Neuer Wirkstoff gegen Ausschlag

Wiener Forscher entwickelten einen neuen Wirkstoff gegen Neurodermitis und Schuppenflechte – ohne Cortison.

Das Novartis-Forschungsinstitut in Wien hat nun einen neuen Wirkstoff entwickelt, der gegen Neurodermitis und Schuppenflechte helfen soll. Der Wirkstoff enthält kein Cortison. Dass die heimischen Forscher damit den „Vogel abgeschossen“ haben, zeigte sich dieser Tage: Die als besonders streng bekannte US-Arzneimittelbehörde FDA (Food and Drug Administration) hat dem neuen Medikament „Elidel“ die Zulassung für die Behandlung der atopischen Dermatitis (ehemals Neurodermitis) für Patienten ab dem Alter von zwei Jahren erteilt.

Es handelt sich bei dem Wirkstoff um einen so genannten Immunmodulator, der ähnliche Effekte wie Kortison – aber ohne dessen Nebenwirkungen – erzielt. In Zukunft soll es das Arzneimittel auch in Tablettenform und zur Behandlung der Psoriasis, der Schuppenflechte, geben. Dies sei die erste verschreibungspflichtige nichtsteroidale (nicht Coritison enthaltende, Anm.) Creme gegen leichte bis mittelschwere atopische Dermatitis bei Patienten ab zwei Jahren, teilte der Pharmakonzern dazu mit. Der Konzern hat das Medikament jahrelang in Österreich unter Federführung von Universitätsprofessor Anton Stütz am Novartis Forschungsinstitut (NFI) entwickelt.

Bisherige Therapie war sehr beschränkt

Die atopische Dermatitis, ein Ekzem, ist eine bisher nur bedingt behandelbare Erkrankung, deren Ursachen nur teilweise bekannt sind. Es handelt sich dabei um eine von Juckreiz begleitete Hautkrankheit. Diese chronisch entzündliche Hauterkrankung tritt oft erstmals im Kindesalter auf. Quälender Juckreiz, Verdickung der Haut, ständiges Kratzen (bis hin zur Schlaflosigkeit) können die Folgen sein. 90 Prozent aller durch Ekzeme bedingten Arztbesuche erfolgen wegen leichter oder mittelschwerer atopischer Dermatitis. Die bisherigen Therapiemöglichkeiten bestanden vor allem in der Verwendung von Cortison-Präparaten. Doch gerade bei Kindern ist man mit der Gabe dieser Substanzen – ursprünglich als Hormone der Nebennieren entdeckt – vorsichtig, weil es zu Wachstumsstörungen und anderen Nebenwirkungen kommen kann. Stütz und sein Team veränderten eine aus Ascomyces-Pilzen bekannte Substanz, so dass sie für Arzneimittel gegen chronisch entzündliche Hauterkrankungen verwendbar wurde. Die ausschlaggebenden Studien dazu wurden an der Universitäts-Hautklinik in Wien (Prof. Klaus Wolff) am AKH durchgeführt.

Der Wirkstoff heißt Pimecrolimus, ein Ascomycin-Derivat. Ascomycin, eine natürliche Substanz, wird von dem Pilz „Streptomyces hygroscopicus var. Ascomyceticus“ gebildet. Die Substanz behindert das Schlüsselereignis des Krankheitsmechanismus bei Ekzemen: Die Produktion und Freisetzung von Zytokinen (Immunbotenstoffen) aus aktivierten Zellen in der Haut, die dann Entzündungen, Rötungen und Juckreiz hervorrufen. Für Europa wird die Zulassung für den Sommer bzw. Herbst kommenden Jahres erwartet.

Quelle: Salzburger Nachrichten 18. Dezember 2001

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