Remicade für die Behandlung der Psoriasis zugelassen

Ein weiteres "Biologic" kann nun auch zur Behandlung der Psoriasis eingesetzt werden: Remicade war bislang "nur" für die Psoriasis arthritis zugelassen, außerdem für die rheumatoide Arthritis, Morbus Crohn und die ankylosierende Spondylitis. Die europäische Zulassungsbehörde EMEA gab Ende September 2005 grünes Licht.

Das Medikament ist nun für die Patienten mit einer mittelschweren bis schweren Plaque-Psoriasis einsetzbar, die andere systemische Medikamente wie Ciclosporin, MTX oder PUVA (innerlich) nicht nehmen können oder bei denen diese Medikamente nicht wirken.

Remicade wird als Infusion eingesetzt. Es wird erst alle zwei, dann alle vier und schließlich alle acht Wochen der Patient fünf Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht verabreicht. Eine Infusion dauert zwei Stunden.

Die Erfolge des Mittels in Studien mit Psoriasis-Patienten sind beeindruckend: Bei mehr als 80 Prozent der Patienten besserte sich die Psoriasis um mehr als 75 Prozent. Die erste Besserung stellt sich oft schon nach zwei Wochen ein. Die Wirkung hielt bei regelmäßiger Gabe mehr als 50 Wochen lang an.

Remicade profitiert unter den Biologics mit Psoriasis-Zulassung von den anderen Indikationen: Weil es bereits für die Behandlung der rheumatoiden Arthritis, von Morbus Crohn und der ankylosierenden Spondylitis zugelassen ist, kommt die stattliche Zahl von 576.000 Patienten zustande, die Erfahrung mit dem Medikament haben.

Ergebnisse der Studie

Der Wirkstoff in Remicade® heißt Infliximab. Jüngst wurden die Ergebnisse einer Studie im Mediziner-Fachblatt The Lancet veröffentlicht. Diese Studie wiederum hat den hübschen Namen Express – alle Studien haben in den letzten Monaten solche Namen bekommen, die meist Abkürzungen aus den Studientiteln sind. Die Express-Studie wurde von einem internationalen Team von Ärzten durchgeführt, angeführt von Professor Kristian Reich von der Uni in Göttingen.

In dieser Studie wurden 378 Patienten 46 Wochen lang mit Remicade behandelt und auch danach weiter beobachtet. Die Patienten hatten und haben eine mittelschwere bis schwere Schuppenflechte. 80 Prozent von ihnen vermerkten eine Besserung ihrer Psoriasis um 75 Prozent und mehr. Diesen Wert erreichten drei Prozent der Patienten, die ein Placebo erhielten. Der Zahlenwust geht noch weiter: Fast 60 Prozent der Patienten verspürten sogar eine Besserung um 90 Prozent. Das gleiche konnte nur ein Prozent der Patienten aus der Placebo-Gruppe von sich behaupten. Immerhin berichteten 26 Prozent der Patienten von einer vollständigen Abheilung ihrer Psoriasis.

Ein Nebeneffekt: Auch die Psoriasis an den Nägeln besserte sich. Die Nagelpsoriasis ist sehr schwierig zu behandeln. Mit Remicade trat bis zur 24. Woche der Studie bei den Patienten eine Milderung um 56 Prozent ein.

Wer darf Remicade nicht anwenden?

Bei Patienten mit Morbus Crohn müssen mögliche Infektionsquellen wie ein Abszess ausgeschlossen werden. Patienten mit einer leichten Herzinsuffizienz werden ebenfalls im Beipackzettel erwähnt: Wenn neue Symptome auftreten oder diese sich verschlechtern, ist Vorsicht geboten. Bei Kindern, geriatrischen Patienten und Menschen mit Leber- und Nierenerkrankungen wurde das Medikament nicht getestet.

Für Frauen mit Kinderwunsch ist die Behandlung mit Remicade nicht geeignet. Auch sechs Monate nach der Behandlung mit dem Medikament muss eine Empfängnisverhütung praktiziert werden.

Nebenwirkungen

Wie bei allen Biologics sind Infektionen die gravierendste Nebenwirkung. Häufig treten Virusinfektionen wie Grippe oder ein Herpes-Infekt auf. Weitere berichtete Nebenwirkungen:

  • Kopfschmerzen
  • Schwindel oder Benommenheit Hitzegefühl
  • Infektionen des oberen und unteren Lungentraktes (Bronchitis, Pneumonie)
  • Nasennebenhöhlen-Entzündungen
  • Durchfall
  • Juckreiz

Die Liste ist lang und bei den gelegentlich aufgetretenen Nebenwirkungen noch länger. Dort zum Beispiel finden sich bakterielle und Pilzinfektionen ebenso wie Abszesse, Cellulitis, Anämie, Depression, Verwirrtheit, Apathie, Nervosität und Schlaflosigkeit.

In den Warnhinweisen ist unter anderem zu lesen, dass Remicade nicht zusammen mit dem Wirkstoff Etanercept (enthalten im Medikament Enbrel) oder Anakinra (enthalten im Medikament Kineret) angewendet werden soll.

Zum Schluss: der Preis

Wer jetzt "Oh Klasse, das nehm‘ ich" sagt, könnte sowohl vom Arzt als auch von seiner Krankenkasse in seiner Euphorie gebremst werden: Drei Flaschen mit je 100 mg Trockensubstanz kosten zusammen 2.375,99 Euro (Stand vom 21. Oktober 2005). Ein 60 Kilogramm schwerer Mensch benötigt bei 5 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht insgesamt 300 Milligramm pro Transfusion, also besagte drei Flaschen. Davon bekommt er am Anfang der Behandlung (= Woche 0), zwei Wochen danach (= Woche 2), sechs Wochen danach (= Woche 6) je eine. Macht 7.127,97 Euro bis dahin. Danach wird die Behandlung alle acht Wochen wiederholt. Macht noch einmal 14.255.94 Euro für den Rest des Jahres. Zusammengerechnet also 21.383,91 Euro. Claudia Liebram

Quellen: "The Lancet" vom 14.10.2005; Pressemitteilung der Firma Schering-Plough; Mitteilung der Uni Manchester; Rote Liste (Medikamentenverzeichnis für Ärzte und Apotheker); Fachinformation des Herstellers

1 Kommentar

  1. hochwirksames Medikament
    habe mit 17 meine psoriasis bekommen, die mich jetzt seit 34 Jahren durchs Leben begleitet. Mein Therapiespektrum deckt alle Bereiche und Anwendungen im Zusammenhang mit meiner Erkrankung ab- Salben, PUVA, ciclosporin, raptiva, fumarderm, remicade und nun MTX ab. Wobei ich rabtiva und remicade im Rahmen einer klinischen Studie bekommen habe. Leider wurde die Remicade Therapie von Seiten des Herstellers abgebrochen.

    Die beste Wirkung zeigte bei mir Remicade, da ich völlig erscheinungsfrei war- Die Studie war ausgerichtet auf die Wirkdauer des Medikamentes- bei mir hat eine Infussion bis zu 12 Wochen vorgehalten- Nebenwirkungen oder Unverträglichkeiten habe ich bei der Therapie nicht gehabt. Meine Blutwerte waren auch immer in Ordnung. Nach Therapieabbruch wurde ich zunächst auf systemische Therapien mit Fumarderm und nun auf MTX eingestellt- dabei treten aber wieder Nebenwirkungen Durchfälle, Magenprobleme, Sodbrennen,permanente Übelkeit, Flushing und schlechtere Leberwerte bei mir auf- ich hoffe, dass ich trotz der hohen Kosten irgendwann Remicade verschrieben bekomme. Es ist ein hochwirksames Medikament mit dem ich die beste psoriasisfreie Zeit erlebt habe.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*