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Erforscht: Kratzen kann Erlösung sein

Was beim Kratzen im Gehirn passiert

In alten Lehrbüchern lasen angehende Hautärzte lange, dass Schuppenflechte eher selten mit Juckreiz verbunden ist. Diese Meinung ist inzwischen revidiert, und viele Menschen mit Schuppenflechte wissen: Der Juckreiz gehört mit zum schlimmsten, was so eine Psoriasis mit sich bringen kann. Nun haben US-Forscher mal dem Gehirn zugeschaut, was dort während des Kratzens eigentlich passiert.

Wissenschaftler an der Wake Forest University Baptist in Winston-Salem (USA) steckten (gesunde) Freiwillige in einen Magnetresonanztomographen und kratzen sie alle 30 Sekunden für wiederum 30 Sekunden mit einer Bürste am Bein, und das insgesamt fünf Minuten lang. Dabei schauten sie also dem Gehirn zu.

"Zu unserer Überraschung waren während des Kratzens genau die Bereiche des Gehirns weniger aktiv , die mit Widerwillen und unangenehmen Gefühlen oder Erinnerungen verbunden sind", sagt der Leiter der Untersuchung, Gil Yosipovitch. "Wir wussten, dass das Kratzen angenehm ist, aber wir wussten nicht, warum", so Yosipovitch. "Es ist möglich, dass das Kratzen die emotionale Komponenten von Juckreiz unterdrückt und ihm Entlastung bringt."

Das Gehirn arbeitete während des Kratzens weniger, und zwar an zwei Stellen im cingulären Cortex - zum einen in einem Bereich, der mit Aversionen und unangenehmen sensorischen Erfahrungen verbunden ist, und zum anderen in einem Bereich, der mit Erinnerungen verbunden ist. Immer, wenn bei den Teilnehmern das Kratzen am intensivsten war, war die Aktivität in diesem Gehirnbereich am geringsten.

Die Versuchspersonen berichteten dem Kratz-Forscher Yosipovitch auch, dass eigentlich nur intensives Kratzen gegen den chronischen Juckreiz geholfen hat - ausdrücklich nur das Kratzen bis aufs Blut.

"Natürlich ist das Kratzen nicht zu empfehlen, denn es verletzt die Haut", so Yosipovitch, "aber wir verstehen, wie der Prozess funktioniert, das könnte zu neuen Behandlungsmöglichkeiten führen." So könne er sich Medikamente vorstellen, die den beobachteten Teil des Gehirns lahmlegen.

Die Forscher sahen außerden, dass während des Kratzens einige Bereiche des Gehirns aktiver waren - unter anderem einer, der mit Schmerz verbunden ist, und einer, der mit zwanghaftem Verhalten verbunden ist. "Das könnte erklären, warum man das Kratzen nicht sein lassen kann", sagt Yosipovitch.

Deutsche Forscher beschäftigen sich ebenfalls intensiv mit dem Thema Juckreiz . Professor Sonja Ständer an der Uniklinik Münster hat an der eine eigene Sprechstunde zu diesem Thema ins Leben gerufen. cl

Quelle: Information der Wake Forest University Baptist, Winston-Salem

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