Weihrauch hemmt die Entzündung auch bei Schuppenflechte

Weihrauch spielte bisher keine herausragende Rolle bei der Psoriasis-Therapie mit Naturmitteln. Das soll sich ändern: Pharmazeuten mit dem Schwerpunkt Haut und Apotheker haben Weihrauch als Heilpflanze neu entdeckt. Gemeinsam mit Wissenschaftlern der Universität Tübingen und der des Saarlandes  haben sie Hinweise darauf, wie es wirkt – auch bei entzündlichen Haut- und Gelenkkrankheiten.

Seit vielen Jahren gilt Weihrauch als „Geheimtipp“ für alle diejenigen, die ein möglichst nebenwirkungsarmes und natürliches Mittel gegen Psoriasis und vor allem Psoriasis arthritis suchen. Es gab positive Erfahrungsberichte über Weihrauch-Tabletten, aber keine wissenschaftlichen Untersuchungen, die den deutschen Anforderungen für eine Zulassung als Arzneimittel genügen. Hinzu kam die Behauptung, dass Weihrauch bei mehr als 40 unterschiedlichen Erkrankungen helfen würde . Solche Allheil-Versprechungen machen kritische Patienten eher skeptisch.

Seit den 1990er Jahren liegen nun klinische Beobachtungen vor, die für unterschiedliche Krankheitsbilder positive Effekte von Weihrauch nachweisen.

Weihrauch ist als Medikament nur in Indien und einem Kanton der Schweiz zugelassen (Sallaki vom Hersteller Gufic). Die Tabletten können mit ärztlichem Rezept – einem Privat-Rezept – über jede Apotheke besorgt werden. Eine seriöse rezeptfreie Weihrauch-Creme, die positiv auf die Psoriasis-Haut wirken soll, kann man seit Herbst 2007 kaufen.

Über Weihrauch

Weihrauch (lateinisch Boswellia) wurde bereits im Altertum nicht nur als Räucherwerk, sondern auch als Arzneimittel verwendet. Das Harz der Weihrauchbäume wurde in vielen Kulturen über Jahrhunderte ein anerkanntes Mittel gegen alle möglichen Krankheiten und deshalb so wertvoll wie Gold. Erst Ende des 19. Jahrhunderts geriet Weihrauch bei uns in Vergessenheit. Synthetisch hergestellte Arzneimittel verdrängten viele Naturheilmittel. Bis heute aber spielt Weihrauch in der ayurvedischen Medizin Indiens eine bedeutende Rolle.

Erst die Kritik an der herrschenden Schulmedizin in den 1980er Jahren führte dazu, dass man sich wieder vermehrt mit Naturheilmitteln beschäftigte. In Deutschland waren es vor allem Tübinger Pharmakologen um Professor H.P.T. Ammon, die nachweisen konnten, dass es die Boswelliasäuren im Weihrauch-Harz sind, die Entzündungen hemmen. Die Wissenschaftler vermuteten, dass Boswellia die Bildung von „Leukotrienen“ (Entzündungs-Botenstoffe) in den weißen Blutkörperchen verhindert . „Das zeigte sich aber nur im Reagenzglas bei entsprechend hoher Dosierung“, so Professor Oliver Werz aus Tübingen, der weiterhin daran forscht.

Tatsächlich hemmen bestimmte Weihrauch-Extrakte, d.h. Zubereitungen aus Weihrauch-Harze, z.B. das Enzym Cathepsin G, das an komplexen Entzündungsvorgängen im Körper beteiligt ist. Cathepsin G ist in der Haut von Psoriatikern in erhöhter Ansammlung gefunden worden. Außerdem werden die Aktivitäten des Proteins mPGES-1 (mikrosomale Prostaglandin E-Synthase-1) gebremst, das ebenfalls eine Schlüsselrolle bei entzündlichen, schmerzhaften und allergischen Krankheiten spielt.

Heute weiß man, dass nicht alle Boswellisäuren gleich wirken. Deshalb werden gezielt Zubereitungen aus Weihrauch-Harzen (so genannte „definierte Weihrauch-Extrakte“) hergestellt, um in der Praxis ihre Wirksamkeit zu testen.

Ganz eindeutig wirkt Weihrauch auf die Haut . Dr. Henning Gerhardt (Mannheim) hat Morbus-Crohn-Patienten mit einem indischen Weihrauch-Arzneimittel behandelt. Diese entzündliche Darmkrankheit gehört zu den typischen Begleiterkrankungen der Psoriasis. Bei 50 seiner Patienten besserte sich gleichzeitig die Psoriasis – sogar an Händen und Füßen.

Auch bei Gelenkbeschwerden hat Gerhardt Verbesserungen feststellen können – wenn auch erst bei drei bis vier Weihrauch-Extrakt-Tabletten täglich . Bei rheumatoider Arthritis eignen sich Weihrauch-Extrakt-Tabletten als Basistherapie, die den Krankheitsverlauf langfristig beeinflussen kann. Einige Psoriasis Arthritis-Patienten haben sogar MTX absetzen können.

Einen weiteren Beweis für die Wirksamkeit von Weihrauch-Inhaltsstoffen bei Psoriasis erbrachte eine Forscher-Gruppe aus Shangai, die im Tier-Modell bei Mäusen einen lindernden, entzündungshemmenden Effekt zeigen konnte.

Forschung auf wissenschaftlicher Grundlage

Professor H.P.T. Ammon – nicht zu verwechseln mit Professor Ulrich Amon, dem dermatologischen Leiter der Hautklinik Psorisol – forschte erstmals mit seinen Mitarbeitern an der Fragestellung, weshalb der indische Weihrauch entzündungshemmend wirkt. Beim „Weihrauch-Symposium 2008“ wurden die Forschungsergebnisse der vergangenen Jahre vorgestellt.

„Die Wirksamkeit von Weihrauch“, so Professor Ammon, „wird als belegt angesehen.“ Die vorgestellten Studien entsprächen aber nicht dem formalen Studiendesign, um Weihrauch als Arzneimittel zulassen zu können. Oft seien die Ergebnisse nicht eindeutig, meinte Ammon. Die Zahl der Patienten sei zu gering gewesen. Es seien unterschiedliche Weihrauch-Extrakte benutzt worden, deren pharmazeutische Qualität nicht zufriedenstellend geklärt werden konnte . „Die bisherigen Daten ermutigen uns jedoch, die Wirksamkeit von Weihrauchpräparaten mit wissenschaftlichen Methoden zu evaluieren.“

Die äußerlichen Einsatzmöglichkeiten von Weihrauch-Extrakten soll ein Projekt klären, das bis 2011 vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie gefördert wird. Ziel ist es, so Professor Werz, einen Weihrauch-Extrakt zu finden, der möglichst gut auf die Psoriasis wirkt. Werz ist überzeugt, dass der afrikanische Weihrauch dafür besser geeignet ist als die überall angebotenen Produkte mit Boswellia serrata aus Indien. Am Ende sollen ein Spray, eine Creme o.ä. stehen, das aber kein zugelassenes Arzneimittel sein wird.

Im Jahr 2005 wurde unabhängig davon der erste Preis im Würzburger Regionalwettbewerb von „Jugend forscht“ (Kategorie Chemie) an eine Creme mit Weihrauch und Myrrhe gegen Schuppenflechte vergeben. Die Gewinnerin meldete ihre Creme zum Patent an.

Immer unterschiedlich

Weihrauchsorten mit hohem ätherischen Öl-Anteil wurden zur Räucherung benutzt und sind bis heute für die Parfüm-Industrie von Interesse, während die im Harz enthaltenen sauren Strukturen (z.B. Boswelliasäuren) medizinisch genutzt werden. Weihrauch ist stets ein komplexes Gemisch verschiedener Inhaltsstoffe. Je nach Sorte und Standort schwanken die natürlichen Bestandteile des Weihrauchs.

Als qualitätsgeprüfte Arzneimittel sind in Deutschland nur homöopathische Weihrauch-Zubereitungen zugelassen, die jedoch keinen Extrakt enthalten.

Experten raten davon ab, frei verkäufliche Weihrauchprodukte beispielsweise im Internet zu kaufen. Sie gelten als Nahrungsergänzungsmittel und unterliegen damit keiner strengen gesetzlichen Qualitätskontrolle, vor allem, wenn sie im Ausland vertrieben werden. Meist weiß man nicht, ob es sich lediglich um pulverisiertes Harz handelt oder um einen höherwertigen, genau aufgelisteten (definierten) Extrakt. Da meist unklar bleibt, wie und wo der Weihrauch geerntet wurde, ist offen, welche Bestandteile er genau enthält und ob Verunreinigungen (wie Schwermetalle) enthalten sind. Damit ist eine standardisierte Verarbeitung nicht nachvollziehbar.

Die jeweiligen Weihrauch-Zubereitungen werden vom Körper unterschiedlich aufgenommen und wirken pharmakologisch verschieden. Solche Anbieter berufen sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse, bieten aber nicht den gleichen Weihrauch-Extrakt an, mit dem diese Ergebnisse erzielt wurden.

Obgleich natürliches Weihrauch-Harz durchschnittlich 30 bis 40 Prozent Boswelliasäuren enthält, werden „natürliche“ Produkte mit 60 oder sogar 80 Prozent angeboten. Professor Ammon schätzt solche Angebote als „teilweise höchst fraglich“  ein.

Als gut wirksame Inhaltsstoffe des Weihrauchs werden immer noch Keto-Boswelliasäure (KBA) und Acetyl-Ketoboswelliasäure (AKBA) angepriesen. Beide nimmt der Darm jedoch schlecht auf. Stattdessen baut der Körper KBA und AKBA schnell wieder ab, so dass sie nicht lang anhaltend wirken können.

Generell gibt es keine nennenswerten Nebenwirkungen vom Weihrauch – außer Aufstoßen und ein seltsamer Geschmack im Mund.

Weihrauch als Salbe

Üblicherweise wird Boswellia als Tablette oder Kapsel geschluckt. Da sich die im Harz befindlichen Inhaltsstoffe gut in Fett und Öl lösen, wäre es logisch, dass entsprechende Weihrauch-Extrakte auch wirken, wenn man sie auf die Haut aufträgt. Das ist aber noch nicht durch klinische Studien belegt.

Jedoch ist eine Weihrauch-Creme auf dem Markt, die nach mehr als zehnjähriger Erfahrung vom Apotheker Winfried Ertelt entwickelt wurde. Es gibt unterschiedliche Rezepturen für Patienten mit Psoriasis oder dem atopischem Ekzem („Neurodermitis“) . Die Creme-Variante für die Schuppenflechte heißt Psorelia. Neben dem Weihrauch sind darin Nachtkerzensamenöl und Harnstoff (Urea) enthalten.

Das Produkt enthält keine Konservierungsstoffe, keine Emulgatoren, keine Mineralöle wie Paraffin, keine Duft- und Farbstoffe sowie keine synthetischen Farbstoffe. Es ist in jeder Apotheke oder beim Hersteller erhältlich und kostet offiziell 29,95 Euro pro 100-Gramm-Spender.

In unserer Datenbank von Produkten zur Hautpflege können Sie Bewertungen über die Creme lesen oder – wenn Sie die Creme bereits angewendet haben – eine Bewertung abgeben.

Quellen:
  • Prof. Dr. Oliver Werz, Universität Jena, und Prof. Dr. Johann Jauch
  • „Weihrauch – Ein großes Heilmittel für zahlreiche Erkrankungen“, Peter Grunert, GANZHEITLICH HEILEN, Goldman, München 1999, S. 93ff.
  • „Weihrauch“ – zweiteiliger Bericht in „Naturheilkunde & Gesundheit“ 01/08 S. 12ff und 02/08, S. 14.
  • „Weihrauch – Gesund geräuchert“, Margit Mertens, Rheinischer Merkur Nr. 52, 24.12.2009
  • „Weihrauch und Boswelliasäuren“, Tina Brüggemann, Laura Höcke, Kerstin Meyer, Veronika Renze, Elke Wiesch, Uni Münster
  • PSO aktuell Nr. 2/Juni 1999
  • Bericht der 13. GD-Tagung in DermaTopics Nr. 1 (2009), S. 13f. sowie “Identification of human cathepsin G as a functional target of boswellic acids from the anti-inflammatory remedy frankincense.“, Tausch L, Henkel A, Siemoneit U, Poeckel D, Kather N, Franke L, Hofmann B, Schneider G, Angioni C, Geisslinger G, Skarke C, Holtmeier W, Beckhaus T, Karas M, Jauch J, Werz O., J Immunol. 2009 Sep 1;183(5):3433-42. Epub 2009 Jul 31.PMID: 19648270
  • “Targeting NF-kappa B with a natural triterpenoid alleviates skin inflammation in a mouse model of psoriasis.“, Wang H, Syrovets T, Kess D, Büchele B, Hainzl H, Lunov O, Weiss JM, Scharffetter-Kochanek K, Simmet T., J Immunol. 2009 Oct 1;183(7):4755-63. Epub 2009 Sep 14.PMID: 19752240
  • Weihrauch besitzt dermatologisches Potential, Franziska Wartenberg, Deutsche Apotheker Zeitung Nr. 15, 09.04.09, S. 42ff.
  • Weihrauch hilft oft Haut und Gelenken, PSO aktuell, 3/September 2000, S. 7f.
  • DPhG Weihrauch-Symposium 2008, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2008
  • Großes Interesse an Weihrauch als Heilmittel, Bericht in Deutsche Apotheker Zeitung, Nr. 15/10.04.08, S. 15ff.
  • Ayurveda und evidenzbasierte Medizin, Annette von Gessel, 2009
  • „Der Duft der Götter“, Margit Mertens, Neues Deutschland 30.01.2010

Weiterlesen zum Thema

Weihrauch als Medizin
(SRF, 03.04.2015)
Im schweizerischen Radio beschäftigte sich eine Sendung mit der Wirkung von Weihrauch als Heilmittel. Den Beitrag gibt es auf der Internetseite zum Nachhören.

Kann Weihrauch gegen Entzündungen helfen?
(stern.de, 22.01.2014)
Wer Entzündungen auch mittels einem Nahrungsergänzungsmittel eindämmen will, stößt früher oder später auf Weihrauch – und fragt sich dann: Kann das wirklich helfen? Der „Stern“ ist dem nachgegangen. Wir selbst werden immer mal danach gefragt und haben bislang selten von Erfolgen gehört. Was aber auch daran liegen kann, dass sich, wer einmal Erfolg hat, auch nicht mehr meldet 🙂

Über Rolf Blaga 115 Artikel
Rolf Blaga hat bis 2012 als Studienrat in Berlin am Oberstufenzentrum Gesundheit unterrichtet. Seit 1993 ist er aktiv in der Psoriasis-Selbsthilfe tätig, sowohl regional im Psoriasis Forum Berlin als auch überregional in der Psoriasis Selbsthilfe Arbeitsgemeinschaft.

7 Kommentare

  1. Habe Schuppenflechte seit 2004
    auf dem ganzem Körber.Habe es mit Kordison,Salz,Dermovate und Lichttherapi versucht,auch mit nur frucht ud. gemüse fettarmes essen,nur weisses Fleisch oder Fisch,weniger rauchen.Kein Alkohol,ohne Ergebnise;Was kann ich tun? Mit Weihrauch BZW Salbe,ud. wenn,wo finden.Für andere,mal mit Teebaumoel mt Mandelöl mischen,dan zweiml Täglich auf die petroffene stelle einreiben.

  2. Ich bin durch Zufall auf auf o.g. Beitrag gestoßen. Ich habe Aktinische Keratose auf der linken Gesichtshälfte. Nicht übermäßig groß (ca. 1cm) aber mich stört es. Ich habe bereits Boswellia-Nanopartikel von Koko benutzt, aber leider keine Wirkung erzielt und das Mittel wird ja auch aus Weihrauch gewonnen. Hilft die o.g. Creme evtl.? Ich würde mich über einen Rat sehr freuen. Vielen Dank im Voraus.
    Grüße
    Norbert

    • Hallo Norbert.
      Zu deiner Frage betreffend weihrauchcreme kann ich dir keinen Rat geben.
      Ich habe eine schuppenflechte am Hals, ca. 1cm. Kortisoncremen haben nichts genützt und auch Lichterspiel brachte nichts. Das beste war Sonnenlicht und frische Luft. Seit 8 Jahren nimmt die ganze Familie omega3 Kapseln jeden Tag. Nachtkerzenöl Kapseln werde ich als nächstes versuchen. Die Kur geht 8-10 Wochen. Mein Sohn hat die schuppenflechten mit omega3 Kapseln drastisch reduziert. Ich wünsche dir alles gute. En Gruess aus der Schweiz. Lissa

  3. Hallo Ivan,
    bad monkey botanical (Indien)bietet ein Weihrauchpulver mit 65 % AKBA an, den könnten Sie ja mal probieren, ist auch sehr günstig.
    Gute Besserung und Gottes Segen
    Andrea

  4. Ich nehme Weihrauch (Boswellia serrata von „dreikraut“) seit ca. 4 Wochen 1×2 je 400 mg zum Mittagessen. Es wirkt. Die Entzündungen gehen stark zurück. Keine neuen Entzündungen mehr. Unglaublich.

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