Gute Behandlung ist nicht alles

Es wird immer wieder darauf hingewiesen, wie wichtig Entspannung ist – bei den kleinen Patienten wie bei den Eltern. Typische Entspannungstechniken kann man erst mit Kindern um die zehn Jahre üben. Bei jüngeren müssen die Eltern selbst autogenes Training, progressive Muskelentspannung oder entspannende Atem- und Rhythmus-Übungen machen. Ihre Ruhe soll sich dann auf die Kinder übertragen. Genussvoll kann es für die Kleinen sein, wenn sie sanft massiert werden. Vor allem bei der Hautpflege. Tiefe Entspannung kann bei Hautkrankheiten sehr erfolgreich wirken. Die werden Sie aber nur erreichen, wenn Sie die Psoriasis Ihres Kindes als chronisch akzeptieren und nicht mehr versuchen, gegen das Schicksal anzukämpfen.

Kinder brauchen für die Entwicklung ihres „Haut-Ich“ positive Berührungen. Vor allem hautkranke Kinder spüren, wenn die Eltern Hautkontakte meiden und zurückhaltend schmusen. Streicheln Sie die gesamte Haut Ihres Kindes, also auch die erkrankten Stellen. Massieren Sie genussvoll die Pflegemittel ein. Entwickeln Sie ein Entspannungsritual, z.B. mit ruhiger Musik oder Sie singen selbst dabei.

Bei den Großen wird viel Wert darauf gelegt, mit negativem Stress umzugehen. Denn Stress ist ein Auslöser für Schuppenflechte. Versuchen Sie, die Lebensumstände ihres Kindes so zu organisieren, dass es eher ruhig zugeht. Schon sehr kleine Kinder leben heutzutage stressig. Sie schauen viel fern, sitzen am Computer, jagen von einem Termin zum anderen und zu Hause gibt es Konflikte. Keine gute Grundlage, um eine Psoriasis klein zu halten.

Psoriasis ist zeitaufwendig: Das Kind muss jeden Tag behandelt und gepflegt werden. Sie gehen mit ihm von einem Hautarzt zum anderen oder auch zu Heilpraktikern. Es muss ins Krankenhaus oder in eine Klinik, oft weit weg von Zuhause. Machen Sie möglichst keinen Stress daraus. Entwickeln Sie Ideen, wie Sie möglichst oft die Situation spielerisch füllen können. Während Sie die Cremes auftragen, können Sie z.B. mit dem Kind sich etwas anhören (Kinderlieder oder später Kinderhörspiele), gemeinsam singen oder Sprachspiele machen. Wenn beide Eltern berufstätig sind, sollten Sie sich ernsthaft überlegen, ob nicht wenigstens ein Elternteil mehr Zeit für das Kind aufwenden kann. Die Oma ist nur die zweitbeste Lösung.

Wenn nur irgend möglich, sollten die Aufgaben auf möglichst viele Familienmitglieder verteilt werden. Wenn es größer ist, sollten Sie Ihrem Kind beibringen, eigenverantwortlich mit der Psoriasis umzugehen. Dazu gehört, dass es die Zeit selbst bestimmt, sich zu behandeln. Schon Dreijährige können sich spielerisch eincremen. Das entlastet nicht nur die anderen, sondern das Kind wird selbständiger und probiert vielleicht auch einiges selbst aus.

Die Krankheit wird Ihr Kind psychisch belasten. Sie müssen sich darum kümmern, wie Sie es stark machen und ihm ein „gesundes“ Selbstbewusstsein vermitteln können. Das ist leichter gesagt als getan. Auch dabei gilt: Holen Sie sich professionelle Hilfe, wenn Sie damit nicht weiterkommen! Dazu gehört, dass Sie Ihrem Kind helfen, möglichst gelassen und „unaufgeregt“ mit allem umzugehen. Schauen Sie nicht weg, sondern versuchen Sie heraus zu bekommen, was Ihr Kind gerade quält. Vielleicht kann man gemeinsam Lösungen finden.

Ihr Kind besteht nicht nur aus seiner Psoriasis. Die Krankheit darf nicht Mittelpunkt seines Lebens werden. Fördern Sie seine Fähigkeiten und Begabungen, damit es Selbstvertrauen entwickeln kann. Pflegen Sie Kontakte zu anderen Kindern. Leben Sie Aktivitäten mit Ihrem Kind aus, die es als angenehm empfindet. Wenn es etwas älter ist, können Sie anregen, dass Ihr Kind malt, modelliert, musiziert, tanzt, reitet oder andere Sportarten betreibt, bei denen es nicht sofort die gesamte Haut zeigen muss. Ehrgeiz kann Grübeln und Selbstzweifel überdecken. Verhindern Sie, dass sich Ihr Kind zurückzieht und isoliert.

Immer wieder werden Sie Ihrem Kind Mut machen und es aufmuntern müssen: „Du wirst es schaffen! Siehst du, du kannst doch etwas. Da wirst du dich doch von deiner Hautkrankheit nicht abhalten lassen.“ Planen Sie in die nähere und weitere Zukunft. Setzen Sie mit Ihrem Kind Ziele, auf die es hinarbeiten und sich freuen kann. Für den Sport oder andere Hobbys, für gemeinsame Unternehmungen mit der Familie oder Freunden. Geben Sie dem kleinen Leben Ihres Kindes einen Sinn, den es versteht.

Lassen Sie sich nicht noch zusätzlich unter Druck setzen von Theorien, die behaupten, dass jede Krankheit psychischen Ursachen habe: „Was stimmt mit dem Kind nicht, dass es Psoriasis bekommen hat?“ Schuppenflechte ist keine Krankheit, die ursächlich aus psychischen Problemen entsteht, wie z.B. Bettnässen. Aber wer Psoriasis hat, leidet oft genug darunter und bekommt deshalb psychische Probleme. Es ist schwer genug, das Kind so stark zu machen, dass es die psychischen Belastungen durch die Krankheit selbstbewusst übersteht. Belasten Sie es nicht mit solchen, angeblich „ganzheitlichen“ Therapien.

Wenn das Kind mit anderen Kindern zusammen kommt, besteht meist die Gefahr, dass es wegen seiner sichtbaren Hautkrankheit gehänselt oder sogar ausgeschlossen wird. Der Mensch ekelt sich vor kranker Haut, vor allem in einer Gesellschaft, in der die makellose Haut als Maßstab gilt. Tagesmutter, Erzieher, Eltern der anderen Kinder sollten über die Krankheit Ihres Kindes aufgeklärt werden. In erster Linie darüber, dass sie nicht ansteckend ist. Aber auch darüber, dass Krankheiten „normal“ sind und zum Leben gehören. Vor allem in unserer Gesellschaft, in der fast 40 % der Kinder unter Allergien, Heuschnupfen, Neurodermitis oder sogar Asthma leiden.

Nehmen Sie Kontakt auf zu anderen Eltern und tauschen Sie Ihre Erfahrungen aus bzw. geben Sie Tipps weiter. Es gibt in Deutschland nicht so sehr viele Familien mit psoriatischen Kindern. In den traditionellen Selbsthilfegruppen werden Sie betroffene Eltern ganz selten treffen. Deshalb sollten Sie unser Forum nutzen.

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