Immunsystem beweist Nervenstärke

Die Systeme unseres Körpers sind wie Abteilungen eines Orchesters, die vom Gehirn dirigiert werden. Doch wie genau sendet das Gehirn, das zum Zentralnervensystem gehört, seine Botschaften direkt an andere Systeme? Während Nervenzellen durch Neurotransmitter miteinander kommunizieren, unterhalten sich die T-Zellen des Immunsystems beispielsweise durch völlig andere molekulare Botenstoffe, von denen die Zytokine die wichtigsten sind.

Dr. Mia Levite von der Abteilung Immunologie des Weizmann Instituts hat entdeckt, dass es tatsächlich eine direkte Kommunikation zwischen Nerven- und Immunsystem gibt. In einer Studie, die kürzlich in Proceedings of the National Academy of Sciences erschien, wies sie erstmals nach, dass Neurotransmitter die Ausschüttung von Zytokinen aus T-Zellen „anordnen“ können. Das erklärt teilweise, wie Zellen des Immunsystems vom Gehirn aktiviert werden können, selbst wenn klassische immunologische Auslöser wie Bakterien oder Viren fehlen. Durch das Abhören des molekularen Dialogs könnten Wissenschaftler neue Einsichten darüber gewinnen, wie Informationen, die von den Nerven wahrgenommen werden, sich auf das Immunsystem auswirken und es auf neue Situationen, zum Beispiel Stress, reagieren lassen.

Die Untersuchung von Mia Levite könnte außerdem die schnelle Aktivierung von T-Zellen durch das Nervensystem erklären, da Neurotransmitter ihre Botschaften extrem schnell überbringen. So könnte unser körperweites Nervensystem als Super-Datenautobahn des Immunsystems fungieren, das die Koordination zwischen verschiedenen, voneinander isolierten Komponenten fördert. Interessanterweise fand Levite heraus, dass T-Zellen, wenn sie vom Nervensystem aktiviert werden, bestimmte Arten von Zytokinen ausschütten können, deren Ausschüttung normalerweise unzulässig ist.

Diese Erkenntnis ist für das Verständnis und möglicherweise eines Tages für die Behandlung von Krankheiten wichtig, in denen das empfindliche Gleichgewicht zwischen unterschiedlichen Zytokinen gestört ist, beispielsweise in zahlreichen Autoimmunkrankheiten wie Multiple Sklerose und Kinderdiabetes.

Quelle: idw – Informationsdienst Wissenschaft, Pressemitteilung des Weizmann Instituts

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