Kann ich mit Schuppenflechte alle Berufe lernen?

Angi und SvenMenschen mit Psoriasis findet man in wirklich allen Berufen. Grundsätzlich solltest du dir überlegen, an welchem Beruf du Spaß haben würdest, was dich interessiert und was du dir selbst zutraust. Es gibt vermutlich nur wenige Berufe, von denen man sicher weiß, dass sie immer gebraucht werden oder eine Zukunft haben. Deshalb solltest du als erstes dein eigenes Interesse herausbekommen. Wenn du an deinem Beruf wirklich interessiert bist, wirst du dich durch dein Wissen, Können und Engagement von den anderen hervorheben. Listen über Ausbildungsberufe gibt es bei der Berufsberatung und vermutlich auch im Internet.

Wenn du aber aber schon als Jugendlicher unter einer schweren Schuppenflechte leidest, solltest du dir genau überlegen, ob der gewählte Beruf deine Krankheit verschlimmern könnte. Du musst dir dann etwas aussuchen, dass zum einen deine Haut nicht zusätzlich belastet: durch zu starken Druck, durch chemische Substanzen oder wo es ständig feucht und nass ist bzw. man viel schwitzt. Und wenn wir ehrlich sind: Auch ein Beruf, bei dem es ganz offensichtlich auf dein Aussehen ankommt, ist bei einer schweren Psoriasis nicht ratsam. Obgleich z.B. Sky du Mont, Romy Schneider und Marlene Dietrich mit ihrer Pso vor der Kamera standen.

Aber es gibt noch so viele andere Berufe, in denen man arbeiten kann, bei denen es auf das Können, die Fingerfertigkeit, das Wissen oder die Stimme ankommt und nicht auf das Aussehen! Welche dieser Berufstätigkeiten würde dich interessieren? Lasse dich von Menschen beraten, die dich länger kennen und die einschätzen können, ob der Beruf etwas für dich wäre. Jedes Arbeitsamt hat einen „Sonderberater für Menschen mit Einschränkungen und Behinderungen“, der in diesem Fall weiterhelfen müsste! Beraten lassen kann man sich auch beim „Theodor-Schäfer-Bildungswerk“, das junge Menschen mit Behinderungen ausbildet (www.tsbw.de).

Selbst, wenn du dich für einen Beruf entschieden hast, der zu dir passt, ist heutzutage nicht leicht, einen Ausbildungsplatz zu finden – weder für Gesunde, noch für Kranke. Bei der Konkurrenz musst du befürchten, dass Ausbildende sich knallhart für diejenige entscheiden, von der sie sich das meiste versprechen! Oft werden Azubis heute als billige Arbeitskraft eingesetzt. In einigen Branchen wird auf die Azubis erheblicher Druck ausgeübt: Sie sollen vollwertige Leistungen erbringen und bloß nicht krank werden. So ein Ausbildungsbetrieb wäre vermutlich für dich überhaupt nicht gut!

Bei einem Bewerbungsgespräch solltest du klar machen, was du kannst bzw. was du dir zutraust. Normalerweise kann man mit einer gut eingestellten Therapie für längere Zeit erscheinungsfrei bleiben. Kannst du die Stellen nicht verheimlichen, solltest du von selbst das Thema ansprechen, damit keine peinlichen Fragen kommen. Bereite dich auf ein paar erklärende Argumente vor: Deine Psoriasis ist nicht ansteckend, behindert die Arbeit nicht, kann durch Therapie eingedämmt werden (keine längeren Krankheitszeiten), ist eben ein leider ererbtes Schicksal, das 130 Mio Menschen auf der Erde mit dir teilen.

Eine andere Möglichkeit wäre, eine rein schulische Berufsausbildung zu machen. Viele Berufe kann man auf staatlichen oder privaten Schulen erlernen. Bei manchen kann man sich sogar später selbständig machen, um nicht immer von wohlgesonnenen Arbeitgebern abhängig zu sein. Auch da müsstest du dich bei Experten sachkundig machen.

Du könntest dich auch in deinem Bekannten- und Verwandtenkreis umhören: Hat da jemand einen Betrieb oder gute Kontakte, der dich trotz Psoriasis ausbilden würde.

Wenn dir diese Informationen nicht reichen, kannst du dich an folgende Einrichtungen in deiner Nähe wenden, die dir eventuell weitere Tipps und Hinweise geben können. Du musst dich vermutlich etwas durchfragen, bis du jemanden findest, der sich mit dem Thema „Berufsausbildung für Behinderte“ auskennt. Lass dich auch von dem Begriff „Behinderte“ nicht abschrecken. Solange es jemanden gibt, der dir helfen kann, lass ihn dich einordnen, wo er will:

Bevor du dich endgültig für einen Beruf entscheidest, solltest du im Zweifel ruhig mit dem Hautarzt darüber reden, ob er Bedenken hat. Es klingt vielleicht hart, sich vom Arzt unangenehme Wahrheiten sagen zu lassen. Aber du solltest an dieses Problem mit klarem Verstand und sachlich gut informiert herangehen. Wenn du falschen Träumen nachhängst, kann es ein böses Erwachen geben.

Bildquellen

  • Angi und Sven: Zeichnung: Wanda Höpfner

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