Völlig unbemerkt von der Öffentlichkeit ist in Berlin seit Monaten eine Gruppe schwerkranker Menschen von einem Tag auf den anderen von einer Therapie ausgeschlossen worden. Es geht um hochwirksame, aber teure „Biologika“, die für diese Patienten eine echte Linderung bringen. Die Regelung betrifft Kassenpatienten mit schwerer Psoriasis, aber auchr chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn. Bei diesen Krankheiten werden „Biologika“ seit 1. Juli 2011 nicht mehr als „Praxisbesonderheiten“ anerkannt. Es konnte nicht geklärt werden, ob das irrtümlich übersehen wurde, einiges spricht aber dafür.
Die Selbsthilfegruppe Psoriasis Forum Berlin
schreibt dazu in einer Protest-Erklärung:
schreibt dazu in einer Protest-Erklärung:
• Wir fordern von allen Beteiligten – Kassenärztliche Vereinigung Berlin, Verband der Ersatzkassen Landesverband Berlin-Brandenburg (Verhandlungsführer), aber auch Senatsverwaltung für Gesundheit (Aufsichtsbehörde) - diese Regelung sofort zu korrigieren. Darüber müssen die betroffenen Fachärzte informiert werden, um weiteren gesundheit- lichen Schaden von Patienten abzuwenden.
• Wir fordern alle betroffenen Patienten auf, sich mit ihrer Krankenkasse in Verbindung zu setzen und dagegen zu protestieren, wenn bei ihnen ein Biologikum aus Budget-Gründen abgesetzt wird.
• Wir raten allen betroffenen Patienten, sich das Biologikum von Fachärzten außerhalb Berlins verschreiben zu lassen. In Bundesländern wie Brandenburg oder Sachsen-Anhalt gilt diese Medikamenten-Gruppe auch in 2011 als „Praxisbesonderheit“, so dass dort das Praxisbudget nicht belastet wird.
Als „Praxisbesonderheiten“ gelten z.B. teure Medikamente, die ein Arzt verschreiben darf, ohne befürchten zu müssen, damit sein Budget („Arzneimittel-Richtgröße“) zu überschreiten. Dazu gehörten bis zum 30.06.2011 in Berlin auch die so genannten „Biologika“, die bei schwersten entzündlichen Krankheiten verschrieben werden. Bei der Neufestlegung taucht diese Wirkstoffgruppe nur noch als „basistherapeutische, immunsuppressive Behandlungen vonErkrankungen des rheumatischen Formenkreises (einschließlich Psoriasis-Arthritis)“
auf. Es wurde übersehen, dass damit auch schwerste Haut- und Darmkrankheiten behandelt wurden. Das führte dazu, dass seit 01. Juli 2011 bei Patienten die als medizinisch notwendig anerkannte Behandlung mit Biologika schlagartig abgesetzt wurde und sie wieder auf Medikamente umgestellt wurden, die ihnen früher schon nicht geholfen haben.
auf. Es wurde übersehen, dass damit auch schwerste Haut- und Darmkrankheiten behandelt wurden. Das führte dazu, dass seit 01. Juli 2011 bei Patienten die als medizinisch notwendig anerkannte Behandlung mit Biologika schlagartig abgesetzt wurde und sie wieder auf Medikamente umgestellt wurden, die ihnen früher schon nicht geholfen haben.
Bei Berliner Dermatologen werden zurzeit circa 170 Hautpatienten mit Biologika behandelt (Angaben von PsoNetBerlin). Die Ärzte sind verpflichtet, in jedem Einzelfall ausführlich zu dokumentieren, weshalb diese kostspielige Therapie notwendig ist. Eine Behandlung kostet rund 25.000 Euro pro Jahr. Für jeden gesetzlich versicherten Patienten erhält der Berliner Hautarzt pro Jahr 106,36 €, bzw. für Rentner 97,92 €
. Ein Arzt, der nur einen einzigen Patienten mit einem Biologikum behandelt, müsste nach geltender Rechtslage dafür 235 andere völlig unversorgt lassen. Bei Rentnern müsste er sogar bei 255 auf jede Art von Behandlung verzichten.
. Ein Arzt, der nur einen einzigen Patienten mit einem Biologikum behandelt, müsste nach geltender Rechtslage dafür 235 andere völlig unversorgt lassen. Bei Rentnern müsste er sogar bei 255 auf jede Art von Behandlung verzichten.
Rolf Blaga







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