Neues Therapiekonzept gegen Psoriasis

Nicht völlig heilbar, aber behandelbar – die Schuppenflechte. Seit kurzem existiert ein neues Therapiekonzept auf der Basis einer neuen Gruppe von Abkömmlingen der Vitamin-A-Säure.

VON GERTA NIEBAUER

Mehr als 200.000 Menschen in Österreich leiden Schätzungen zufolge an der Schuppenflechte. Ihr Leben ist nicht leicht. Denn obwohl die Krankheit nicht ansteckend ist, werden Psoriasis-Kranke etwa im Bad oder beim Sport zumindest mißtrauisch betrachtet, wenn nicht gemieden. Da die Schuppenflechte aber auch häufig am Kopf oder an den Händen auftritt, kann es sogar zu einer sozialen Ausgrenzung und zu beruflichen Nachteilen kommen.

Die Rolle der Gene

Man geht davon aus, daß es sich bei der Psoriasis um eine Autoimmun-Krankheit handelt. Die genauen Ursachen sind zwar noch nicht restlos geklärt, jedoch weiß man heute, daß genetische Faktoren und Umwelteinflüsse eine wesentliche Rolle spielen. Ist ein Elternteil von dem Leiden betroffen, so liegt die Wahrscheinlichkeit der Vererbung bei acht bis zehn Prozent, sind beide Elternteile erkrankt, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit auf 40 bis 50 Prozent.

Als Provokation für den Ausbruch der Psoriasis wirken Traumen, wie etwa Verletzungen. Schon 1872 wurde diese Reaktion nach einem Pferdebiß beschrieben und nach ihrem ersten Beobachter „Köbner-Reaktion“ genannt. Auch nach zu starker Sonneneinwirkung kann es zu einer solchen Köbner-Reaktion kommen.

Aber auch Infektionen können zum Ausbruch der Krankheit führen. Keinen Einfluß hat hingegen die Ernährung, weshalb auch mit Diäten kein Heilungserfolg erzielt werden kann. Derzeit existiert noch keine kausale Therapie, man kann lediglich die Symptome behandeln. „Die Psoriasis ist behandelbar, sie ist aber nicht völlig heilbar, es kann immer wieder zu Rückfällen kommen“, betont Univ.-Prof. Dr. Herbert Hönigsmann von der Wiener Universitäts-Hautklinik, Abteilung für spezielle Dermatologie und Umweltdermatosen. „Das Behandlungsziel ist nicht unbedingt die völlige Erscheinungsfreiheit, sondern einen Hautzustand zu erreichen, der für die Patienten und ihre Umwelt möglichst akzeptabel ist.“

In letzter Zeit hat es wesentliche Fortschritte in der Behandlung gegeben. Ein neues Therapiekonzept, das verschiedene Kombinationen auch bisher eingesetzter Methoden ermöglicht, beruht auf einem Gel mit dem Wirkstoff Tazaroten. Dieser zählt zu einer neuen Gruppe von Retinoiden, Abkömmlingen der Vitamin-A-Säure.

Retinoide wurden schon bisher zur Behandlung von Schuppenflechte und anderen Hautkrankheiten eingesetzt. Allerdings geschah dies auf oraler Basis – und da waren unangenehme toxische Wirkungen nicht auszuschließen. Die neue Generation der Retinoide – und dazu gehört eben Tazaroten – wird lokal angewandt. Höhere Wirksamkeit „Darin“, erwähnt Hönigsmann, „liegt der große Vorteil. Die Nebenwirkungen beschränken sich auf milde Hautirritationen, die allerdings bei einer korrekten Anwendung, also einmal täglich abends, vermeidbar sind.“ Tazaroten eigne sich gut für eine Kombinationstherapie mit Kortikosteroiden, mit Phototherapie und Photochemotherapie (PUVA). Die Wirksamkeit werde erhöht, der Erfolg halte länger an.

Tazaroten beeinflußt wichtige pathogenetische Faktoren der Psoriasis, wie die Mechanismen der Schuppenbildung und der Entzündungssignale. So lassen sich bereits bewährte Therapien mit der neuen Substanz noch verbessern.

Quelle: Die Presse (Österreich), 04.08.1999

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