Neues Fumarsäure-Medikament für Psoriatiker

Inhalte dieses Artikels sind teilweise überholt. Wegen der Informationen über Panaclar an sich bieten wir ihn dennoch hier an.

Der Pharmakonzern Biogen Idec bringt 2006 ein Fumarat unter dem Namen Panaclar auf den Markt. Es ist deutlich verträglicher als das bisherige Fumaderm: Lästige Magenprobleme sind nicht völlig ausgeschaltet, treten aber deutlich milder auf als bei Fumaderm. Die bekannten Hitzewallungen („Flush“) dagegen treten bei beiden Medikamenten weiterhin auf.

Professor Ulrich Mrowietz (Uni Kiel) stellte bei der 34. Tagung der Deutschen Dermatologen in Dresden das neue Fumarat-Präparat vor. Unter dem schlichten Namen „BG 12“ durchlief es jetzt alle Testphasen. Natürlich verglich Mrowietz das neue Medikament mit dem altbekannten Fumaderm. Während Fumaderm ein Gemisch aus vier Fumarsäure-Esther-Substanzen ist, handelt es sich bei Panaclar nur um eine Mono-Substanz (Dimethylfumarat, kurz DMF). Weil es chemisch so simpel aufgebaut ist, wird es auch einfach wieder ausgeschieden: 60 % Kohlenmonoxyd (CO2) durch die Atemluft und 40 % Wasser (H2O) durch den Urin. Im Körper bleibt nichts zurück.

Panaclar verträgt sich mit allen Medikamenten, die der Patient außerdem nehmen muss: „Für Patienten mit mehreren Krankheiten ist Panaclar ein sehr sicheres Medikament, weil es keine Arzneimittel-Wechselwirkungen gibt“, so Mrowietz – im Gegensatz zu Sandimmun, das auf sehr viele Medikamente negativ anspricht. Das ist besonders für ältere Psoriatiker von Bedeutung.

Panaclar reguliert das Zuviel an Entzündungen herunter und bringt das Immunsystem in eine normale Balance. Deshalb bezeichnet Mrowietz das neue Medikament als „hochwirksamen Immunmodulator“.

Je höher die Dosis ist, desto besser sind die Ergebnisse. Pro Tag sollten 720 mg eingenommen werden. Die Patienten müssen sich nicht mit einer niedrigen Dosis „einschleichen“. Wer vorher mit Fumaderm behandelt wurde, muss überhaupt nicht mit Magenproblemen rechnen.

Mrowietz verglich Panaclar außerdem mit den modernen Biologika: 40 % der Psoriatiker erreichen nach 16 Wochen Therapie eine mindestens 75 -prozentige Verbesserung ihres Hautzustandes. Bessere Ergebnisse würden diese Hightech-Medikamente auch nicht erreichen. Während die Biologika im Immunsystem Vorgänge blockieren oder Botenstoffe abfangen, reguliert das Fumarat das Immunsystem lediglich herunter.

Die häufigsten Nebenwirkungen sind Hitzewallungen („Flush“), Durchfall und Entzündungen des Nasenrachenraumes.

Was aber wird mit Fumaderm? Gibt es Patienten, bei denen es weiterhin Sinn macht, bei Fumaderm zu bleiben? Wie teuer wird das neue Panaclar sein? Experten vermuten, dass es irgendwann kein Fumaderm mehr geben wird. Der Preis des neuen Fumarats dagegen wird erfahrungsgemäß höher sein, als der des bisherigen Medikaments. Aber erst einmal muss Panaclar zugelassen werden!

Für die Pharmaindustrie ist interessant, dass die Lizenz für das neue Fumarat nicht an den deutschen Hersteller von Fumaderm – die Firma Fumedica in Herne – ging. Mit Biogen Idec bietet erstmals ein international tätiger Konzern ein Fumarat an. Bisher wurden nur Psoriatiker im deutschsprachigen Raum mit diesem Wirkstoff behandelt. Biogen Idec könnte es schaffen, dass zukünftig die Psoriasis in deutlich mehr Ländern auch mit einem Fumarat behandelt werden kann. Insider erinnern sich, dass Biogen Idec eigentlich die erste Pharmafirma sein wollte, die mit dem Biologika Amevive auf den europäischen Markt kommt. Während Amevive aber für die USA zugelassen ist, darf es in der EU (noch) nicht angeboten werden. Vielleicht bringt Panaclar den gewünschten Erfolg für das Unternehmen?

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Über Rolf Blaga 115 Artikel
Rolf Blaga hat bis 2012 als Studienrat in Berlin am Oberstufenzentrum Gesundheit unterrichtet. Seit 1993 ist er aktiv in der Psoriasis-Selbsthilfe tätig, sowohl regional im Psoriasis Forum Berlin als auch überregional in der Psoriasis Selbsthilfe Arbeitsgemeinschaft.

4 Kommentare

  1. panaclar
    Hoffentlich ist das neue Medikament dann billiger als Fumaderm. Mein Arzt krümmt sich schon immer, weil Fumaderm immer noch so teuer ist, dabei ist das Mittel sehr billig herzustellen.

  2. …wird teurer werden!
    Das FUMADERM-Nachfolgepräparat wird wohl teurer werden und daher wohl auch zunächst nur für die schwerere Erkrankung Multiple Sklerose vom Hersteller eine Zulassung betrieben werden. Für Psoriasis ist es dann später als second level Therapie einsetzbar, wenn FUMADERM nicht den gewünschten Erfolg zeigt oder zu starke Nebenwirkungen hat.
    Trotz kräftigem Preisaufschlag ist die magistrale Rezeptur der Fumarsäurekapseln Stärke III retard einer Nürnberger Apotheke immer noch viel preiswerter als FUMADERM und vom Darm her besser verträglich, da Retardform.

  3. Ich bin Apotheker. Ein 64-jähriger Apotheker, der es „hinter sich hat“ und nur noch eines bewahrt: eine unglaubliche Wut gegen die Pharma-Industrie im Bauch.
    Ich kann Ihnen nur eines raten: lassen Sie vom Apotheker Ihres Vertrauens das Medikament SO BILLIG WIE MÖGLICH als Rezeptur herstellen. Der Rohstoff kostet nur im Cent-Bereich pro Kapsel. Alles andere ist apothekerliche Sorgfalt (keine apothekerliche KUNST)!

    Gute Besserung!

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