Ist Psoriasis bei Kindern psychisch bedingt?

Immer wieder wird behauptet, Hautkrankheiten wie Psoriasis seien bei Kindern und Jugendlichen ein Zeichen dafür, dass sie seelisch nicht im Gleichgewicht sind. Das empfinden Eltern schnell als Vorwurf. Wenn es Kindern schlecht geht, macht man die Familie dafür verantwortlich. Die ist schuld daran, dass bei dem Kind die Schuppenflechte ausgebrochen ist.

So stimmt das meist nicht. Psoriasis ist eine vererbte Krankheit, die einen Auslöser („Trigger“) braucht, um auszubrechen. Das können Krankheiten oder Medikamente sein, aber auch Verletzungen oder Hautreizungen, Hormon-Veränderungen oder eben psychische Belastungen.

Eltern und KinderDie Psyche ist nur einer von vielen „Triggern“. Kinder und Jugendliche haben öfter entzündliche Krankheiten, verletzen sich schneller oder belasten und provozieren ihre Haut eher als Erwachsene. Spätestens in der Pubertät melden sich dann auch die Hormone. Mit negativem Stress, Konflikten, Spannungen oder einschneidenden Veränderungen im Leben können sie vermutlich weniger gut umgehen. In ihrem Alter mangelt es ihnen meist an Selbstbewusstsein und Erfahrung. Sie stehen in ihren Gruppen unter starkem Anpassungsdruck. Viele werden gemobbt, wenn sie nicht so sind wie die anderen.

Gerade diese Altersgruppe nimmt durch ihren einseitigen Medienkonsum viel Werbung auf. Die ist gezielt auf junge Menschen ausgerichtet. Durch solche Werbeklischees werden sie intensiv beeinflusst, wen und was sie als „geil“ annehmen oder als „ätzend“ ablehnen.

Die meisten Jugendliche sehen aber überhaupt nicht so aus, wie die Idole, an denen sie sich selbst und andere messen. Darunter leiden sie dann. Es ist für Eltern nicht leicht, den abwertenden, oft gemeinen Sprüchen der Gleichaltrigen etwas entgegen zu setzen. Versuchen Sie trotzdem! Entwickeln Sie Auswege aus dem Dilemma und stärken Sie Ihr Kind mit Argumenten. Wie sollen Sie auf die Sprüche der anderen antworten? Suchen Sie sich Verbündete, die Ihnen dabei helfen, wenn Ihr Kind nicht auf Sie hört. Das können auch professionelle Berater, Lehrer oder Psychologen sein.

Unsere Lebensumstände sind auch für Kinder stressig. Keine gute Grundlage, um eine Psoriasis klein zu halten. Entwickeln Sie deshalb Entspannungsrituale, um Ihr Kind möglichst regelmäßig zur Ruhe zu bringen.

Wenn bei Ihrem Kind die Psoriasis aufgetreten ist, müssen sie natürlich die Krankheit behandeln. Aber machen Sie ihm keine falschen Hoffnungen. Selbst in Ratgeberbüchern für Kinder steht manchmal, dass man die Schuppenflechte „wegmachen“ oder „loswerden“ könne. Das stimmt leider nicht. Man kann die Haut meist nur eine Zeit lang mehr oder weniger gut erscheinungsfrei halten. Bereiten Sie Ihr Kind darauf vor. Sonst ist es völlig schockiert, wenn die Stellen nach einigen Monaten wieder auftreten. Denn das ist leider „normal“ bei einer chronischen Krankheit! Auch ein Baum sieht im Herbst und Winter nicht besonders schön aus, blüht aber jedes Jahr wieder neu. So sind die Gene nun einmal programmiert. Wenn Sie Ihr Kind schonen wollen und behaupten, die Schuppenflechte würde bald wieder weg sein, wird es viel zu lange dieser falschen Hoffnung hinterher laufen und jedesmal enttäuscht sein. Hier können Sie weiterlesen: Wie hautkranke Kinder mit Hänseleien umgehen können.

Informieren Sie sich gut über die Psoriasis und die Behandlungsmöglichkeiten und geben Sie Ihr Wissen an ihr Kind weiter. Man muss die Mittel wechseln, wenn sich die Psoriasis an einen Wirkstoff gewöhnt hat. Es ist nicht nötig, die Stellen verbissen zu bekämpfen, bis nichts mehr zu sehen ist. Mit ein paar roten Flecken kann man leben. Krankheiten sind in der Natur (leider) normal – bei Mensch, Tier und Pflanze. Zeigen Sie Ihrem Kind, dass auch andere in Ihrem Umkreis krank sind, ohne gleich ein schlechterer Mensch zu sein.

Sprechen Sie mit den Erziehern, Lehrern oder Trainern: Sie sollen in der Gruppe Krankheiten bei Kindern ansprechen. Dann muss Ihr Kind erst gar nicht versuchen, seine entzündeten und verschuppten Stellen vor den anderen zu verbergen. Auch die Eltern der anderen Kinder sollten aufgeklärt werden, damit sie nicht denken, es wäre eine ansteckende Krankheit. So haben es die anderen schwerer, Ihr Kind damit aufziehen oder zu mobben.

Ihr Kind besteht nicht nur aus seiner Psoriasis. Sorgen Sie dafür, dass es sich nicht verrückt macht und immer verzweifelter wird. Entwickeln Sie mit ihm kurz- und langfristige Ziele für die Schule, den Sport oder andere Hobbys, für gemeinsame Pläne mit der Familie oder Freunden. Ehrgeiz kann Grübeln und Selbstzweifel überdecken. Finden Sie heraus, womit Sie bei Ihrem Kind eine positive Grundstimmung erzeugen können.

Sie sollten Ihrem Kind beibringen, selbstverantwortlich mit der Psoriasis umzugehen. Dazu gehört, dass es die Zeit einplant, sich zu behandeln, z.B. sich einzuschmieren. Auch kleine Kinder können sich schon an einigen Stellen selbst eincremen. Je älter Ihr Kind ist, desto mehr können Sie ihm selbst überlassen. Wer sich selbst um seine Krankheit kümmert, wird sich weniger darüber einreden lassen. Weder von Ärzten, noch von Wunderheilern.

Sie sollten Ihrem Kind deutlich machen, dass Sie sich nicht vor den Stellen ekeln. Streicheln Sie die Stellen und massieren Sie Pflegemittel ein. Hautkontakt ist besonders bei Ihrem Kind wichtig.

Manchmal werden Sie nicht weiter wissen und hilflos sein. Wenn Ihr Kind wieder einmal völlig verzweifelt ist, weil die Stellen überall neu ausbrechen und so stark jucken oder sogar die Gelenke schmerzen. Dann nutzen auch gut gemeinte Worte nichts. Hören Sie sich den Kummer an. Weinen Sie mit. Versuchen Sie, einen Hoffnungsstreifen am Horizont zu finden: eine andere Therapie, ein nahes Ziel, eine Reise ans Meer, der Besuch eines geliebten Menschen.

Psoriasis kann für Eltern, Kinder und Geschwister sehr belastend sein. Wenn Sie selbst beginnen zu verzweifeln und es nicht aufhören will, sollten Sie sich professionelle Hilfe suchen. Bemühen Sie sich um Rat und Hilfe von außen! Zum Beispiel in unserer Community. Tipps gibt es außerdem im Informationsblatt „Wie man einen Psychologen findet“ beim Psoriasis Forum Berlin e.V.

Bildquellen

  • Eltern und Kinder: Zeichnung: Wanda Höpfner

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