Was sage ich bloß?

Angi und SvenDu bist zwischen 13 und 18 und hast Schuppenflechte? Dann kennst Du bestimmt Fragen wie diese:

  • Wie reagiere ich, wenn Leute mich wegen meiner Pso fragen oder auch nur anstarren?
  • Was mache ich, wenn ich deshalb von anderen aufgezogen oder geärgert werde?
  • Wie soll ich mich dagegen wehren, wenn die nichts mit mir zu tun haben wollen?
  • Wie sage ich es jemanden, mit dem ich das erste Mal in Schwimmbad gehen will?
  • Wann erzähle ich von meiner Pso, wenn ich jemanden neu kennen lerne oder mit jemand intim werden will? Wer soll mich denn, so wie ich aussehe, lieben?

Nicht jede oder jeder von euch wird es (gleich) schaffen, offensiv damit umzugehen. Viele schämen sich für ihre sichtbaren Psoriasis-Stellen und versuchen sie, krampfhaft zu verbergen. Das kann aber nur eine Zeitlang gut gehen. Du kannst dich nicht ewig vor den Blicken der anderen verstecken: Beim Sport, im Schwimmbad, an heißen Tagen und nicht zuletzt beim Sex ? irgendwann werden andere doch die Stellen sehen. Wenn du immer versuchst die Pso nur zu verstecken, bist du ständig unsicher. „Nur keine falsche Bewegung, damit nicht zu sehen ist!“ Anderen fällt es dann umso leichter, dich damit aufzuziehen oder sogar zu mobben.

Bevor du übst, mutig darüber zu reden, musst du dir erst einmal klar machen, dass Krankheiten auch unter Jugendlichen heutzutage völlig normal sind. Manche sieht man, manche nicht. Schau dich doch um! Viele deines Alters haben irgendetwas: Neurodermitis, Allergien, Heuschnupfen, Asthma, Akne, eine Zahnspange oder eine Brille. Andere wippen nervös mit den Beinen oder sind zu viel zu dick. Eine Krankheit kann überhaupt nie peinlich sein, weil normalerweise niemand dafür kann.

Gutes Aussehen ist angeblich absolut wichtig. Jedenfalls wenn du der Werbung glaubst. Oder denjenigen, die nicht mehr drauf haben, als auf Äußerlichkeiten zu achten. Wer da nicht mithalten kann, wird gnadenlos ausgegrenzt und darf sich mies fühlen. Lass‘ dir bloß nicht einreden, man ist nur wer, wenn man makellos und gut aussieht. Guck sie dir doch an, die Modepuppen. Willst du wirklich so werden, wie viele von ihnen? Schönheit vergeht, Dummheit bleibt. Und alle die Jugendlichen um dich herum. Die sind doch nicht a l l e ernsthaft verdächtig, einen Schönheitswettbewerb zu gewinnen! Auch Dicke bekommen Freunde und Partner.

Die tun so, als würden nur Menschen mit einem perfekt gestylten Körper etwas taugen. Viele Stars haben doch nur deshalb eine „makellose“ Haut, weil es Schminke gibt. Viele Models sehen deshalb nur so perfekt aus, weil sie extrem hungern oder sich haben operieren lassen. Wer sieht denn natürlicherweise so aus, wie diese „Schönheits-Zombies“? Wenn jemand dich nur wegen deines Aussehens mag, kannst du mit dem sowieso nicht viel anfangen.

Lass dir wegen der Schuppenflechte nicht dein Selbstbewusstsein kaputt machen! Wer dich wegen deiner Hautstellen aufzieht, weiß im harmlosen Fall nichts über Krankheiten oder hat nie darüber nachgedacht. Ätzend sind diejenigen Typen, die sich gerne einen Schwächeren aussuchen, damit sie ihn fertig machen können. Die haben meistens nicht mehr zu bieten, als ihre Einbildung, tolle Typen zu sein. Da heißt es, wachsam zu sein, denn die können gefährlich werden! Gehe denjenigen aus dem Weg, die glauben, dich wegen deiner Psoriasis kleinmachen zu dürfen. Auch wenn du dann eine Zeitlang etwas einsamer bist.

Wenn du jemanden neu kennen lernst, musst du nicht sofort über die Schuppenflechte reden – vor allem nicht, wenn man sie nicht offensichtlich sieht. Warte doch erst einmal ab, ob die Freundschaft sich weiter entwickelt. Du könntest nebenbei auch darüber berichten, dass du beim Hautarzt oder im Internet-Chat warst. „Ach, hatte ich dir noch nicht erzählt, dass ich Psoriasis habe?“ Das ist dann der Test, ob die neue Freundin oder der neue Freund es Wert sind, mit dir zusammen zu sein. Wer sich davor ekelt und dich deshalb verlässt, passt sowieso nicht zu dir.

Wenn dich jemand wegen deiner Psoriasis anspricht, erkläre sie ihm ganz offen. Übe vorher, was du antwortest, wenn dich jemand darauf anspricht: „Die Krankheit heißt ,Psoriasis?.“ (Betonung auf dem ersten i). „Keine Angst, sie ist nicht ansteckend, sondern vererbt. Manchmal juckt es so stark, dass ich mich ständig kratzen muss. Ich finde auch, dass sie nicht schön aussieht! Aber wer ist schon perfekt? Auch andere haben Krankheiten. Sind sie deshalb schlechtere Menschen? Es kommt auf den Charakter an und nicht darauf, wie jemand aussieht. Die Psoriasis wird mich jedenfalls nicht davon abhalten, das zu machen, was ich mir vorgenommen habe!“

Suche dir Verbündete: deine Eltern, deine engsten Freunde, eine Lehrerin, einen Chef oder eine Kollegin, den Trainer. Dann kann man gemeinsam überlegen, wie man andere am besten über die Krankheit aufklärt bzw, wie man dumme Sprüche abwehrt.

Du bestehst nicht nur aus deiner Psoriasis. Setze dir kurz- und langfristige Ziele für die Schule, den Sport oder andere Hobbys, für gemeinsame Pläne mit der Familie oder Freunden. Ehrgeiz kann Grübeln und Selbstzweifel überdecken. Finde heraus, was dir gut tut! Dann findest du auch Gleichgesinnte. Wer mit mir etwas unternehmen will, wer sich von dir etwas ausleihen oder helfen lassen möchte, wer auf dein Fest kommen will, der muss mich so akzeptieren, wie du bist.

Leicht kann man sagen: Du bestehst n i c h t nur aus deiner Schuppenflechte, sondern bist ein Mensch mit vielen anderen Fähigkeiten. Du kannst etwas und du willst etwas. Für viele ist das ein schwerer Weg, so viel Selbstbewusstsein zu entwickeln. Aber: Wer nicht dafür kämpft, hat schon verloren. Wer sich aber anstrengt, kann gewinnen: sein Selbstbewusstsein, Freunde und Partner.

Bildquellen

  • Angi und Sven: Zeichnung: Wanda Höpfner

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