Wirkstoff: Calcipotriol (Daivonex®, Psorcutan® oder Generika wie z.B. Calcipotriol Sandoz® 0,05 mg/g Salbe; Calcipotriol HEXAL® 0,05 mg/g Salbe etc.)
Dieses Medikament ist verschreibungspflichtig.
Allgemeine Informationen
Calcipotriol ist als Creme, Salbe oder Lösung zur äußerlichen Anwendung erhältlich. Der Wirkstoff in allen Formen ist Calcipotriol – eine Substanz, die in Aufbau und Wirkung der bioaktiven Form von Vitamin D (Cholecalciferol bzw. 1,25-Dihydroxy-Vitamin D3) entspricht. Jeweils 1g Creme oder Salbe enthalten 50 μg (entsprechend 0,05 mg) Calcipotriol.
Bei welcher Erkrankung wird das Medikament angewandt?
Calcipotriol-haltige Salbe oder Creme kann äußerlich bei leichter bis mittelschwerer chronischer plaqueförmiger Psoriasis vulgaris angewandt werden. Hier gelten die Vitamin-D3-Abkömmmlinge in der Lokaltherapie als Mittel der ersten Wahl.
Wirkmechanismus
Viele Psoriasis-Patienten machen die Erfahrung, dass die Einwirkung von Sonnenlicht die Hauterscheinungen abmildert. Dies ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass unter dem Einfluss von UV-Licht, vermehrt Vitamin D in der Haut gebildet wird. Diesen Effekt versucht man mit der lokalen Anwendung von Vitamin-D-Abkömmlingen nachzuahmen.
Die gesunde Haut erneuert sich ständig, indem Hornschicht-bildende Zellen (Keratinozyten) durch die Hautschichten an die Oberfläche gelangen und in rund 28 Tagen zu Hornzellen werden. Diese abgestorbenen Hornzellen fallen dann durch Waschen oder Reiben an der Kleidung ab. Bei Psoriasis teilen sich die Keratozyten vermehrt und die Zeit bis zur Umwandlung in eine (unvollständige) Hornzelle ist auf 3-5 Tage verkürzt. Beide Mechanismen führen zu einer vermehrten Schuppenbildung.
Durch Calcipotriol wird die übermäßige Teilung der Keratozyten in der Haut ausgebremst und die Ausreifung und Differenzierung dieser Zellen gefördert. Dadurch wird den abnormen Veränderungen der Keratozyten bei Psoriasis entgegen gewirkt. Zusätzlich ist ein positiver Einfluss auf Zellen des Immunsystems gezeigt worden.
Weiniger als 1% des Wirkstoffs Calcipotriol gelangt bei äußerlicher Anwendung in den Körperkreislauf. Hier wirkt es wie Vitamin D, d.h. unter anderem wird die Aufnahme von Kalzium gesteigert aus dem Darm gesteigert und der Kalziumspiegel im Blut kann ansteigen..
Wie wird die Therapie angewandt?
Die Salbe sollte ein- bis zweimal täglich dünn auf betroffenen Hautpartien aufgetragen werden. In den ersten zwei Wochen wird meist die zweimal tägliche Anwendung empfohlen, dann kann auf einmal täglich reduziert werden.
Um sicher zu stellen, dass nicht zuviel Vitamin D. in den Blutkreislauf gelangt und hier möglicherweise zu Störungen des Kalziumstoffwechsels führen, gelten bei Erwachsenen folgende Beschränkungen:
- Die behandelten Hautbezirke sollte insgesamt nicht mehr als 30% der Gesamthautfläche ausmachen. Das entspricht in etwa einem Arm oder einem Bein.
- Die täglich verbrauchte Menge Salbe sollte 15g und wöchentlich 100g nicht überschreiten.
- Die Behandlungsdauer sollte grundsätzlich ein Jahr nicht überschreiten.
Anwendung bei Kindern und Jugendlichen
Die Salbe darf auch bei Kindern ab dem 6. Lebensjahr eingesetzt werden. Dabei gelten folgende Beschränkungen:
- Zwischen 6 und 12 Jahren dürfen höchstens 50 g/Woche (bei einem Mindestgewicht von 35 kg) verbraucht werden.
- Ab 12 Jahren (und einem Mindestgewicht von 50 kg) sollte eine Menge von 75 g/Woche nicht überschritten werden.
- Bei Kindern mit geringerem Körpergewicht sollten maximal 1,4 g Salbe pro Kilogramm Körpergewicht angewandt werden.
- Die Dauer der Anwendung bei Kindern und Jugendlichen ist auf acht Wochen beschränkt.
Wann (und wo) darf das Medikament nicht angewandt werden?
- bei bekannter Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der Hilfsstoffe der Salbe bzw. Creme.
- auf größeren Hautflächen (mehr als 30% der Gesamthautfläche)
- Bei Psoriasis punctata oder Psoriasis pustulosa
- Bei schweren Nieren- und Lebererkrankungen (aufgrund von fehlenden Erfahrungen)
- Im Gesicht
- bei bekannten Störungen des Kalziumstoffwechsels
- bei Kindern unter 6 Jahren (aufgrund von fehlenden Erfahrungen)
Worauf müssen Arzt und Betroffener besonders achten?
Um zu vermeiden, dass Reste der Salbe versehentlich auf die Gesichthaut oder auf nicht erkrankte Haut gelangen, sollte Sie sich nach jeder Anwendung gründlich die Hände waschen.
Bei bestimmungsgemäßer Anwendung und Beachtung der Höchstmengen ist das Risiko einer übermäßigen Vitamin-D-Wirkung sehr gering. Wird die Salbe aber in sehr hohen Dosierungen über einen längeren Zeitraum angewandt, lässt sich ein übermäßiger Anstieg der Kalziumspiegel mit dem Risiko von Verkalkungen in den Nieren nicht sicher ausschließen. Deshalb sollte Ihr Arzt vor der Therapie und in regelmäßigen Abständen die Serumkalziumspiegel kontrollieren. Ist der Serumkalziumspiegel erhöht, muss die Therapie abgebrochen und der Spiegel bis zur Normalisierung wöchentlich kontrolliert werden. In der Regel normalisieren sich die Kalziumspiegel nach dem Absetzen rasch wieder.
Bei Anwendung der Salbe im Genital- und Analbereich ist zu beachten, dass die enthaltenen Hilfsstoffe Parrafin und Vaseline zu einer Verminderung der Reißfestigkeit von Latex-haltigen Kondomen führen können. Die Sicherheit der Kondome kann dadurch beeinträchtigt sein.
Da Vitamin D auch in der Haut durch UV-Strahlung entsteht, sollte unter der Behandlung eine übermäßige natürliche oder künstliche Sonneneinstrahlung vermieden werden. Eine Kombination von Calcipotriol und therapeutischer UV-Bestrahlung ist in Einzelfällen möglich – Nutzen und Risiken müssen dann aber sorgfältig abgewogen werden.
Kann das Medikament in Schwangerschaft und Stillzeit angewandt werden?
Beim Menschen liegen nicht genug Erfahrungen bei Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit vor. In Tierversuchen hat sich keine schädigende Wirkung gezeigt. Trotzdem sollte das Präparat bei Schwangeren und stillenden Müttern nur nach sorgfältiger Abwägung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses angewandt werden.
Welche Nebenwirkungen können auftreten?
Die meisten Nebenwirkungen betreffen Hautreaktionen am Ort der Anwendung. Meist sind diese Reaktion vorübergehender Natur und kein Grund, das Präparat abzusetzen.
Häufig (bei mehr als einem von 100 Behandelten aber weniger als bei einem von 10)
- Juckreiz , Brennen, Stechen
- Hauttrockenheit, Hautrötung (Erythem)
- Hautirritationen, Ausschlag (einschließlich Schuppung, Papeln, Pusteln)
Gelegentlich (bei mehr als einem von 1000 Behandelten aber weniger als bei einem von 100)
- Ekzeme
- Kontaktdermatitis
- Verschlechterung der Psoriasis
Sehr selten (bei weniger als einem von 10.000 Behandelten)
- vorübergehende Pigmentierungsstörung (Weiß- oder Dunkelfärbung der Haut)
- vorübergehende Photosensibilität (Hauterscheinungen bei Sonneneinwirkung)
- Überempfindlichkeitsreaktionen - einschließlich Nesselsucht, Gesichtsödem, Schwellung im Augenbereich (Periorbitalödem), Quinckeödem
- Dermatitis im Gesicht und rund um den Mund (perioral)
- Erhöhte Kalziumspiegel im Blut (Hyperkalzämie) oder erhöhte Kalziumausscheidung über die Nieren (Hyperkalziurie)
Mit welchen anderen Medikamenten oder Wirkstoffen gibt es Wechselwirkungen?
Durch die gleichzeitige Anwendung von Calcipotriol-Salbe kann die Wirksamkeit von Ciclosporin oder Acitretin erhöht werden. In diesen Fällen kann der Arzt die Dosis dieser Medikamente reduzieren.
Wird gleichzeitig mit Vitamin-D-Tabletten und/oder Kalzium behandelt, sollte regelmäßig der Kalziumspiegel kontrolliert werden.
Calcipotriol-Salbe darf nicht mit Salicylsäure-haltigen Zubereitungen gemischt werden, da die Salicylsäure das Calcipotriol inaktiviert und damit unwirksam macht. Da Salizylsäure nach der Anwendung einige Stunden auf der Hautoberfläche verbleibt, nutzt auch eine zeitlich versetzte Anwendung beider Präparate nichts.
Ansonsten sind keine Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten bekannt. Eine Kombination mit Kortisonhaltigen Zubereitungen ist problemlos möglich. Es stehen auch fixe Kombinationen von Calcipotriol und dem Kortison Betamethason (z.B. Daivobet® , Psorcutan®Beta) zur Verfügung, was die Anwendung erleichtert. Diese Kombination wird vor allem zur Initialbehandlung einer neu aufgetretenen Psoriasis für einen Zeitraum von bis zu vier Wochen empfohlen.
Was sollte man sonst noch wissen?
Ein therapeutischer Effekt wird meist nach ein bis zwei Wochen sichtbar. In der Regel wird die Behandlung bis zum Abklingen der Hauterscheinungen fortgesetzt – eine Dauer von einem Jahr sollte aber nicht überschritten werden. Bei 30 bis 50% der Patienten kommt es innerhalb von vier bis sechs Wochen zu einer deutlichen Besserung bzw. vollständigen Abheilung der Hauterscheinungen.
Wie bei jeder Salbe/Creme ist die Haltbarkeit nach Anbruch der Tube beschränkt und beträgt nur noch sechs Monate. Das aufgedruckte Haltbarkeitsdatum gilt nur für die unangebrochene Tube.
Lagerung: nicht über 25°
Maria Weiß, Ärztin
Verwendete Literatur:
- Fachinformation Daivonex® 50 μg/g Salbe
- Leitlinie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft „Therapie der Psoriasis vulgaris“ (ICD-10, Ziffer L40.0); AWMF-Leitlinien-Register Nr.013/001








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