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Peviderm: Kälberblut und Cortison

Kälberblut und Cortison: Creme wird trotz Verbots immer noch verkauft

Peviderm, eine 1994 verbotene Cortison-Creme, ist in einer Raabser Apotheke bis heute erhältlich.

VON JOSEF TOMEK

Ohne Genehmigung des Gesundheitsministeriums brachte die Firma Rheosom aus Raabs 1994 die Hautcreme "Peviderm" auf den Markt. Sie hilft gegen Schuppenflechte und Neurodermitis - und enthält Cortison. "Dies wurde damals allerdings nicht im Beipackzettel erwähnt", berichtet Alexander Jentzsch vom Gesundheitsministerium.

Nachdem die Zusammensetzung bei einer Analyse aufflog, machte das Ministerium kurzen Prozeß und verbot wegen der Nebenwirkungen von Cortison die Abgabe der nicht zugelassenen Creme. Außerdem wurde Rheosom angezeigt. Obwohl das Unternehmen bereits 1994, nach Auffliegen des Skandals, versprach, die Zulassung von "Peviderm" zu beantragen, ist dies bis heute nicht geschehen. Trotz Verbotes wird die Creme noch immer in der Landschafts-Apotheke in Raabs abgegeben.

Sie gehört Ernst Baurek, der auch an der Firma Rheosom beteiligt ist.

"Das Mittel kann sogar telefonisch bestellt werden", berichtet Alexander Jenztsch. "Jetzt ist zwar das Cortison im Beipacktext angeführt. dem außerdem noch zu entnehmen ist, daß die Creme nun auch noch Kälberblutextrakt enthält. Ein Wahnsinn in Zeiten von BSE." Das Ministerium habe deshalb den Besitzer der Landschafts-Apotheke neuerlich wegen des Vertriebs eines nicht zugelassenen Arzneimittels bei Gericht angezeigt.

Apotheker Ernst Baurek versteht die Aufregung im Ministerium nicht: "Wir handeln rechtlich korrekt und verkaufen nur mehr Restbestände ab." Diese werden außerdem nur auf Rezept abgegeben. Telephonische Bestellungen werden nicht entgegengenommen. Baurek: "Ich will den Leuten, die unter Schuppenflechte und Neurodermitis leiden doch nur helfen."

Da Baurek mit der Behörde in Wien nichts mehr zu tun haben möchte, wird der Apotheker jetzt im Ausland um die Zulassung der umstrittenen Creme ansuchen. "In Österreich habe ich keine Chance, solange Jentzsch in jenem Ministerium etwas zu sagen hat, wo es einen Ministerialrat gab, der am Karlsplatz mit Unmengen von Rohypnol gedealt hat."

Um das Ministerium auszutricksen, wird Baurek "Peviderm" in Zukunft nur noch nach magistraler Verschreibung durch den Arzt abgeben. Das heißt, daß die Mediziner auf dem Rezept die Bestandteile der Creme angeben müssen, die dann in der Apotheke zusammengemischt werden. Gegen diese Abgabemöglichkeit sind die Beamten in Wien machtlos. "Wenn die Salbe wirklich immer neu nach Vorlage eines Rezeptes produziert wird, sind uns die Hände gebunden", klagt Wolfgang Michtner, der zuständige Jurist des Gesundheitsministeriums.

Quelle: Die Presse (Österreich), 07.10.1996

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Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 02. Juni 2007 um 07:54 Uhr