Rheuma-Medikament RoActemra könnte Psoriasis auslösen oder verschlimmern

RoActemra

Der Wirkstoff Tocilizumab wird bei Rheumatoider Arthritis eingesetzt. Manchmal wird er auch bei einigen Formen der juvenilen Arthritis – also bei Kindern und Jugendlichen – angewandt. Nun haben Ärzte mehrere Fälle registriert, in denen das Medikament RoActemra® mit diesem Wirkstoff eine Psoriasis überhaupt erst ausgelöst oder verschlimmert hat. Ob das eine mit dem anderen wirklich zusammenhängt, ist nicht geklärt – aber laut der  Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft möglich.

Tocilizumab setzt beim Interleukin-6 (IL-6) an. Das Interleukin fördert Entzündungen und wird von dem Wirkstoff gehemmt. In den letzten Monaten und Jahren sind in der Europäischen Datenbank für Verdachtsfälle von Nebenwirkungen zwölf Fälle aufgetaucht, in denen Ärzte den Verdacht äußerten, dass RoActemra® eine Psoriasis zum Ausbruch gebracht oder verschlimmert hat. Dazu kommen vier Fallberichte, über die in Fachzeitschriften berichtet wurde. Bei der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft selbst landete ebenfalls ein Verdachtsfall. Bei Letzterem wurde die Psoriasis mit einer Salben-Behandlung besser. In einem anderen Fall besserte sich die Hauterkrankung, als RoActemra® abgesetzt wurde. Bei einem anderen Fall wurde das Medikament zunächst abgesetzt, dann aber wieder angewendet. Prompt flackerte die Psoriasis wieder auf.

In einigen Fällen war die Schuppenflechte in Form einer Psoriasis guttata aufgetreten. Das könne auch ein Reiz-Effekt wie beim Köbner-Phänomen sein – genauer: ein Arzneimittelexanthem. Das wiederum sei als häufige Nebenwirkung von RoActemra® durchaus im Beipackzettel aufgeführt.

Die Experten sind zudem verwundert, weil das Interleukin-6 bislang für die Entstehung einer Psoriasis mitverantwortlich gemacht wird. Also müsste seine Hemmung eigentlich eine Psoriasis lindern. Andererseits gäbe es auch für TNF-alpha-Blocker Hinweise, dass sie in einigen Fällen eine Psoriasis auslösen oder verschlimmern können, obwohl es einen klaren Nachweis gebe, dass sie in der Behandlung der Schuppenflechte wirksam sind.

In Deutschland läuft (mindestens) eine Studie für die Anwendung eines Interleukin-6-Hemmers bei Psoriasis arthritis.

„Ob die Behandlung mit Tocilizumab bei Auftreten oder Verschlechterung einer Psoriasis fortgeführt werden kann, muss jeweils im Einzelfall entschieden werden“, lautet das Fazit der Experten der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft. Weitere derartige Fälle  sollten beispielsweise auf der Internetseite der AkdÄ gemeldet werden.

 

Quelle: Bekanntgabe der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft im Deutschen Ärzteblatt vom 04.04.12014

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  • roactemra-tocilizumab: Africa Studio - Fotolia.com
Über Claudia Liebram 279 Artikel
Claudia Liebram ist Berlinerin mit Leib und Seele. Dort arbeitet sie als Redakteurin. Ihre Psoriasis begann, als sie 3 Jahre alt war – viel Erfahrung also, die sie weitergeben kann.

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