Was man über die Anwendung von Medikamenten mit Kortison wissen sollte

Diese Medikamente sind in höherer Wirkstärke rezeptpflichtig und in Form weniger starker Präparate (z.B. Hydrokortison) auch rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Da es sich im folgenden um eine verallgemeinernde Darstellung für sämtliche äußerliche Kortisonpräparate handelt, sollten Sie unbedingt die Gebrauchsinformation in der Packung ihres Präparats lesen und die Hinweise zur Anwendung befolgen.

Allgemeine Informationen

Kortison wurde erstmals in den 50-er Jahren bei Gelenkrheumatismus eingesetzt und ist seither aus der Therapie zahlreicher entzündlicher Erkrankungen nicht mehr wegzudenken. Im Laufe der Jahre wurden für die Therapie entzündlicher Hauterkrankungen immer wirksamere Präparate zur äußerlichen (topischen) Anwendung entwickelt, deren Wirkung bei bestimmungsmäßigem Gebrauch überwiegend auf die Haut beschränkt bleibt. Nebenwirkungen durch die Aufnahme von Kortison in den Körperkreislauf (systemische Wirkung) wie Stammfettsucht, Gewichtszunahme, Vollmondgesicht oder Muskel- und Knochenschäden brauchen daher kaum noch befürchtet werden.
 
Kortisonzubereitungen gibt es in verschiedenen Wirkstärken, die in vier Klassen eingeteilt werden:
 
Klasse I: schwach wirksame Kortikosteroide, z.B.
  • Hydrocortisonacetat
  • Prednisolonacetat
  • Fluocinonid (in niedriger Dosierung)
  • Dexamethason
Klasse II: mittelstark wirksame Kortikosteroide, z.B.
  • Betamethason-17-valerat
  • Flumetasonpivalat
  • Clobetasonbutyrat
  • Alclometasondipropionat
  • Prednicarbat
  • Fluocinolonacetonid
Klasse III: stark wirksame Kortikosteroide, z.B. 
  • Fluticasonpropionat
  • Betamethasonvalerat
  • Hydocortison-17-butyrat
  • Fluprednidenacetat
  • Desoximetason
  • Methylprednisolonaceponat
  • Mometasonfuroat
  • Fluocinonid
  • Halometason
 
Klasse IV: sehr stark wirksame Kortikosteroide, z.B.
  • Clobetasolproprionat
  • Betamethasondipropionat

Bei welcher Erkrankung wird das Medikament angewandt?

Kortisonzubereitungen zu äußerlichen Anwendung werden bei leichter bis mittelschwerer Psoriasis vulgaris eingesetzt. Häufig werden sie hier in Kombination mit systemischen oder anderen topischen Therapien (z.B. Vitamin-D3-Derivaten) angewandt.
 
Darüber hinaus kommen Kortisonzubereitungen bei vielen anderen Hauterkrankungen mit überschießender Entzündungsreaktion zum Einsatz. Dazu gehören z.B. Neurodermitis, seborrhoische Dermatitis, Ekzeme oder auch ein einfacher Sonnenbrand.

Wirkmechanismus

Kortison ist ein körpereigenes Hormon, das von der Nebennierenrinde hergestellt wird. Es wird als wichtiges Steuerungshormon für zahlreiche Prozesse im Körper benötigt und ist absolut lebensnotwendig. 
 
Seit etwa 40 Jahren lassen sich Kortison und davon abgeleitete Moleküle auch künstlich herstellen. Diese Stoffe nennt man dann Kortikoide, Kortikosteroide, Glukokortikoide oder oft auch einfach nur Steroide.
Die wichtigste Eigenschaft der therapeutisch genutzten Kortikosteroide ist die starke antientzündliche Aktivität. Zahlreiche entzündliche Botenstoffe werden gehemmt und die Einwanderung von Entzündungszellen wird verhindert. Außerdem führen die Kortikosteroide zu einem Zusammenziehen der Blutgefäße (Vasokonstriktion), wodurch Rötung und Schwellung zusätzlich abnehmen. Die künstlichen Kortisone sind nach wie vor die stärksten antientzündlichen und abschwellenden Medikamente, die wir kennen.
Die gesunde Haut erneuert sich ständig, indem Hornschicht-bildende Zellen (Keratinozyten) durch die Hautschichten an die Oberfläche gelangen und in rund 28 Tagen zu Hornzellen werden. Diese abgestorbenen Hornzellen fallen dann durch Waschen oder Reiben an der Kleidung ab. Bei Psoriasis teilen sich die Keratozyten vermehrt und die Zeit bis zur Umwandlung in eine (unvollständige) Hornzelle ist auf 3-5 Tage verkürzt. Beide Mechanismen führen zu einer vermehrten Schuppenbildung.
Kortikosteroide hemmen die Zellteilung der Keratozyten, was bei der Behandlung der Psoriasis ein gewünschter Effekt ist. Bei anderen Hauterkrankungen ist dieser Effekt eher eine ungewünschte Nebenwirkung, weil es bei dauerhafter Anwendung zu einer Verdünnung (Atrophie) der Haut kommen kann.
Kortikosteroide wirken zudem hemmend auf die körpereigene Abwehr, was insbesondere bei allergischen Erkrankungen mit fehlgeleiteter Immunreaktion auch therapeutisch genutzt wird. 

Wie wird die Therapie angewandt?

Die Anwendung hängt von dem jeweiligen Präparat ab, das der Arzt Ihnen verschrieben hat. Neben der Wirkstärke des Kortikosteroids kommt es auch auf die Dosierung, die Zubereitung sowie auf die zu behandelnde Hautstelle an. In der Regel reicht es, die Präparate einmal am Tag anzuwenden. 
Wendet man äußerliche Kortikosteroide ununterbrochen über einen langen Zeitraum an (Wochen bis Monate) lassen die erwünschten Wirkungen deutlich nach – die Nebenwirkungen aber leider nicht. Aus diesem Grund werden Kortikosteroide meist in Form einer Stufen- oder Intervalltherapie eingesetzt.
Bei der Stufentherapie beginnt man mit dem stärksten Kortikosteroid und stellt die Therapie dann nach spätestens einer Woche auf ein schwächeres Präparat um (z.B. Hydrocortison). Diese Therapie kann dann über zwei bis drei Wochen fortgeführt werden und wird dann von einer steroidfreien Therapie abgelöst.
Bei einer Intervallbehandlung wird im Wechsel über drei Tage mit einem potenten Präparat (meist Klasse III oder IV) und dann über vier Tage mit einer steroidfreien Grundlage behandelt.
 
Die Wahl des Präparates hängt auch von der zu behandelnden Hautstelle ab. Die sehr starken Kortikosteroide der Klasse IV sollten nur bei therapieresistenten Psoriasis-Plaques oder bei Hauterkrankungen der Handflächen und Fußsohlen angewandt werden. Im Gesicht sollte die Klasse II nicht überschritten werden und die Präparate dürfen nur für kurze Zeit angewandt werden. Besonders muss man an Stellen mit per se sehr dünner Haut und kaum vorhandener Hornhaut aufpassen. Dazu gehören Augenlider, Hodensack (Skrotum) Genital- und Analbereich oder die Umgebung der Brustwarzen. Hier sollten bevorzugt Kortikosteroide der Klasse I und II angewandt werden.
Wie bei allen äußerlich zu verwendenden Arzneimittels sollte man sich nach der Anwendung gut die Hände waschen – es sei denn, die Hände wurden behandelt.
 
Wann und wo darf das Medikament nicht angewandt werden?
  • bei bekannter Überempfindlichkeit gegenüber einen der Wirkstoffe oder Hilfsstoffe
  • am Auge
  • bei Hautreaktionen infolge von Impfungen
  • bei Hauterscheinungen im Rahmen einer Tuberkulose, Syphilis oder von Virusinfektionen wie z.B. Herpes simplex oder Windpocken (Gefahr der Verschlimmerung)
  • bei Rosazea (Gefahr der Verschlimmerung)
  • bei perioraler („rund um den Mund“) Dermatitis (Gefahr der Verschlimmerung)

Worauf müssen Arzt und Betroffener besonders achten?

Äußerliche Kortikosteroide sind ausgesprochen gut verträgliche Medikamente, wenn sie über einen kurzen Zeitraum angewandt werden. Man setzt sie daher vor allem dazu ein, akute entzündliche Schübe einzudämmen und zur Abheilung zu bringen (so genannte Induktionsphase). Danach werden sie in der Regel wieder abgesetzt. 
Kleine Kinder haben bezogen auf das Gewicht eine größere Körperoberfläche. Bei großflächiger Anwendung steigt daher das Risiko für eine systemische Wirkung der Kortikosteroide mit den entsprechenden Nebenwirkungen. Bei Säuglingen dürfen Kortikosteroide daher nur bei zwingender Notwendigkeit und nur bis zum Abklingen der akuten Erscheinungen angewandt werden.
Beachtet werden muss auch, dass bestimmte Faktoren das Eindringen der Kortikosteroide durch die Haut erhöhen. So haben Frühgeborene eine noch unreife Hautbarriere und auch im Alter geht die Barrierefunktion zurück. Auch starke Entzündungen können die Hautbarriere stören.
In manchen Fällen möchte man auch ganz bewusst ein verstärktes Eindringen der Kortikosteroide erreichen um die Wirkung zu erhöhen. Dies gilt z.B. für Hautregionen mit sehr dicker Hornhaut wie Handflächen und Fußsohlen. Hier erreicht man z.B. durch Zusätze wie Salicylsäure oder Harnstoff, durch Verwendung von fettreichen Salben oder durch Plastikfolien (so genannte Okklusivverbände).
 
Werden Kortikosteroide im Bereich von bakteriellen Hautinfektionen oder Pilzinfektionen angewandt, sollten gleichzeitig antibakterielle bzw. antimykotische Mittel eingesetzt werden.
 
In der unmittelbaren Nähe des Auges muss man besonders vorsichtig sein. Wenn wiederholt kleine Mengen eines potenten Kortikosteroids in den Bindehautsack gelangen, kann es zu einer Erhöhung des Augeninnendrucks kommen.

Kann das Medikament in Schwangerschaft und Stillzeit angewandt werden?

Bei systemischer Kortikosteroiden (z.B. in Form von Tabletten) wurden bei Einnahme im ersten Schwangerschaftsdrittel in Tierversuchen ein erhöhtes Missbildungsrisiko gesehen. Dementsprechend sollte man auch mit der äußerlichen Anwendung hier besonders vorsichtig sein und Nutzen und Risiken streng abwägen. Grundsätzlich sollten die Präparate in der Schwangerschaft hier auf nicht mehr als 20% der Körperoberfläche angewandt werden (Faustregel: Eine Handfläche mit Fingern entspricht etwa einem Prozent der Körperoberfläche). 
 
Ähnliches gilt für die Stillzeit. Zudem ist hier darauf zu achten, dass der Säugling keinen Kontakt mit den behandelten Hautflächen hat.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Die bei vielen Menschen anzutreffende „Kortsionangst“ ist meist unbegründet. Bei bestimmungsmäßigem Gebrauch (in der Regel nicht über vier Wochen) sind die typischen „Kortison-Nebenwirkungen“ an der Haut oder im Gesamtorganismus bei den heutigen Präparaten nicht zu befürchten.
Anders ist es, wenn die Präparate deutlich länger als empfohlen (in der Regel über mehr als 6 Wochen bis Monate) und in zu hoher Dosierung angewandt werden. Hier können folgende Nebenwirkungen an der Haut drohen:
  • Verdünnung der oberen Hautschicht (Atrophie der Epidermis, meist Rückbildung nach Absetzen)
  • „Zigarettenpapier“-artige Haut
  • leichte Verletzbarkeit
  • verzögerte Wundheilung
  • verminderte Pigmentierung (Abblassung)
  • Verdünnung tieferer Hautschichten (Atrophie des Hautbindegewebes, nur teilweise rückbildungsfähig)
  • rötliche Hautstreifen (ähnlich wie Schwangerschaftsstreifen)
  • weißliche vorstehende Follikel am Hals (wie „Gänsehaut“)
  • sternförmige weiße Pseudonarben
  • vermehrte Behaarung vor allem im Gesicht (Hypertrichose)
  • Nebenwirkungen an den Gefäßen:
  • kleinfleckige Kapillarblutungen (Purpura)
  • Teleangiektasien (sichtbare Gefäßerweiterungen)
  • Rubeosis steroidica (dauerhafte Gesichtsrötung)
  • dauerhafte Rötung (Erythem) an anderen Hautstellen
  • Schwächung der Infektabwehr:
  • Hautinfektionen durch Hefepilze, Bakterien, Herpesviren
  • Tinea incognita („getarnte“ Pilzinfektion)
  • Herpesekzem, Impfekzem
  • Hauterkrankungen
  • Verschlechterung einer Rosazea oder perioralen Dermatitis
  • knotiger Ausschlag im Windelbereich bei Säuglingen (Granuloma gluteale infantum)
  • Steroidulkus
  • allergisch/toxische Reaktionen
  • Sensibilisierung auf Steroide
  • Entzündung im Bereich des Penis („Steroid-Balanitis“)
  • Reboundeffekte
  • Verschlimmerung der behandelten Hauterkrankungen nach plötzlichem Absetzen der Steroide
 
Bei missbräuchlicher Anwendung von sehr hohen Dosen über sehr lange Zeit, kann soviel Kortikosteroid über die Haut aufgenommen werden, dass es in seltenen Fällen zu einer Wirkung im Gesamtorganismus kommt (systemische Wirkung). Dazu gehören:
  • Cushing-Syndrom (Stammfettsucht, Vollmondgesicht etc.)
  • Nebennierenrindenversagen nach abruptem Absetzen (extrem selten)
  • Bluthochdruck
  • Osteoporose
  • Verschlechterung eines Diabetes mellitus
  • Wachstumsstörungen beim Kind
  • Erhöhter Augeninnendruck (Glaukom), Hornhauttrübung (Katarakt)
  • Steroidakne
Da sonstige Nebenwirkungen der Kortikosteroid-Präparate auch von dem jeweiligen Wirkstoff und den Hilfsstoffen abhängen, kann hier nicht darauf eingegangen werden und es wird auf die Gebrauchsinformation verweisen. 

Mit welchen anderen Medikamenten oder Wirkstoffen gibt es Wechselwirkungen?

Die Kombination mit Salicylsäure oder Harnstoff kann das Eindringen der Kortikosteroide in die Haut erleichtern und darüber die Wirksamkeit verstärken.
Sonstige Wechselwirkungen von Kortikosteroiden mit anderen Mitteln sind bisher nicht bekannt.

Was sollte man sonst noch wissen?

Äußerlich angewandte Kortikosteroide in Form von Salben, Cremes oder Lotionen zeigen bei leichter bis mittelschwerer Psoriasis vulgaris eine gute bis sehr gute Wirksamkeit und führen in vielen Fällen zu einem vollständigen Abheilen der Hautläsionen.
 
Grundsätzlich sollten die Präparate aber nicht unkritisch über einen längeren Zeitraum (länger als 4 bis 6 Wochen) und nur nach Anweisung des Arztes angewandt werden.
 
Lagerung: Aufdruck auf jeweiligem Präparat beachten
 
Maria Weiss, Ärztin
 
Verwendete Literatur:
  • Leitlinie zur Therapie der Psoriasis vulgaris – ICD10:L40.0
  • Fachinformation Dermatop® (Stand Juni 2008)
  • Monika Weber et al; Dermatologische Therapie: Einsatz topischer Steroide; Schweiz Med Forum 2006; 6:341-48 

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