Behandlung nur gegen Vorkasse?
Seit Anfang diesen Jahres gibt es Fachärzte, die behandeln nur gegen Vorkasse. Bis zu 120 Euro pro Quartal werden nicht von Privatversicherten verlangt, sondern von den Kassenpatienten. Dürfen die das überhaupt?
Darüber berichteten Monica Anthes und Eric Berens im ARD-Politik-Magazin "Report Mainz" am 09. Februar 2009
. In Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und Bayern legen immer mehr Fachärzte den gesetzlich Versicherten eine entsprechende Vereinbarung vor. Wer "nach besten Wissen und Gewissen" behandelt werden will, muss auf die 10 Euro Praxisgebühr noch einmal kräftig draufzahlen. Wer das nicht tut, gilt - wie es im Vertrag eines Orthopäden heißt- als "quasi unerwünschter Patient". Die Ärzte begründen das damit, dass sie nicht mehr kostendeckend behandeln könnten. Für das Wenige, was die Kasse ihnen seit Januar 2009 zahle, sei es nicht mehr möglich, ordnungsgemäß zu behandeln. Zähneknirschend zahlen Patienten das Geld, denn sie wollen schließlich vernünftig behandelt werden.
Die rechtliche Lage ist eindeutig: Ärzte dürfen Kassenpatienten nur für solche Leistungen zusätzlich bezahlen lassen, die von der gesetzlichen Krankenkasse nicht übernommen werden. Das sind die so genannten "IGEL-Leistungen". Wie nützlich diese Zusatzangebote sind, ist oft zwischen Ärzten und Krankenkassen umstritten. Die Kassen bestreiten, dass die meisten IGEL-Leistungen sinnvoll und nötig seien. Die Ärzte dagegen behaupten, die Kassen würden lediglich eine "Basisversorgung" bezahlen. Wer "richtig" und mit modernen Mitteln untersucht oder behandelt werden will, benötigt die privat zu bezahlenden Zusatz-Leistungen. Der Patient, der es sich leisten kann, zahlt - meist ohne zu wissen, wer Recht hat.
Neu ist, dass Ärzte jetzt auch für Leistungen zusätzlich privat bezahlt werden wollen, die eigentlich die Kasse (voll) erstattet. Aus ihrer Sicht ist das Geld von der Kasse nicht kostendeckend. Wie viel Honorar die einzelnen Fachärzte für ihre Leistungen bekommen, können aber weder die Patienten, noch die Krankenkassen beeinflussen. Das legt der Interessenverband der Vertragsärzte (also die Kassenärztliche Vereinigung) intern fest. Schon immer haben sich einzelne Facharzt-Gruppen darüber beschwert, dass die Kassengelder "ungerecht" verteilt werden würden. Seit 2009 gilt ein neues Abrechnungssystem, das vor allem solche Praxen bevorzugt, die viele Patienten haben oder in Ostdeutschland liegen. Obgleich in 2009 insgesamt den niedergelassenen Ärzten 10% mehr Honorargelder zustehen, erwarten dagegen Fachärzte mit zeitaufwändigen Leistungen bis zu 40 Prozent weniger Einnahmen. Sie drohen jetzt mit einer Minimalversorgung "auf dem Niveau der 70er-Jahre Medizin".
Die Autoren raten den Patienten
, solche Vereinbarungen nicht zu unterschreiben und nichts zusätzlich zu bezahlen: Patienten sollten ihrer Krankenkasse den Fall schildern und sich bei der örtlichen Kassenärztlichen Vereinigung beschweren. Das Gesundheitsministerium und die Kassenärztliche Bundesvereinigung
verlangen, dass dieser Konflikt nicht auf dem Rücken der Patienten ausgetragen wird.
Wie sieht es bei Ihnen aus? Lässt sich Ihr Dermatologe oder Ihr Orthopäde ebenfalls von Ihnen zusätzlich bezahlen? Wie reagieren Sie darauf? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Berichten Sie davon in unserem Forum
.
Rolf Blaga
Update: Die Arbeiterwohlfahrt bietet mit einer Hotline für Kassenpatienten eine Hilfe im Honorarstreit an. Telefon: 0800 / 5887958.







SUDOKU:

Twitter
Mister Wong
Favoriten
Digg
Del.icio.us
Yahoo
Googlize this
Wikio
Allerdings sollte das auch den Politikern auch ein Warnung sein, immer weiter das Solidarprinzip der gesetzlichen Krankenversicherung zu untergraben.