gerade gefallen. Austauschbar sind die beiden nicht, wenn Remicade verschrieben wird, wird Remicade herausgegeben, genauso bei Inflectra. Der Wirkstoff ist bei beiden ist Infliximab. Fachinformation etc. sind identisch.

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