Hoffnung auf Emu-Öl

Hoffnung auf Emu-Öl-Boom wegen antientzündlicher Wirkung

Für die Ur-Einwohner Australiens waren Emus nicht nur eine begehrte Fleischquelle, sie gewannen auch Öl aus den flugunfähigen Vögeln. Damit heilten sie Wunden, linderten Schmerzen und behandelten Arthritis-Kranke. Jetzt suchen australische Forscher nach einem entzündungshemmenden Wirkstoff im Fett des Riesenvogels.

Die Aborigines wickelten die Haut des Emus um eine Wunde und schickten die Patienten in die Sonne, damit sich das Fett verflüssigte, oder sie hingen die Haut des Emus an einen Baum und sammelten dann das flüssige Öl. Die Ausbeute war ergiebig: Bis zu zehn Kilogramm Fett trägt ein Emu mit sich, hauptsächlich am Rücken und um den Darm. Die ersten weißen Siedler nutzten ebenfalls früh das Öl des Tieres. Seit über 140 Jahren gilt es unter den Einwandern und ihren Nachfahren als Mittel gegen Psoriasis, trockene Haut, Muskel- und Gelenkschmerzen.

„Es gibt viele Berichte, wonach Emu-Öl bei rheumatischer Arthritis wirkt, aber bisher fehlt ein wissenschaftlicher Beweis für die Wirksamkeit“, so Professor Tony Ferrante vom Frauen- und Kinderhospital im australischen Adelaide. Immerhin: Bei einer Studie, in denen Forscher bei Mäusen Ohrentzündungen erzeugten, konnten die Schwellungen und Ödeme bei den Tieren deutlich verringert werden, wenn die Nager mit Emu-Öl behandelt wurden (Am J Vet Res 60, 1999, 1558).

Ferrante will jetzt mit seiner Arbeitsgruppe nach einer entzündungshemmenden Komponente im Emu-Öl suchen. Chemische Analysen hatten bereits ergeben, daß das Öl anti-oxidatives Vitamin E, Vitamin A, antiseptische Terpene und Haut-glättende Sapogene enthält. Der Forscher will jetzt geziehlt in vivo und in vitro die anti-entzündlichen Eigenschaften testen und nach den aktiven Bestandteilen fahnden. Erste Hinweise auf eine aktive Komponente des Öls habe er bereits. Er vermutet eine Fettsäure als anti-rheumatischen Wirkstoff. Bis er aussagekräftige Ergebnisse habe, werde es aber noch ein paar Jahre dauern, so Ferrante.

Interesse an dem Projekt haben auch die etwa 150 australischen Emu-Farmer. Für sie ist das Öl noch vor dem Emu-Fleisch der wichtigste Rohstoff. Emu-Öl-Bestandteile werden auch für Sonnenschutz- und Feuchtigkeitscremes verwendet. Sollte ein entzündungshemmender Faktor in dem Öl nachgewiesen werden, dann hoffen die Farmer auf einen neuen Emu-Boom in Australien.

Auch nach Europa werden bereits Emu-Öl-Produkte exportiert. Das Öl selbst gibt es in Deutschland noch nicht, sagte eine Sprecherin der Klinik in Adelaide zur „Ärzte Zeitung“.

Quelle: Ärzte Zeitung, 08.11.2000

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