Psoriasis-Wirkstoff wird bei Krebs-Form getestet

So sieht ein kutanes T-Zell-Lymphom eingefärbt unterm Mikroskop nach der Behandlung mit Dimethylfumarat aus. Bösartige Zellen sind rot, sterbende Zellen grün zu sehen. Die vielen gelben Zellen zeigen, dass das Medikament die Lymphomzellen wirksam bekämpft.

Der Wirkstoff Dimethylfumarat könnte künftig gegen eine besonders gefürchtete Krebs-Art zum Einsatz kommen: gegen das Sézary-Syndrom. Dimethylfumarat kommt bislang bei Schuppenflechte im Medikament Fumaderm und bei Multipler Sklerose in Tecfidera vor.

Beim Sézary-Syndrom schlafen Krebszellen weiter, obgleich sie längst den Befehl bekommen haben, sich in den Tod zu stürzen – übertragen gesprochen. Sie überhören den Befehl. Dimethylfumarat bringt ihnen wieder bei, den Befehl zu hören und darauf richtig zu reagieren. Die Krebszellen wachsen und „streuen“ dann auch nicht mehr. Das Tückische ist nämlich: Beim Sézary-Syndrom sind die entarteten Zellen nicht nur in der Haut, sondern auch im Blut zu finden. Von dort aus können sie dann auch andere Organe befallen. Das Sézary-Syndrom ist eine der häufigsten Formen des kutanen T-Zell-Lymphoms.

Forscher im Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und von der Hautklinik der Universität Mannheim haben es geschafft, einen Überlebensfaktor namens NFkappaB in den Krebszellen auszuschalten und die Krebszellen so in die Apoptose – den programmierten Zelltod – zu treiben. Der Überlebensfaktor nämlich ist ständig eingeschaltet, weshalb die Zellen gegen alle Aufforderungen, sich in den Tod zu stürzen, immun sind.

Medikamente gegen das Sézary-Syndrom bislang zu giftig

Versuche, einen Stoff zu finden, der den Überlebensfaktor hemmt, endeten bislang oft mit dem gleichen Problem: Sie waren für den Menschen zu giftig. Dimethylfumarat aber scheint dem kutanen T-Zell-Lymphom beizukommen. Die Wissenschaftler ließen die Substanz auf T-Zellen los, die sie aus dem Blut von Patienten mit Sézary-Syndrom entnommen hatten. Diese T-Zellen transplantierten sie unter die Haut von Mäusen. Dort wuchsen daraufhin Tumore. Sodann wurden die Tiere mit Dimethylfumarat behandelt.

Das Ergebnis: Nach dem Ende der Therapie wuchs der Krebs langsamer. Die Tumorzellen waren abgetötet, gesunde T-Zellen aber verschont worden. Und: Die Metastasierung – der Befall anderer Organe – blieb fast komplett aus.

„Dimethylfumarat scheint mindestens vergleichbar wirksam und dabei besser verträglich zu sein als die meisten anderen Wirkstoffe, die gegen kutane Lymphome eingesetzt werden“, sagt Peter Krammer vom DKFZ.

Über ihre Arbeit haben die Forscher in einer Studie berichtet. Sie wird von der Helmholtz Alliance for Immunotherapy gefördert.

Bis der Wirkstoff wirklich in der Krebstherapie ankommt, wird einige Zeit ins Land gehen: Versuche an Mäusen sind ein sehr, sehr frühes Stadium in der Erforschung eines Medikamentes. Hilfreich könnte es in diesem Fall sein, dass Dimethylfumarat schon in fertigen Medikamenten existiert und so viele Erfahrungen nicht neu gesammelt werden müssen.

 

Studie: Dimethyl fumarate restores apoptosis sensitivity and inhibits tumor growth and metastasis in CTCL by targeting NFκB. Jan P. Nicolay, Karin Müller-Decker, Anne Schroeder, Markus Brechmann, Markus Möbs, Cyrill Géraud, Chalid Assaf, Sergij Goerdt, Peter H. Krammer, Karsten Gülow; In: Blood 2016

 

Bildquellen

  • T-Zell-Lymphom: Anne Schröder/Karin Müller-Decker, DKFZ
Über Claudia Liebram 279 Artikel
Claudia Liebram ist Berlinerin mit Leib und Seele. Dort arbeitet sie als Redakteurin. Ihre Psoriasis begann, als sie 3 Jahre alt war – viel Erfahrung also, die sie weitergeben kann.

1 Kommentar

  1. Sehr interessanter Artikel. Hoffe Sie veröffentlichen in regelmäßigen Abständen solche Artikel dann haben Sie eine Stammleserin gewonnen.Vielen Dank für die tollen Informationen.

    Gruß Sandra

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