Gen erhöht das Risiko für Neurodermitis

Forscher des Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch und der Kinderklinik der Charité haben ein Gen entdeckt, das Neurodermitis auslösen kann, wenn es mutiert ist. Dr. Cilla Söderhäll und Professor Young-Ae Lee fanden heraus, dass das Gen bei Patienten mit Neurodermitis in den Zellen der äußeren Hautschicht nur unvollständig angeschaltet wird.

Neurodermitis ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die oft mit Allergien einhergeht. In den industrialisierten Ländern ist bis zu jedes Fünfte Kleinkind davon betroffen. In den meisten Fällen bricht die Neurodermitis bereits in den ersten Lebensmonaten und -jahren auf. Häufig ist sie ein erstes Anzeichen für die Entwicklung weiterer allergischer Erkrankungen wie Asthma oder Heuschnupfen. Verwandte von Neurodermitikern haben ein erhöhtes Risiko, ebenfalls zu erkranken – besonders, wenn ein bestimmter Teil der DNA vom Erbgut der Mutter stammt.

Das Gen, das die Forscher COL29A1 nennen, enthält die Bauanleitung für das neu entdeckte Protein Kollagen 29. Für ihre Forschungen hatten die Wissenschaftlerinnen fast 500 Familien mit 908 an Neurodermitis erkrankten Kindern genetisch untersucht. Sie entdeckten, dass erkrankte Kinder besonders häufig bestimmte genetische Varianten des Gens ererben. Solche Varianten erhöhen das Risiko, an Neurodermitis zu erkranken.

Im Gegensatz zu anderen Kollagenen ist das Kollagen 29 in der Haut von gesunden Menschen nur in der äußersten Schicht – der so genannten Epidermis – aktiv. “Neurodermitis-Patienten hingegen fehlt das Kollagen 29 in den äußeren Hautschichten”, erläutert Professor Lee, Leiterin der Forschungsgruppe.

Noch ist unklar, welche Funktion Kollagen 29 in der Epidermis hat. Die Forscher vermuten jedoch, dass Kollagen 29 einerseits den Zusammenhalt der Epidermiszellen und andererseits auch die Wanderung von Abwehrzellen in der Epidermis beeinflusst und somit bei der Schutzfunktion der Haut vor äußeren Einflüssen wie etwa Kälte oder Hitze und der Abwehr von Erregern eine wichtige Rolle spielt.

Die neuen Erkenntnisse basieren auf einer früheren Studie von Professor Lee, in der sie in Zusammenarbeit mit Forschern aus der Bundesrepublik, Schweden, Italien und den Niederlanden die Region für das Neurodermitis-Gen auf Chromosom 3 lokalisiert hatte.

Ihre Forschungsergebnisse hat jetzt die Fachzeitschrift PloS Biology veröffentlicht.

idw/cl

Quelle: Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin Berlin-Buch

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