Kinder und Jugendliche für Studie mit Fumaderm® gesucht

Seit Ende Dezember 2012 wird in einer Studie getestet, wie gut und sicher Fumaderm® bei Kindern und Jugendlichen zwischen 10 und 17 Jahren wirkt. Diese Studie ist nun bis Ende 2014 verlängert worden. Eltern können sich noch entscheiden, ihr Kind daran teilnehmen zu lassen – in knapp 20 Zentren in Deutschland. Bisher ist das Präparat nicht für Patienten unter 18 Jahren zugelassen.
 

Eltern werden sich erst dann entscheiden, ihr Kind nicht mehr äußerlich – mit Salben oder Lotionen – behandeln zu lassen, wenn die Psoriasis sehr hartnäckig bleibt und das Kind erheblich darunter leidet. Die innerlich wirkenden Mittel – Tabletten oder Injektionen – schwächen gezielt das Immunsystem. Dadurch können aber auch mehr oder weniger starke Nebenwirkungen auftreten. Das will man seinem Kind eigentlich nicht zumuten. Aber es gibt wichtige Gründe, auch bei Kindern und Jugendlichen mit Medikamenten zu therapieren, die bisher nur für Erwachsene zugelassen waren.
 
Voraussetzung ist, dass mehrere äußerliche Therapien völlig erfolglos waren. Dabei sollten UV-Bestrahlungen möglichst nicht vor dem 12. Lebensjahr eingesetzt werden. Verbreitet, aber sachlich oft unbegründet ist es, wenn Eltern sich weigern, ihr Kind für eine gewisse Zeit äußerlich mit Kortison-Präparaten behandeln zu lassen. Aber was, wenn das Kind weiterhin unter seiner starken Psoriasis leidet, wenn es ihm körperlich und psychisch damit sehr schlecht geht und es zusätzlich Probleme in seinem sozialen Umfeld hat? Dann werden Eltern sich mit stärker wirkenden Medikamenten auseinandersetzen müssen.
 
Seit einigen Jahren gehen viele Mediziner davon aus, dass Kinder und Jugendliche, deren Psoriasis nicht oder schlecht behandelt wird, im Alter schwerwiegende Begleiterkrankungen bekommen können.
 
Verbreitet sind vor allem Magen-Darm-Probleme, Hitzewallungen und eine Abnahme der Lymphozyten- oder Leukozyten-Anzahl. Um diese bekannten Risiken zu verringern, werden Dosierung angepasst und Blutwerte regelmäßig kontrolliert. Mit dem Wirkstoff gibt es seit 20 Jahren breite praktische Erfahrung. Obgleich bei Erwachsenen Fumaderm® in Deutschland das am häufigsten verordnete innerliche Präparat ist, brechen auch viele Patienten die Therapie wegen der unangenehmen Nebenwirkungen ab.
 
Fumaderm® ist bisher nur für Erwachsene zur Behandlung der Psoriasis zugelassen. Der Hersteller Biogen Idec will das jetzt auch für Kinder und Jugendliche mit mittelschwerer oder schwerer Psoriasis erreichen. Dazu kann er nur Studienteilnehmer in Deutschland suchen, weil Fumaderm® in anderen Ländern nicht zugelassen ist.
 
Wer sich genauer informieren oder anmelden will, kann das unter der Telefonnummer 0800 36 36 400 oder per E-Mail unter kifuderm@4sigma.de – Stichwort „KIFUderm“ tun.

Einschätzung

Fumaderm® ist bei Erwachsenen fraglos ein wirkungsvolles Medikament. Eltern, die ihr Kind an dieser Studie teilnehmen lassen, geben ihm die Chance, schon jetzt mit dessen Wirkstoff behandelt zu werden und dabei sehr umfassend betreut zu werden. Selbst, wer in den ersten 20 Wochen ein Placebo erhält, wird danach garantiert mit dem Wirkstoff behandelt. Es bleibt gerade bei diesem Wirkstoff das Risiko, dass die jungen Probanden vor allem peinliche Magen- und Darmprobleme bekommen. Da müssen die Eltern, aber vor allem das Kind gut darauf vorbereitet sein. Auch muss geklärt werden, wie man damit umgeht, wenn sich Hoffnungen nicht erfüllen – entweder wegen des Placebos oder, weil das Medikament  nicht so gut anschlägt. Eltern, aber vor allem das Kind verbinden mit der Studien-Teilnahme sicherlich hohe Erwartungen.
 
Diese Studie mit Kinder und Jugendliche hat aus unserer Sicht einen Beigeschmack: Es gab bereits Studien für ein verträglicheres Fumarsäure-Präparat mit dem alleinigen Wirkstoff Dimethylfumarat. Unter dem Markennamen Panaclar® sollte es für Deutschland schon vor fast zehn Jahren zugelassen werden. Dann wurde der Antrag aber von Biogen Idec zurückgezogen. Das hätten auch junge Psoriatiker sicherlich besser vertragen. Zur Zeit laufen neue Studien mit diesem Dimethylfumarat als Psoriasis-Wirkstoff von andere Firmen. Weitere Details dazu zum Beispiel hier.
 rb
Über Rolf Blaga 115 Artikel
Rolf Blaga hat bis 2012 als Studienrat in Berlin am Oberstufenzentrum Gesundheit unterrichtet. Seit 1993 ist er aktiv in der Psoriasis-Selbsthilfe tätig, sowohl regional im Psoriasis Forum Berlin als auch überregional in der Psoriasis Selbsthilfe Arbeitsgemeinschaft.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*