Neue Chancen für die Therapie der Psoriasis

Erika Bohl

Im Rahmen des 5th Congress of the European Academy of Dermatology & Venerology, der im Oktober 1996 in Lissabon stattfand, ist ein Seminar zum Problemkreis der Psoriasis veranstaltet worden.

„Neue Chancen für die Haut“ (so das Seminar-Thema) boten sich für Psoriatiker bereits nach Einführung einer neuen Calcipotriol-Salbe. Nun wurde eine neue galenische Form, eine Calcipotriol-Creme, in die Therapie eingeführt, mit der die Psoriasis zum Beispiel auch im Problembereich des Kopfes behandelt und signifikant gebessert werden kann. Durch die neue Galenik ist auch eine Anwendung am Tage möglich, da die Creme im Gegensatz zu bisher erhältlichen Vitamin-D-Präparaten auf Salbengrundlage geschmeidiger ist und sich dünner auftragen lässt.

Therapieergebnisse

„Es gibt heute keine Psoriasisform mehr, die nicht mit Calcipotriol behandelbar wäre“ unterstrich Ulrike Primbas und berichtete über die guten Ergebnisse mit der bereits zugelassenen Calcipotriol-Salbe. Die Therapieergebnisse wurden bisher in 840 Studien dokumentiert und zeigen, dass Calcipotriol-Salbe gut verträglich ist. Von November 1993 bis Juni 1994 führten niedergelassene Dermatologen an 1664 Patienten mit Psoriasis eine Anwendungsbeobachtung durch. Bei nur 78 Patienten = 4,7% kam es zu lokalen Irritationen, Prickeln, Brennen, Schmerzen. Die Wirksamkeit der Calcipotriol-Salbe war sehr gut: Bei 61% kam es zu einer völligen Abheilung, obwohl die Therapie ohne eine sonst häufig durchgeführte Vorbehandlung mit Salicylsäure durchgeführt wurde.

Wichtig ist, dass die Anwendung 2 x täglich erfolgt. Dabei sollte die Calcipotriolmenge 15 g/Tag bzw. nicht mehr als 100g/Woche betragen, um einen Anstieg des Serum-Calcium-Spiegels zu vermeiden.

Da Vitamin-D3-Analoga die Synthese ihrer Rezeptoren durch die Höhe der Dosierung beeinflussen, ist eine initial hohe Dosierung erforderlich, um möglichst viele Rezeptoren zu produzieren. Dennoch gibt es auch unter Beachtung dieser Kautelen low responder.

Interessant ist ferner die Beobachtung, dass es unter längerer Therapiedauer infolge einer Gewöhnung zu einer Abnahme der Hautirritationen kommt, wie eine Studie an 203 Patienten zeigte, die über einen Zeitraum von einem Jahr behandelt wurden.

Nagel-Psoriasis

Bei etwa 30-50% aller Psoriatiker sind auch die Nägel mitbetroffen. Kokely et al. behandelten 5 betroffene Männer und 2 Frauen, die die typischen Tüpfelnägel mit „Ölflecken“ und Paronychie aufwiesen. Die befallenen Nägel wurden fünf Wochen mit Calcipotriol Salbe behandelt. (rechts). drei Monate lang 2 x/die mit Calcipotriol-Creme. Bei 6 Patienten kam es zur Besserung, ein Patient brach die Therapie ab und bei einem Patienten kam es nach einer von ihm fortgesetzten Therapie nach 3 Monaten zu fast vollständiger Abheilung.

Weitere Indikationen

Kontrollierte Studienberichte liegen vor über verschiedene Formen der Ichthyosis. Publizierte Fallberichte wurden veröffentlicht über Intertriginöse Psoriasis, Psoriasis palmaris et plantaris, Nagelpsoriasis, Porokeratosis disseminata, Pityriasis rubra pilaris und Morbus Reiter.

Intertriginöse Psoriasis

Über einen Zeitraum von 6 Wochen wurden 12 Patienten (8 männliche, 4 weibliche) im Alter zwischen 30 und 80 Jahren 2x/die mit Calcipotriol-Salbe behandelt. Die erkrankten Bereiche wurden sechs Wochen mit Calcipotriol Salbe behandelt (rechts). Nach 3 und auch noch nach 6 Wochen kam es zur Besserung; d. h.: bevor von Non-Respondern gesprochen wird, sollte mindestens 6 Wochen behandelt werden.

Psoriasis bei Kindern

In Grossbritannien wurden 66 Kinder mit Psoriasis vulgaris im Alter zwischen 3 und 14 Jahren über einen Zeitraum von 8 Wochen 2 x/die mit Calcipotriol-Salbe behandelt. Die Laborparameter veränderten sich nicht signifikant: Der Serumcalciumspiegel stieg nicht an. Die leichte Erhöhung der alkalischen Phosphatase ist nur bedingt aussagekräftig, da eine Erhöhung der alkalischen Phosphatase bei Kindern bis zum 3 1/2fachen des Normwertes physiologisch sein kann.

Calcipotriol-Creme bei Psoriasis in Problemzonen

Die Behandlung der Psoriasis in Problemzonen wie Gesicht, behaarter Kopf und Intertrigines (Leisten- und Achselhöhlenregion, Unterseite der Mammae) bedeutet eine therapeutische Herausforderung, da die bisher zur Therapie bekannten Medikamente von den Patienten nicht immer gern eingesetzt wurden (z. B. verkleben Fettsalben die Haare). Darum wurden Wirkung und Nebenwirkung von Calcipotriol-Creme bei Psoriasis in diesen Regionen untersucht.

Wegen der nur geringen Fallzahl verzichtete PD Dr. med. Lutz Kowalzick, Vogtland-Klinikum Plauen, auf die sonst übliche Bezeichnung „Klinische Studie“ und bezeichnete seine Therapie an 5 Patienten mit Psoriasis in Problemlokalisationen bescheiden als „Heilversuch“.

Die fünf behandelten Psoriatiker waren zwischen 37 und 91 Jahre alt und wurden 2 x täglich mit 60 mg/g Calcipotriol-Creme behandelt. Die Ansprechbarkeit lag zwischen 2 und 6 Wochen. Bei vier Patienten kam es zu einem deutlichen Rückgang von Erythem und Schuppenbildung ohne Hautreizungen. Ein Patient reagierte im Bereich der Kopfhaut ohne irritative Reizungen, diese traten jedoch im Inguinal-Analbereich auf. Der Referent postulierte eine Mykosediagnostik, wenn es nach anfänglich guter Besserung zu einer Erythemzunahme kommt, da eine Kombination Psoriasis/Mykose nicht selten ist.

Calcipotriol-Creme bei seborrhoischem Ekzem

Wegen der histopathologischen Gemeinsamkeiten von Psoriasis und seborrhoischem Ekzem (von Prof. Nasemann darum als „Seborrhiasis“ bezeichnet), wurden in dem „Plauener Heilversuch“ auch 5 Patienten mit seborrhoischem Ekzem miteinbezogen. Befallen waren 4 mal die Augenbrauen, 3 mal der Schläfenbereich, 2 mal die Nasolabialfalten und 2 mal die behaarte Brust. Das Alter der Patienten lag zwischen 46 und 84 Jahren. Die Behandlungsdauer betrug 3-15 Tage. Auffallend war das schnelle Ansprechen der Therapie: So waren zwei Patienten bereits nach einer Woche erscheinungsfrei. Bei drei Patienten kam es jedoch zur Verstärkung und Ausdehnung des Erythems mit subjektivem Gefühl von Juckreiz und Brennen.

Nach Abklingen der Beschwerden wurde die Therapie abgesetzt. Ob ein Reboundeffekt oder Rezidiv auftrat, konnte während des kurzen Nach-Beobachtungszeitraums nicht entschieden werden; diese Fragen müssen also noch abgeklärt werden.

Sowohl für die o. g. 5 Psoriatiker als auch für die 5 Seborrhoiker gilt: Systemische Nebenwirkungen (Hier: Erhöhung des Serumcalciumspiegels) wurden während der Therapie nicht beobachtet.

Therapie bei Psoriasis des Kopfes

Während in der Literatur der psoriatische Befall des Kopfes mit 30-40% angegeben wird, lag die Zahl der Erkrankungen nach Beobachtungen von Dr. med. Markward Ständer, in der Dermatologischen Fachklinik Bad Bentheim, bei ca. 90 Prozent (bei einer Klientel von 70.000 Patienten mit Psoriasis).

Die Kopfpsoriasis stellt für die Betroffenen ein grosses Problem dar, da sie sehr rezidivfreudig ist und der Patient unter den ständig vom Kopf rieselnden Schuppen leidet. Darüberhinaus besteht nicht selten ein starker Juckreiz. Die Psoriasis befällt i. a. nur den behaarten Kopf, kann sich aber auch bis in den Stirnbereich ausdehen. Mit zunehmender Glatzenbildung „folgt“ sie den noch vorhandenen Haaren. Die befallenen Bereiche wurden sechs Wochen mit Calcipotriol Creme behandelt (unten), Ständer berichtete über gute Erfolge bei der Behandlung der Kopfpsoriasis mit der Creme (sie enthält 0,005% Calcipotriol).

Die Therapie erfolgte morgens und abends nach der Kopfwäsche. Zur Erfolgssteigerung trug das Anlegen einer Plastik-Einmalduschhaube bei, die am Abend nach dem Auftragen der Creme aufgesetzt wurde. Am Tage erfolgte nach dem Auftragen der Creme keine Abdeckung der Haare. Diese Okklusivbehandlung erfolgt im allgemeinen vier Tage hintereinander, vereinzelt kam es zu leichter Hautirritation, die jedoch nicht zum Absetzen der Therapie führte.

Ebenfalls eine Verbesserung des Therapieerfolges konnte durch UV-Bestrahlung der Kopfhaut mit einem Lichtkamm erzielt werden. Wichtig ist jedoch, dass Calcipotriol-Creme nach der Bestrahlung aufgetragen wird. Erfolgt erst die Auftragung der Creme und dann die Bestrahlung, entstehen inaktive Metaboliten. Der Behandlungszeitraum dieser Therapie beträgt 3-4 Wochen.

Da Kopfpsoriasis jedoch sehr rezidivfreudig ist, hat sich Calcipotriol besonders zur Nachbehandlung bewährt, da es sich zeigte, dass bei einer schweren Psoriasis das Rezidiv deutlich hinausgeschoben werden konnte.

Vorteile der Calcipotriol-Creme

Sie ist ambulant gut anwendbar, gut auswaschbar aus den Haaren, fettet nicht, ist geruchsneutral, macht kaum Hautirritationen, ist weder teratogen, noch mutagen, verursacht weder Allergien noch Hautatrophien, verzögert ein Rezidiv und ist nebenwirkungsarm. Eine Beeinflussung des Kalziumstoffwechsels erfolgt nicht.

Auch Prof. Dr. Rudolf Stadler, Hautklinik Minden, unterstrich die gute Wirksamkeit der Calcipotriol-Creme bei Psoriasis capitis: An der Hautklinik Minden wurden 10 Patienten mit Kopfhautpsoriasis mit Calcipotriolcreme behandelt. Am Morgen wurde die Creme mit reinem Detergens ausgewaschen und die Creme erneut auf die noch nasse Kopfhaut aufgetragen. Die Therapiedauer betrug 6 Wochen. Bereits nach einer dreiwöchigen Behandlung kam es zu einer deutlichen Rückbildung der psoriatischen Plaques, dann zur Abblassung der Rötung im behaarten Kopfbereich.

Stadler wies darauf hin, dass eine Therapie mit Calcipotriolcreme auch im Kindesalter möglich ist, wenn die Körperoberflächenregel eingehalten wird, d. h. Calcipotriol-Creme darf nicht generalisiert eingesetzt werden, da die Folge eine Hypercalcämie wäre.

Beim Auftragen der Creme ist es nicht erforderlich, Handschuhe zu tragen, wenn nach der Applikation eine gründliche Handreinigung erfolgt.

Der Hoffnung auf Einführung einer Calcipotriol-Lösung für die Therapie der Kopfhautpsoriasis steht Stadler skeptisch gegenüber, da Lösungen zu einer Austrocknung der Haut führen können.

Quelle: hautnah dermatologie 2/1997

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