Verbraucher-Zentrale kritisiert Werbung und Vertrieb von Aloe vera

Menschen, die etwas für ihre Gesundheit tun wollen, stoßen früher oder später auf ein Produkt mit Aloe vera. Was so furchtbar einfach und gesund klingt, kann gleich mehrere Haken haben.

Verkauft werden

  • das „reine“ Gel
  • Kosmetika (z.B. Körpermilch, Cremes, Duschgel)
  • Nahrungsergänzungsmittel (z.B. Spezialsäfte, Nektar, Konzentrate)

In allen sind nur bestimmte Anteile von Aloe Vera enthalten. Die Preise aber sind vergleichsweise deutlich überhöht.

Moses, Jesus, Marco Polo, Cleopatra, Alexander der Große, Mahatma Gandhi und andere Berühmte müssen als Beispiele für die „außerordentlichen Heilkräfte“ herhalten. Beweise gibt es dafür natürlich nicht. Überzeugt das noch nicht, dann führt der Verkäufer oft sich selbst als Kronzeugen an, der durch die Wüstenpflanze lästige Beschwerden erfolgreich bekämpfen konnte.

Für die Verbraucher-Zentrale Thüringen gibt es gleich ein ganzes Bündel von ungeklärten Fragen und Risiken:

Bei Marktbeobachtungen der Verbraucherschützer wurde festgestellt, dass vielfach mit angeblich gesundheitsfördernden oder sogar heilenden Wirkungen der Pflanze Aloe Vera geworben wird. Käufer gewinnen damit leicht den Eindruck, dass es sich um eine Art Arzneimittel handelt. Die Unterschiede zwischen Arzneimitteln, Kosmetika und Lebensmitteln werden bewusst verwischt. Eine Zulassung als Arzneimittel für die Produkte existiert in Deutschland nicht.

Die sorgfältige Herstellung und Lagerung der Aloe Vera-Produkte ist nicht immer gewährleistet. Die Apothekerkammer Thüringen weist darauf hin, dass auf keinen Fall bei der Bearbeitung der Blattrinde ungewollt Aloe-Pflanzensaft in die Produkte gelangen darf, weil dessen Bestandteile (z.B. Anthrachinone) abführend wirken und weitere unerwünschte Nebenwirkungen haben. Die Trennung von Aloe-Gel zur Weiterverarbeitung und unerwünschtem Pflanzensaft ist nicht ganz einfach. Bei Untersuchungen wurden aber Anthrachinone mitunter auch im Gel gefunden, was auf eine unsaubere Trennung hindeutet.

Eine wirksame Überwachung und unabhängige Qualitätskontrolle ist wegen der Vertriebswege oft nicht möglich. Beispielsweise ist der Verbraucher-Zentrale ein Fall aus Ostthüringen bekannt, wo besagte Produkte von einem Fernsehtechnikermeister angeboten werden.

Das frische Gel verdirbt äußerst schnell und muss deshalb für eine Verarbeitung haltbar gemacht werden. Anwender, die z. B. Aloe Vera-Produkte wegen ihrer angeblich positiven Wirkungen auf die Haut benutzen wollen, haben ein Interesse und ein Recht darauf, die eingesetzten Konservierungsstoffe zu erfahren. Diese Probleme werden durch das Verkaufspersonal auf Märkten etc. oft ausgeblendet.

Die angeblich positiven Wirkungen sind nicht ausreichend belegt. Laut „Arzneimitteltelegramm“ 6/2002 konnten die wenigen wissenschaftlichen Studien keinerlei positiven Effekt nachweisen. Studien mit positiven Ergebnissen wiesen gravierende methodische Mängel auf.

Aloe Vera wir u.a. durch sogenanntes „Networking“ vertrieben: der neu gewonnene Vertriebsmitarbeiter erwirbt zunächst selbst Produkte aus der Angebotspalette, um diese dann insbesondere in seinem Freundes-, Verwandten- und Bekanntenkreis weiterzuverkaufen. Aufgrund des Preises sind Absatzschwierigkeiten in der Regel vorprogrammiert. Mitarbeitern wird deshalb häufig eine weit interessantere Einnahmequelle eröffnet, indem Provisionen versprochen werden, wenn neue Vertriebsmitarbeiter angeworben werden, die ebenfalls Produkte verkaufen sollen. Nach Ansicht der Verbraucher-Zentrale Thüringen fördert „Network-Marketing“ ein System, nach dem immer mehr „Laienverkäufer“ immer aggressivere Werbung machen müssen, um nicht auf den Kosten für die eingekauften Produkte sitzen zu bleiben.

Die Verbraucher-Zentrale Thüringen rät allen, denen Aloe Vera-Produkte angeboten werden, genau nach Reinheit sowie anderen Inhaltsstoffen zu fragen. Skepsis gegenüber versprochenen heilenden Wirkungen ist angebracht. In solchen Fällen sollte ein Beratungsgespräch mit dem Hausarzt oder einem Apotheker geführt werden. Bei Problemen mit den Produkten oder unverhältnismäßigen Werbeaussagen können sich betroffene Verbraucher an die Patientenberatung der Verbraucher-Zentrale wenden.

cl

Quelle: Pressemitteilung der Verbraucherzentrale Thüringen vom 26. September 2002

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