Kortison – sind Angst und Ablehnung begründet?

Unter den Salben sind solche mit Kortison bei den meisten Psoriatikern am wirksamsten – aber auch am meisten gefürchtet.

Schuppenflechte-Stellen gehen mit Kortisonsalben schnell weg. Die Salben sind – richtig angewandt – ein gutes Mittel und vor allem wichtig, um erst einmal die Entzündung der Haut abzuschwächen.

Die Angst vor Nebenwirkungen ist groß, und sehr oft sagen Betroffene Nein zu Kortison – aus eben jener diffuser Angst.

Die Angst stammt nicht von ungefähr: Als Kortisonsalben in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts aufkamen, waren sie „Wunderwaffen“, noch mit wenig Erfahrung eingesetzt, die Nebenwirkungen vernachlässigt, weil der Erfolg ja so gut war. Mittlerweile sind Kortisonsalben der sogenannten vierten Generation auf dem Markt.

„Diese Kortisonsalben bringen heute kaum noch Nebenwirkungen“, versichert Professor Roland Niedner. „Nur im Gesicht muss man sehr, sehr vorsichtig damit sein.“

Roland Niedner ist Deutschlands „Kortisonpapst“. Er forscht daran, kann die Stärke der verschiedenen Kortison-Präparate und -Wirkstoffe vermutlich im Schlaf sagen und ist dennoch realistisch: „Kortisonsalben sollten nicht zu lange angewendet werden, sonst ist die Psoriasis schwerer weiterzubehandeln.“

Der Arzt und Wissenschaftler, der am Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam arbeitet, hat in den letzten Jahren von seinen Kollegen keine Nebenwirkungen berichtet bekommen. Dennoch kennt er sie und weiß sie einzuschätzen:

Die Verdünnung der Haut geht nach der Anwendung wieder weg. Das gleiche gilt für eine Akne oder eine periorale Dermatitis, die der Akne ähnelt. Eine übermäßige Behaarung der Stellen, wo Kortison geschmiert wurde, verschwindet ebenfalls nach einiger Zeit. Andere Nebenwirkungen wie Pseudo-Narben oder eine Hyperpigmentierung sind ebenfalls später nicht mehr zu sehen. Die schwerste Nebenwirkung von zuviel Kortison ist eine Ausweitung der kleinen Blutgefäße unter der Haut, die meist auch deutlich zu sehen ist. Die sind nur mit Laserverfahren zu entfernen. „Glück“ für alle Menschen mit einer Psoriasis auf dem Kopf: Dort wurden noch nie Nebenwirkungen von Kortisonsalben oder -lösungen beobachtet. Gaaaaaanz vorsichtig sollte man aber mit der Anwendung von Kortisonsalben an den Ohren sein: Die zählen noch zum Gesicht, wo mit Kortison sehr, sehr, sehr sparsam umgegangen werden sollte.

Grundregeln von Roland Niedner sind:

  • Beginnen Sie mit dem stärksten Präparat. (Zur Stärke siehe Übersicht)
  • Lassen Sie sich von jedem Wirkstoff (siehe Übersicht) ein bis zwei Präparate verschreiben, um testen zu können, was am besten wirkt.
  • Beachten Sie bei der Anwendung Ihr Alter.
  • Berücksichtigen Sie Ihr Alter. Je älter man ist, um so dünner ist die Haut schon an sich. Dann sind die Blutgefäße auch brüchiger.
  • Begrenzen Sie die Therapiedauer.
  • Schleichen Sie sich aus der Behandlung aus. Setzen Sie Kortisonsalben nie, nie und niemals nie auf einmal ab. Das heißt: Nehmen Sie die Salben dann zunächst nur noch jeden zweiten Tag, später jeden dritten, dann jeden vierten und so weiter und so fort.

Für Roland Niedner liegt die durchschnittliche Grenze der Behandlung mit Kortisonsalben bei vier Wochen.

Sein Tipp für das neueste Präparat Daivobet, eine Mischung aus Kortison und Vitamin D3 (Calcipotriol): Man nehme 14 Tage Daivobet, dann längere Zeit Daivonex, und dann noch einmal eine Woche Daivobet.

In der Genitalgegend ist Kortisonsalbe immer Abwägungssache. Eine Patientin berichtete von guten Erfolgen mit Linoladiol. Mit einer Tube davon sei sie über ein Vierteljahr gekommen, und sie habe es angewendet, obwohl sie ansonsten felsenfest Kortison ablehnt. An dieser empfindlichen Stelle aber wollte sie „Klarheit“.

Kennen Sie die Frage vom Arzt: „Wollen Sie ’ne Salbe oder ’ne Creme“? Dahinter verbirgt sich nicht nur eine Frage nach einer Annehmlichkeit. Denn: Kortison wirkt, in gleicher Konzentration in Salben eingearbeitet, besser als in Creme. In (alkoholischer) Lösung eingearbeitet, ist die Wirkung noch schwächer.

Wer auf seine Stellen zunächst die Kortisonsalbe aufträgt und sie dann mit Folie abdeckt, erhöht die Wirkung um das fünf- bis zehnfache. Insbesondere an Händen und Füßen ist die Wirkung enorm, weil dort Kortisonsalben schlechter eindringen als an anderen Körperteilen. Aber: Das ist schon eine „Holzhammer-Methode“, mit der man vorsichtig umgehen sollte. Sie sollte höchstens einige Tage (vorzugsweise Nächte) angewendet werden und dann auch mit dem „Ausschleichen“ der Kortisonsalbe beendet werden. Ein Tipp für die Hände: Es gibt in der Apotheke Folien-Handschuhe, die die Behandlung „bequemer“ machen.

Kortisonsalben der „vierten Generation“

  • Wirkstoff: Hydrocortison-Aceponat; Handelsname: Retef
  • Wirkstoff: Hydrocortison-Buteprat; Handelsname: Pandel
  • Wirkstoff: Hydrocortison-Butyrat; Handelsname: Alfason
  • Wirkstoff: Methylprednisolon-Aceponat; Handelsname: Advantan
  • Wirkstoff: Prednicarbat; Handelsname: Dermatop

Wie gut dringt Kortinson-Salbe wo ein?

(fachmännisch: Penetrationsverhältnisse und Atrophieverhältnisse für Dermokortikoide, nach Feldmann/Maibach)

Wo?: Wie stark?

Kopfhaut: 3,5

Stirn: 6,0

Kieferwinkel: 13

Rücken: 1,7

Achselhöhle: 3,6

Unterarm dorsal (außen): 1,1

Unterarm ventral (innen): 1

Handfläche: 0,8

Skotum (Geschlechtsteilgegend): 43,0

Knöchel: 0,4

Fußsohle: 0,1

Außerdem…

Man beachte folgenden Dialog auf der Internet-Seite der Kortison-Hersteller-Firma Merck:

Frage: Ist Cortison bei Psoriasis-Arthritis sinnvoll?

Antwort: Die Gelenkerscheinungen der Psoriasis-Arthritis bessern sich natürlich auf Cortison und meist auch gleichzeitig die Hauterscheinungen. Wird nach Beherrschung der Gelenkentzündung das Cortisonpräparat abgesetzt, kommt es häufig zu einer sehr schweren Verschlechterung der Hautsituation. Aus diesem Grunde wird von der Cortisontherapie in diesen Fällen abgeraten. Unbedenklich ist dagegen bei den oft hartnäckigen Veränderungen einzelner Gelenke eine Gelenkinjektion, wobei auch hier die bei der chronischen Polyarthritis gegebenen Regeln berücksichtigt werden müssen (nachzulesen direkt bei Merck).

Quellen: Forschung und Praxis (177/1994), Vortrag von Professor Niedner in Berlin (Januar 2003) u.v.a.

3 Kommentare

  1. es ist weniger ein kommentar als eine frage: mir wurde kortison im gesicht verordnet, da ich dort einen ausschlag hatte. es half sehr und er meinte ich solle die creme solange nehmen bis es nicht mehr zu sehen ist. ich nehme sie jetzt schon ca 2 monate, 2 mal pro tag. heute bin ich zu einem anderen arzt gegenagne und er meinte ich müsse sie sofort absetzten und das danach zwar der auschlag doppelt so schlimm sei ich da aber durch muesse. er sagte dieser ausschlag kann auch fuer immer bleiben, er vermutet die stuardessen krankheit bei mir. ich bin 17 und würde ungern so rumlaufen. da wollte ich fragen ob es irgendetwas gibt was dies verhindert. ich bin es satt von arzt zu arzt zu laufen wo jeder etwas anderes sagt.

  2. „Sofort absetzen“ ist vielleicht nicht ganz die richtige Lösung – ein so genanntes Ausschleichen kann verhindern, dass der Ausschlag doppelt so schlimm wiederkommt. („Ausschleichen“ heißt in diesem Fall: für einige Tage nur noxh 1x/Tag, dann nur noch alle 2 Tage, dann nur noch alle 3 Tage…)
    Gab es denn die eindeutige Diagnose „Schuppenflechte“? Gibt es in der Familie Menschen, die Schuppenflechte haben?

  3. Ich habe auch noch eine Frage zu Cortison. Ich hatte vor 3 Monaten eine starke vaginalpilzinfektion und habe von meiner Hautärztin vobaderm verschrieben bekommen (cortison: flupredniden). Diese Creme habe ich 5 Tage lang angewendet und leider auch immer ein bisschen zu dick aufgetragen. Jetzt fühlt sich meine Schleimhaut und die umgebende Haut sehr dünn an und ist sehr Kälteempfindlich. Seit 3 Monaten hat sich das Ganze leider auch nicht wirklich verbessert. Ich habe solche Angst, dass ich jetzt einebbleibende Hautathrophie habe, die sich nicht mehr regeneriert. Bleibt die jetzt mein ganzes Leben so?

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