Die Abenteuer der G. Wow

Gina Wowling hasst es, wenn jemand wegen seines Äußeren gehänselt wird. Sie hat Psoriasis, lässt sich aber deshalb nicht unterkriegen. Ihre größte Stärke ist, dass sie Gedanken lesen kann. Beim Schwimmwettbewerb denkt sich ihre Gegnerin, wie eklig Ginas Stellen sind. Die sagt es der Verdutzten auf den Kopf zu.


G. Wow

Hallo, ich bin G. Wow. Das ist englisch und man spricht es „Dschie Waau“ aus. Ich weiß, mein Name klingt ein bisschen angeberisch, wie aus dem Zirkus. In Wirklichkeit heiße ich natürlich Gina, genauer Gina Wowling. Aber ich mag die Abkürzung „G“. Das klingt geheimnisvoll und macht mich älter. Bei uns in den USA kürzen Erwachsene gerne ihren Vornamen ab. Und „wow“ sagt man hier zu jemanden, der andere mit etwas Tollem in Erstaunen versetzt hat.

Genau so will ich sein! Ich kann es kaum erwarten, erwachsenen zu werden. Am liebsten möchte ich Schriftstellerin werden. Wie meine Lieblingsautorin J. K. Rowling. Die kennt ihr doch auch, denn sie hat Harry Potter geschrieben. Nicht so bekannt bei euch ist Lloyd Alexander. Der hat viele spannende Bücher herausgegeben, zum Beispiel die tollen Geschichten von Taran. Ich mag diese Bücher wahnsinnig gerne, weil sie von Abenteuern handeln.


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Also, ich lebe in der Nähe von Boise. Das ist in Idaho, in den
Vereinigten Staaten von Amerika. Meine Mama ist Krankenschwester. Wenn ich größer bin, möchte ich aber Hautärztin werden. Aber erst will ich noch an der Olympiade teilnehmen. Ich bin nämlich eine klasse Schwimmerin. Außerdem will ich noch als Forscherin den Dschungel erforschen. Dann aber werde ich Ärztin. Meine Hautärztin ist echt nett. Sie sagt mir ehrlich, dass meine Psoriasis eine Lücke schließen Krankheit ist, die man leider nicht heilen kann. Aber man muss viel tun, um sie in den Griff zu bekommen.

 

 


G. Wow

Da ist noch etwas, was du über mich wissen solltest: Ich kann nämlich Gedanken lesen! Schau nicht so skeptisch. Wirklich, ich höre die Gedanken von anderen schon seitdem ich fünf Jahre alt bin.

Manchmal ist das echt aufregend! Aber du wärest erstaunt, welche langweilige Gedanken die meisten Leute haben. Trotzdem ist es hin und wieder sehr nützlich zu wissen, was andere denken.
Genug geplaudert.

 

 


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Da kommen schon meine Freunde Roberta und Robert. Vielleicht könnt ihr erkennen, dass sie Zwillinge sind. Wir müssen in die Schule. Für uns ist der Schulbus eine Kutsche, die von Fröschen gezogen wird. Schade, dass die nicht mehr aufs Bild gepasst haben.

Roberta und ich sind zusammen in einer Schwimmgruppe. Und Robert habe ich gerade gestern geholfen. Da haben ihn ein paar Jungen ständig gehänselt, weil er so aussieht, wie seine Schwester.

Ich hasse es, wenn jemanden wegen seines Aussehens geärgert wird. Solche Leute haben doch echt nichts im Kopf! Es kommt doch nicht darauf an, wie man aussieht, sondern wer man ist und was man kann. Ich kenne einige, die toll aussehen, aber doof wie Bohnenstroh sind. Wenn man Psoriasis hat, wird man da echt empfindlich.


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G: „Hallo Roberta. Ich wette, dass du mir etwas zeigen willst.“
Roberta: (holt eine Schwimmbrille heraus und hält sie hoch)
„Meine Mama hat mir diese tolle Schwimmbrille gekauft.“
(Dann stutzt sie für einen Augenblick).
„Sag‘ mal, woher wusstest du das?“
G: „Ich habe nur geraten. Unser Wagen ist da. Wir müssen los!“
Ich mag es, im Mathe-Unterricht neben meiner Freundin zu sitzen. Wir helfen uns gegenseitig und tauschen aus, was wir zum Essen für die Pausen mitbekommen haben.
G: „81“
Lehrerin: „Stimmt, das macht … Sag‘ mal, woher wusstest du, das ich gerade 9 x 9 fragen wollte?“
Seht ihr, ich habe es euch doch gesagt, dass ich die Gedanken von anderen lesen kann.


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G: „Ich halte es kaum aus bis morgen zum Schwimmwettbewerb. Es macht immer so viel Spaß, und ich liebe es, um die Wette zu schwimmen.“
Trainer Gil: „Morgen findet der erste Schwimmwettbewerb in diesem Jahr an der J.F. Kennedy Schule statt. Ich weiß, ihr seid alle sehr aufgeregt. Aber das ist völlig normal. Bleibt zusammen, unterstützt euch gegenseitig. Wenn ihr siegen wollt, müsst ihr alles geben.“
G: „Gil, dürfen wir uns noch ein bisschen im Wasser austoben, damit unsere Nerven abgelenkt sind?“
Trainer Gil: „Das hatte ich mir auch gerade gedacht! Woher weißt du …..? Macht nichts! Also toi, toi, toi beim Wettkampf morgen!“
G: „Los Roberta, lass uns mal 100 m schwimmen!“


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Roberta: „Ja, gerne! Schau mal da, die beiden Mädchen! Das sind die, gegen die wir morgen antreten müssen.“
Schwimmerin denkt: „Iiih, die sieht aber eklig aus. Um nichts in der Welt gehe ich mit der zusammen ins Wasser. Das ist bestimmt ansteckend. Der Trainer kann nicht von mir verlangen, mit so einer um die Wette zu schwimmen.“

Manchmal weiß ich nicht, wie ich darauf reagieren soll, wenn ich solche gemeinen Gedanken lese. Ist die so blöd oder weiß sie es einfach nicht besser?
G: „Hallo du. Ich habe gehört, du willst den Kampf wegen meiner Hautstellen absagen? Ich will dir mal eins sagen: Ich mag die Stellen auch nicht! Aber sie sind absolut nicht ansteckend. Außerdem kann ich nichts dafür, dass ich sie habe! Das ist vererbt.“


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Diese Krankheit heißt „Psoriasis“ oder auf deutsch „Schuppenflechte“. Meine Hautzellen erneuern sich viel, viel schneller, als bei anderen Menschen. Sie sammeln sie sich dann auf der Oberfläche. Das sieht zwar nicht schön aus, ist aber völlig harmlos! Ich bin gespannt, ob du überhaupt verstehst, was ich dir erklärt habe. Oder kannst du nicht mehr als Schwimmen?

Du hast die Wahl: Entweder bist du zu feige und verzichtest auf den Kampf. Oder du beweist, was du drauf hast und trittst morgen gegen mich an.

Meine Psoriasis wird deiner Babyhaut garantiert nichts antun. Damit kann ich dir leider keine grünen Pickel anhexen!
Und noch etwas: Ich beabsichtige, dich zu schlagen!“


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Roberta: „Das war wirklich das Beste, das ich je von dir gehört habe!“
G: (sehr erregt) „Ich weiß, ich weiß! Je mehr ich in Fahrt komme, desto besser fühle ich mich dabei.“

Ich liebe mein Leben. Selbst wenn ich es unheimlich schwer und gemein finde, dass ich diese verdammte Hautkrankheit nicht mehr loswerden soll. Ich weiß natürlich, dass es Zeiten gibt, in denen ich gut damit klar komme.
Aber dann quäle ich mich wieder wochenlang damit herum: Es juckt überall und ich finde mich total hässlich. Ein schwacher Trost bleibt: Auch andere Mädchen sind krank, selbst wenn man es ihnen nicht gleich ansieht. Aber ich lasse mich nicht klein kriegen! Ich habe mir fest vorgenommen, dass die Psoriasis mich nie hindern darf zu machen, was ich will. Und es gibt so viele Dinge, die ich noch erleben möchte. Ich bin doch kein Sesselpupser! Aber ehrlich: leicht ist es manchmal nicht, damit unter die Leute zu gehen.


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Ich muss immer offen über meine Psoriasis sprechen. Die sollen sich daran gewöhnen, dass Krankheiten normal sind. Seid doch mal ehrlich: viele in eurem Alter dürfen nicht alles essen, sind vom Sport befreit oder haben schiefe Zähne. Sind das deshalb schlechtere Menschen?

Ich werde nie und vor niemanden meine Hautstellen verstecken! Die können mich doch nur damit ärgern, wenn ich selbst unsicher bin. Ich lasse mich doch nicht aus der Gruppe ausschließen, bloß weil man meine Krankheit sieht. Außerdem bestehe ich doch wohl nicht nur aus Psoriasis. Nicht jedes Mädchen kann so gut schwimmen wie ich. Ich kann Gedanken lesen und sehr gut reden. Das soll mir erst einmal jemand nachmachen!


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Okay, genug für heute. Schön, mit euch geplaudert zu haben. Aber jetzt muss ich weiter. Es gibt noch so viel zu entdecken im Leben. Ich möchte nichts verpassen.


 

 

 

 

 

 

Deutsche Fassung von „G. Wow“, einer Broschüre, die übersetzt und im Internet veröffentlicht worden ist mit freundlicher Genehmigung der National Psoriasis Foundation/ USA, 6600 SW 92nd Avenue, Portland, Oregon 97223 USA. Copyright © National Psoriasis Foundation/USA

All rights reserved.
Deutsche Übersetzung und Bearbeitung: Marlon Getschmann

Bildquellen

  • G. Wow: National Psoriasis Foundation (USA)

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