Dithranol – was ist das und wie wird es angewendet?

Wirkstoff: Dithranol

Handelsnamen: Micanol®, in Kombinationen mit anderen Wirkstoffen in Psoradexan®, Psoralon®MT

Diese Medikamente sind rezeptpflichtig.

Allgemeine Informationen

Dithranol (auch Cignolin oder Anthralin genannt) wird äußerlich schon seit 1916 zur Therapie der Psoriasis eingesetzt und ist der erste Arzneistoff, der speziell für die Behandlung dieser Erkrankung entwickelt wurde. Es handelt sich um einen synthetisch hergestellten Abkömmling eines Naturstoffgemisches, das in der indischen und südamerikanischen Heilkunst schon im 18. Jahrhundert bei Hautkrankheiten eingesetzt wurde.

Der Wirkstoff ist in Deutschland in Micanol® (1 und 3%) enthalten sowie in Kombination mit Harnstoff (Psoralon® 0,5, 1, 2, und 3%) oder Salicylsäure (Psoradexan®, Psoradexan® mite oder forte). Harnstoff und Salicylsäure verstärken die abschuppende Wirkung von Dithranol.

Anders als bei anderen Cremes und Salben soll Dithranol nicht auf der Haut verbleiben sondern muss nach einer gewissen Einwirkzeit wieder abgewaschen werden. Der Grund: Der hochwirksame Arzneistoff kann die Haut stark reizen. Er darf daher auch nur auf die Psoriasis-Herde, nicht aber auf die umgebende gesunde Haut aufgetragen werden.

Bei welcher Erkrankung wird Dithranol angewandt?

Dithranol kann als Kurzkontakttherapie zur Behandlung der subakuten und chronischen Psoriasis eingesetzt werden. Weitere Einsatzgebiete sind Warzen (Verrucae vulgaris) und Alopecia areata (kreisförmiger Haarausfall).

Wirkmechanismus

Der Wirkmechanismus von Dithranol in den Hautzellen ist bisher noch nicht endgültig geklärt. Der Wirkstoff scheint in vielfältiger Art und Weise den Zellstoffwechsel zu beeinflussen. Gezeigt wurde z.B. eine Veränderung des Stoffwechsels der ungesättigten Fettsäuren, eine Verminderung der Konzentration des bei Schuppenflechte erhöhten zelleigenen Botenstoffes cGMP (cyclisches Guanosinmonophosphat) und eine Beeinträchtigung der Energiegewinnung in den Mitochondrien („Kraftwerke“ der Zelle) der Zellen). Durch all diese Mechanismen wird die Zellteilung verzögert.

Die gesunde Haut erneuert sich ständig, indem Hornschicht-bildende Zellen (Keratinozyten) durch die Hautschichten an die Oberfläche gelangen  und in rund 28 Tagen zu Hornzellen werden. Diese abgestorbenen Hornzellen fallen dann durch Waschen oder Reiben an der Kleidung ab. Bei Psoriasis teilen sich die Keratozyten vermehrt und die Zeit bis zur Umwandlung in eine (unvollständige) Hornzelle ist auf 3-5 Tage verkürzt. Beide Mechanismen führen zu einer vermehrten Schuppenbildung.

Durch Dithranol wird die krankhafte Zellvermehrung auf ein normales Maß zurückgebracht.

Wie wird die Therapie angewandt?

Dithranol (und die entsprechenden Kombinationspräparate) sind nur für die äußerliche Anwendung bei Erwachsenen gedacht. Die Creme wird in der Regel einmal täglich sparsam auf die betroffene Hautregion aufgetragen und vorsichtig und gründlich eingerieben bis sie vollständig von der Haut aufgenommen wurde. Der Kontakt mit der gesunden Haut muss dabei sorgfältig vermieden werden.

Grundsätzlich wird die Creme nach einer gewissen Einwirkzeit wieder abgespült. Dazu sollte immer lauwarmes fließendes Wasser verwendet werden. Bei größeren behandelten Flächen geht das am besten unter der Dusche. Keinesfalls darf zu heißes Wasser (über 30°C) oder Seife verwenden werdet. Beides würde die Salbengrundlage zerstören und zu übermäßigen Verfärbungen der Haut oder auch der Badewanne/Duschwanne führen.

Bei der ersten Anwendung wird in der Regel die 1%ige Creme verwendet, die spätestens nach 10 min wieder abgespült wird. Je nach Verträglichkeit wird die Kontaktzeit dann über eine Woche auf 30 min gesteigert. Sind auch unter dieser Therapie keine Hautreizungen erkennbar, kann falls nötig nach 1-2 Wochen auf die 3%ige Creme übergegangen werden. Die 3%ige Creme darf aber nur unter ärztlicher Kontrolle angewandt werden. Kommt es zu Hautreizungen geht man wieder auf die geringer dosierte Creme zurück.

In der Regel wird die Therapie solange angewandt, bis die Haut frei von Psoriasisherden ist.

Säuglinge und Kleinkinder dürfen nicht mit Dithranol behandelt werden.

Wann und wo darf Dithranol nicht angewandt werden?

  • bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Dithranol oder einen der Inhaltsstoffe
  • bei akuter pustulöser Psoriasis
  • bei Entzündungen der Haut einschließlich Follikulitis, Erythrodermie (großflächige entzündliche Hautrötung), vesikulöse Dermatitis, akute ekzematöse Dermatitis
  • bei Niereninsuffizienz
  • auf  Wunden, Geschwüren, nässenden Hautpartien
  • im Bereich von Gesicht, Körperfalten (Achselhöhle, Brustfalte, Leiste) und Genitalen
  • auf Schleimhäuten und im Bereich der Augen

Worauf müssen Arzt und Betroffener besonders achten?

Dithranol kann zu Verfärbungen von Kleidung und Bettwäsche führen. Der Kontakt mit Kleidung sollte daher vermieden werden und es wird empfohlen bei der Anwendung nur alte Waschlappen und Handtücher zu benutzen. Zum Entfernen von Flecken aus Textilgewebe sollte nur lauwarmes Wasser (< 30° C) verwendet werden. Rückstände auf anderen Oberflächen sollten sofort mit einem geeigneten Reinigungsmittel entfernt werden.

Da Dithranol auch blonde oder graue Haare verfärben kann, ist bei der Anwendung auf dem behaarten Kopf Vorsicht geboten.

Kontakt mit den Augen ist unbedingt zu vermeiden, da es zu hochgradiger Bindehautentzündung (Konjunktivitis), Hornhautentzündung (Keratitis) oder Hornhauttrübung kommen kann. Daher müssen auch die Hände nach jeder Anwendung gründlich gewaschen werden. Ist es versehentlich doch zum Kontakt der Creme mit dem Auge gekommen, sollte mit reichlich lauwarmen Wasser oder isotoner Kochsalzlösung gespült werden. Eventuell ist auch eine lokale Kortikosteroidbehandlung erforderlich.

Kommt es zu übermäßiger Rötung oder Brennen der Haut sollte die Anwendungshäufigkeit oder die Konzentration vermindert werden. Unter Umständen muss die Behandlung auch abgebrochen werden.

Kann Dithranol in Schwangerschaft und Stillzeit angewandt werden?

Da nicht genug Erfahrungen in Schwangerschaft vorliegen, sollte das Präparat hier nur eingesetzt werden, wenn es absolut notwendig erscheint. Ob der Wirkstoff in die Muttermilch gelangt ist nicht untersucht worden. Sicherheitshalber sollten stillende Frauen Dithranol nicht anwenden bzw. abstillen. An der Brust stillender Mütter darf die Creme auf keinen Fall angewandt werden.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Sehr häufig (bei einem von 10 Behandelten oder mehr)

  • Leichtes Brennen der behandelten Hautflächen und leichte Entzündung der umgebenden gesunden Haut. Dies zeigt gutes Ansprechen auf die Behandlung an und lässt mit zunehmender Behandlungsdauer meist nach.

Häufig (bei mehr als einem von 100 Behandelten aber weniger als bei einem von 10)

  • Verfärbung der behandelten Haut (vor allem bei höher dosierten Präparaten). Diese Verfärbung ist harmlos und bildet sich in der Regel circa 14 Tage nach Anwendung wieder zurück

Sehr selten (bei weniger als einem von 10.000 Behandelten)

  • Allergische Kontaktdermatitis (bei starken Hautreizungen Behandlung abbrechen)

Mit welchen anderen Medikamenten oder Wirkstoffen gibt es Wechselwirkungen?

  • Vorsicht ist bei photosensibilisierenden Medikamenten geboten, da deren Wirkung verstärkt werden kann.
  • Die gleichzeitige äußerliche Anwendung von Präparaten mit Kohlenteer, Zinkoxid oder Stärke können die Wirksamkeit von Dithranol herabsetzen.
  • Die gleichzeitige äußerliche Anwendung von Harnstoff oder Salicylsäure verstärkt die Wirkung von Dithranol, was bei entsprechenden Kombinationspräparaten auch genutzt wird. Auch Calcipotriol-haltige Cremes und eine UVB-Fototherapie kann die Wirkung verstärken.
  • Präparate, die Propylenglycol enthalten, sollten vermieden werden. Dieser Stoff führt zur Oxidation von Dithranol und macht es dadurch unwirksam.

Was sollte man sonst noch wissen?

In kontrollierten klinischen Studien zeigten 30 bis 70% der Patienten einen mindestens 75%igen Rückgang der Hauterscheinungen (Remission) nach fünf bis acht Wochen.

In den Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft wird Dithranol als Monotherapie im ambulanten Bereich bei leichter bis mittelschwerer Psoriasis empfohlen. Die Anwendung sollte nur über vier bis acht Wochen erfolgen. Eine Langzeittherapie ist wenig praktikabel und bringt keinen Vorteil.

In der Klinik können auch Kombinationstherapien (Fototherapie und andere äußerliche Therapien) bei mittelschwerer bis schwerer Psoriasis vorgenommen werden. Hier ist auch eine „klassische“ Dithranoltherapie mit 2x täglicher Anwendung ohne sofortiges Abwaschen möglich.

Lagerung

bei 2° bis 8° C im Kühlschrank (Entnahme und Anwendung bei Raumtemperatur)

Maria Weiß, Ärztin

Verwendete Literatur: 

2 Kommentare

  1. Hallo, ich habe meinen ersten Psoriasis Schub vor kurzem mit 61 Jahren bekommen und wurde in Tübingen mit Cignolin, Puva und uvb Bestrahlung behandelt. Jetzt bin ich wieder zu hause. Für die stellen an denen die SF wieder auftaucht habe ich Dithranol bekommen und für den Rest der Flächen Daivobet und Daivonex, welche ich im Wechsel anwenden.Darf ich nach der Anwendung mit Dithranol die Behandelten Stellen mit Daivobet bzw Daivonex weiter behandeln?
    Nach welcher Zeit kann ich Pflegecreme auftragen?

    Bin auf diesem Gebiet Anfänger. Im Voraus meinen herzlichen Dank!

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