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Wie hautkranke Kinder mit Hänseleien umgehen können

Kinder mit Hautkrankheiten sind oft diskriminierenden Bemerkungen ihrer Spielkameraden und Mitschüler ausgesetzt. Wie sollen die kleinen Patienten - und ihre Eltern - mit der Diskriminierung umgehen? Wichtig ist vor allem die Aufklärung des Kindes über seine Krankheit und die Bildung eines gesunden Selbstbewusstseins - was voraussetzt, dass das Kind die Erkrankung akzeptiert.

Viele hautkranke Kinder kommen irgendwann mal aus der Schule nach Hause und erzählen, dass sie nicht mehr in die Klasse gehen wollen, weil andere Kinder sie hänseln. Die Haut sähe so eklig aus und niemand wolle in der Klasse neben einem sitzen. Die anderen fürchteten, sich anzustecken.

Dr. Thomas Rosenbach, Hautarzt aus Osnabrück und Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Deutschen Psoriasis Bundes, , kennt viele Fälle aus seiner Praxis. "Wichtigstes Ziel der Therapie bei Kindern und Jugendlichen ist die effektive Besserung des Hautbildes, vor allem an den sichtbaren Stellen wie Gesicht, Kopfhaut und Händen", so Rosenbach. "Neben Salben oder Tabletten muss es auch eine rückfettende Hautpflege geben."

Seelische Belastungen, die den diskriminierenden Äußerungen anderer Kinder folgen, können die Hautstellen verschlechtern. "Fast ebenso wichtig wie eine Therapie der Krankheit an sich ist die seelische Stärkung des Kindes, aufbauend auf der Aufklärung über seine Krankheit", weiß Rosenbach.

Weder Psoriasis noch Neurodermitis sind ansteckend. Vielmehr in es das Immunsystem, das die Hauterneuerung zu falsch verstandenen Höchstleistungen anfeuert. Mit diesem Wissen kann das betroffene Kind seinen Klassenkameraden begegnen und sie über die Krankheit aufklären.

"Das Kind muss auch wissen, dass die Schuppenflechte nie vollständig weichen wird und die Haut mal mehr, mal weniger gesund erscheint", empfiehlt Rosenbach Strategien für das gehänselte Kind.

Eltern sollten nach seiner Meinung erst einschreiten, wenn die Hänseleien überhand nehmen und das Kind darunter erheblich leidet. Dabei dürfe nicht außer Acht gelassen werden, dass Hänseleien unter Kindern immer einmal vorkommen; ein Kind mit Psoriasis oder Neurodermitis könne durch diese Art der Konfrontation Durchsetzungsvermögen entwickeln - besonders dann, wenn es in der Situation ruhig und sachlich über seine Krankheit informiert und sich nicht völlig zurückzieht oder gar aggressiv wird. 

Die angebrachte Reaktion bei Hänseleien können Kinder beispielsweise in Rollenspielen im Rahmen einer Neurodermitis-Schulung erlernen. "Für Kinder mit Psoriasis besteht diese Möglichkeit bislang nicht, weil die Kassen bislang nicht die Kosten übernehmen", so Rosenbach.

Doch auch beim Hautarzt können betroffene Kinder einige "Tricks" erfahren, wie sie mit ihrer Krankheit im alltäglichen Leben besser umgehen können. "Da viele Hauterkrankungen mit massivem Juckreiz einhergehen, die Kinder sich häufig wund kratzen und das Hautbild sich so noch weiter verschlechtert, muss das Kind Strategien erlernen, sich bei auftretendem Juckreiz nicht zu kratzen. Stattdessen soll es die betreffende Stelle großflächig mit der Hand drücken. Oder aber sich kneifen, um den Juckreiz mit der Schmerzreaktion quasi zu übertönen", rät Rosenbach. 

Für gänzlich falsch hält Rosenbach Strategien, die Hautkrankheit zu verstecken, denn so werde das Kind nie lernen, mit der Krankheit und den damit verbundenen Herausforderungen klar zu kommen.

BVDD/cl 

Foto: HIG / Fotolia

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Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 10. Juli 2011 um 18:31 Uhr