Enbrel auch in Europa bei Psoriasis arthritis zugelassen

Diese Informationen geben den Stand vom 22. Oktober 2003 wieder. Inzwischen hat sich viel getan – doch in diesem Text stecken auch einige grundlegende Informationen. Deshalb lassen wir ihn vorerst so stehen.

Das Medikament „Enbrel“ kann nun auch hierzulande zur Behandlung der Psoriasis arthritis eingesetzt werden. Das bestätigte jetzt die Vertriebsfirma Wyeth.

Die Europäische Agentur für die Beurteilung von Arzneimitteln (EMEA) hat das entschieden. Doch bevor Freudensprünge das Sprunggelenk schädigen: Es ist ein sehr, sehr starkes Medikament mit starken möglichen Nebenwirkungen. Eine Zulassung für die Behandlung der „normalen“ Psoriasis steht noch lange aus.

Der Wirkstoff in Enbrel heißt Etanercept. Gedacht ist es für Patienten, die auf Methrotexat (MTX) nicht ansprechen. Der Patient spritzt sich das Mittel zweimal in der Woche selbst unter die Haut. Jüngste Veröffentlichungen der Firma Hersteller-Firma Amgen allerdings besagen, dass es auch ausreicht, einmal wöchentlich 50 mg Enbrel zu spritzen statt zweimal in der Woche je 25 mg.

Eine Studie vor der Zulassung befand: 60 Prozent der Patienten mit Psoriasis arthritis hatten nach fünf Monaten mindestens 75 Prozent weniger Beschwerden. Fünf Monate können aber lang sein… Professor Jürgen Weiß aus Hannover vergleicht die Wirkung in etwa mit der von systemischer PUVA – also Bestrahlung mit zusätzlicher Einnahme von Medikamenten, die die Lichtempfindlichkeit steigern. (8) Patienten, die nur Enbrel gespritzt hatten, hatten oft ein gleich gutes Ergebnis wie die, die MTX plus Enbrel bekamen.

Die Nebenwirkungen

Wo viel Wirkung ist, sind Nebenwirkungen meist nicht weit: Gemeldet wurden schwere Blutbildveränderungen. Selten allerdings trat eine Blutarmut mit nachfolgender Blutvergiftung auf. Die endete für fünf Menschen jedoch mit dem Tod. (2) Die Produktinformation musste geändert werden. Nun ist dort die Gefahr von Schäden des zentralen Nervensystems aufgeführt – insbesondere Entmarkungserkrankungen, die besser bekannt sind als Multiple Sklerose, Rückenmarkentzündung oder Sehnervenentzündung. Patienten, die das traf, galten bei den begleitenden Ärzten als „multimorbide“ – also mit mehreren oft auch schwierigen Krankheiten „behaftet“.

Zu den leichteren Nebenwirkungen zählen häufigere Infektionen, besonders der oberen Atemwege.

Was kostet die Behandlung?

Professor Weiß spricht aber auch von monatlichen (!) Therapiekosten von 1.000 bis 2.000 Euro. (8) Die täglichen Behandlungskosten z.B. bei der Behandlung einer rheumatoiden Arthritis mit Enbrel sind bis zu sechsmal höher als bei auch so schon kaum verordneten Mitteln wie Arava oder Celebrex. (9)

Wie weiter – auch zur Behandlung der Psoriasis

An der Berliner Universitäts-Hautklinik Charité läuft eine Studie mit der Suche nach einer sicheren und zugleich wirksamen Dosis von Enbrel. Grund der Studie sind andere Studien. Die hatten eine deutliche Verbesserung auch der Psoriasis (also der Form ohne Gelenkbeteiligung) gezeigt. Der will man nun nachgehen.

Dem chinesischen Hamster sei Dank

„Das Dimer Etanercept wird per Genexpression aus Eierstockzell-Linen des chinesischen Hamsters hergestellt“, schreibt die Pharmazeutische Zeitung.

Quellen

  • Charité-Hautklinik
  • „Der Deutsche Dermatologe“, Heft 9/2002
  • McKinsey Health, Heft 2/2002

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*