Teebaum-Öl: „Wundermittel“ mit einigen Tücken

Teebaumöl wird in der Alternativmedizin für die Behandlung unterschiedlichster Beschwerden von Akne bis Krampfadern angepriesen. Doch immer häufiger seien Kontakt-Sensibilisierungen zu verzeichnen, warnt Professor Björn M. Hausen

Teebaumöl wird in der Alternativmedizin für die Behandlung unterschiedlichster Beschwerden von Akne bis Krampfadern angepriesen. Doch immer häufiger seien Kontakt-Sensibilisierungen zu verzeichnen, warnt Professor Björn M. Hausen, Buxtehude, in der neuesten Ausgabe von ÄP-Dermatologie.

Teebaumöl boomt in Deutschland: Seit 1985 ist die Produktion von 10 auf über 200 Tonnen pro Jahr gestiegen. Naturheilkundler setzen das Öl bei den unterschiedlichsten Indikationen ein – gegen Entzündungen, Akne, Psoriasis, Mykosen, Herpes, Warzen, Muskelschmerzen, Neurodermitis, offene Wunden, Verbrennungen, Frostbeulen, Raucherhusten oder Rheuma soll es ebenso helfen wie bei Mundgeruch, Schuppen und Krampfadern.

Doch seit Beginn der 90er Jahre wird immer häufiger über allergische Reaktionen vom Spättyp berichtet. Da das Öl weder in Kliniken noch in Praxen routinemäßig getestet wird, ist das tatsächliche Ausmaß der sich zumeist langsam entwickelnden Sensibilisierungen noch nicht abschätzbar. Kommt’s bereits nach kurzem Anwenden geringer Mengen zu einer Kontaktallergie, liegt diesem Phänomen häufig eine Sensibilisierung, eventuell auch eine Kreuzreaktion zugrunde.

Anfänglich wird Teebaumöl meist gut vertragen, denn frisch destilliertes Öl, wie es in der Flasche zum Verkauf angeboten wird, wirkt nur sehr schwach sensibilisierend. Doch sobald das Öl Wärme und Sauerstoff ausgesetzt wird, kommt es zu Oxidations-Prozessen, die allergische Reaktionen fördern: Lässt man 20 ml Teebaumöl einige Tage im geschlossenen Ein-Liter-Gefäß bei Zimmertemperatur im Tageslicht stehen, führt das ebenso zu einem bemerkenswerten Ansteigen der Peroxid-Konzentration wie das häufige Öffnen und Schließen von Standard-Verpackungen (20 ml). Schließlich verfärbt sich das Öl grünlich-bräunlich, wird zähflüssig und beginnt, terpentinartig zu riechen.

Die deutsche Kontaktallergie-Gruppe hat jetzt eine Studie an zehn Kliniken mit je 200 Patienten gestartet. Zentrale Frage: Welche Substanzen des Teebaumöls induzieren am häufigsten eine Sensibilisierung? Bei den bisher untersuchten Probanden ließen sich Terpinolen, Alpha-Terpinen, Ascardiol und 1,2,4-Trihydroxymenthan als wichtigste Kontakt-Allergene identifizieren. ME

Tipp zur Anwendung

  • Abgestandenes Öl ist in jedem Fall tabu.
  • Abgestandenes Teebaumöl zu verwenden, ist keinesfalls ratsam.
  • Fragen Sie Patienten, die an einer Kontaktallergie des Gesichtes, der Hände und Unterarme oder anderer Körperregionen laborieren, ob sie Teebaumöl anwenden!
  • Diagnostik nicht mit frischem Teebaumöl durchführen! Für die Epikutan-Testung etwa 20 ml des Öls in einem geschlossenen, klaren Ein-Liter-Gefäß über zehn Tage am Tageslicht natürlicher Oxidation unterziehen und es dann auf fünf Prozent verdünnen.

zuerst erschienen in „Ärztliche Praxis Dermatologie“ am 01. Oktober 1999

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