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PSO aktuell

Zwischen Sonnennutz und Sonnenschutz
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Studien bestätigen die Heilkraft von UV-Strahlen - doch viele Menschen riskieren Hautschäden

Von Silvia Plahl

«Nichts schöner unter der Sonne als unter der Sonne zu sein», befand die österreichische Schriftstellerin Ingeborg Bachmann. Einer Erhebung des Umfrage-Instituts Emnid zufolge setzen 57 Prozent der Deutschen Sonnenbräune mit Schönheit gleich. Patienten mit Schuppenflechte oder Neurodermitis werden mit Sonnenkuren am Toten Meer erfolgreich behandelt. Studien zur so genannten Heliotherapie belegen außerdem, dass das Sonnenlicht etwa auf Sportler oder auch auf Schulkinder leistungssteigernd wirkt.

Doch die Sonne ist für die Menschheit Segen und Fluch zugleich. Dieses Resümee ziehen Haut- und Badeärzte, Naturheilkundler und Physiker mit zunehmendem Nachdruck. Sie positionieren sich als streitlustige Warner oder Befürworter des Sonnenlichts. Ihr Fazit ist jedoch ein gemeinsames: Es gilt, die Heilkraft der Sonne verstärkt zu nutzen und sich gleichzeitig vernünftig vor ihr zu schützen.

«Ganz entschieden glaube ich, dass das Sonnenlicht Krankheiten vorbeugen kann, wie auch die Behandlung kranker Menschen damit in verschiedenen Fällen sinnvoll ist», sagt Professor Malte Bühring, der Deutschlands einzigen Lehrstuhl für Naturheilkunde - am Universitätsklinikum Benjamin Franklin (UKBF) - innehat. Er verweist darauf, dass mit normal dosierter UV-Bestrahlung zum Beispiel krankhaft erhöhter Blutdruck abzumildern oder gar zu verhindern ist. Entsprechende Untersuchungen in seiner Klinik konnten dies bestätigen. Sonnenlicht hilft nachweislich auch zur Abwehr von Erkältungskrankheiten, die im Sommer sowieso seltener auftreten. Und ganz wichtig ist für Bühring die Vorbeugung des Knochenschwunds, der Osteoporose. Ihr wirkt die durch das Sonnenlicht mögliche Anregung des Vitamin-D-Stoffwechsels in der Haut effektiv entgegen. Denn Vitamin D stabilisiert die Knochen.

Der Professor für Naturheilkunde empfiehlt daher ausdrücklich die Sonnenbestrahlung - solange es dabei zu keiner Hautreizung bzw. -rötung kommt. Den nur vor Hautkrebs warnenden Dermatologen wirft er vor, sich nicht um die anderen medizinischen Disziplinen zu kümmern. «Wo vieles dafür spricht, dass andere bösartige Tumoren wie etwa Brustkrebs und Dickdarmkrebs durch Sonne verhindert werden können bzw. seltener werden», so Bühring. Zurzeit würden auch entsprechende Studien zum Prostatakarzinom vorgelegt. Dermatologen wie Professor Ekkehard Breitbart (Buxtehude) legen hingegen Wert auf die Unterscheidung zwischen Licht und UV-Strahlung: So habe das Sonnenlicht zwar viele «biopositive Effekte» etwa auf die Stimmung. Die UV-Strahlung sei jedoch nur für die Vitamin-D-Bildung wichtig und wirke bei falscher Anwendung deutlich schädlich. Und genau hier liegt für Breitbart, der nationalen und internationalen Kommissionen zur Hautkrebs-Prävention vorsteht, das Problem: «Die Risikoakzeptanz des Einzelnen ist zu hoch. Die Leute liegen nackt acht Stunden am Strand, das ist zu viel. Für einen Weißhäutigen sind am Tag zur Mittagszeit zehn bis 15 Minuten UV-Strahlung völlig ausreichend.»

Der Hautarzt konzentriert sein Augenmerk deshalb auf die primäre wie die sekundäre Prävention. Primär geht es darum, die Bevölkerung darüber zu informieren, dass etwa die UV-Strahlung Hautkrebs hervorrufen kann, und dass man mit Hautschutz hilft, dessen Entstehung zu vermeiden. Sekundär sollte die Bevölkerung wissen, dass man Hautkrebs ganz früh erkennen und dann auch heilen kann. Breitbart startete dazu eine Info-Kampagne mit einem großen deutschen Reiseveranstalter. Gemeinsam wurden Broschüren entwickelt, die die Kunden bei Buchung schon über die Sonnenverhältnisse am Urlaubsort aufklären. Spots in den Flugzeugen und weitere Broschüren in den Ferienhotels runden die Kampagne ab.

Statistiken zufolge sterben zwei von 100 000 Menschen im Jahr an Hautkrebs. Das sind allerdings keineswegs nur Menschen, die ständig an der Sonne waren. Sie können auch Melanome zwischen den Zehen, unter den Nägeln oder an der Wangeninnenseite haben. «Es gibt keine allgemein überzeugenden Hinweise darauf, dass das Melanom in erster Linie von der Sonne kommt», unterstreicht dabei Prof. Bühring. Die Ursachen für diese Tumorform seien nach wie vor noch nicht eindeutig geklärt.

Um Schaden von der Haut fern zu halten, greifen Millionen von Menschen zu Sonnenschutzmitteln. Doch diese vermitteln oft nur eine trügerische Sicherheit. Der Lichtschutzfaktor der Cremes und Lotions gibt an, wie hoch der Schutz durch das Mittel vor Sonnenbrand ist, also um wie viel länger man mit Schutz in der Sonne bleiben kann als ohne. Die Eigenschutzzeit eines Europäers liegt bei etwa fünf bis 15 Minuten. Eine Eigenschutzzeit von zehn Minuten plus Lichtschutzfaktor 15 bedeutet demnach 150 Minuten. Hautärzte raten allerdings, diese Zeit nicht auszureizen. Und: Ab Lichtschutzfaktor 20 ist die Rechnung überflüssig, denn der Schutz ist nicht bis ins Unendliche zu steigern.

Auch richtet sich die Empfindlichkeit der Haut nach dem lokal vorherrschenden so genannten UV-Index. So stellt Dr. Manfred Steinmetz vom Bundesamt für Strahlenschutz zufolge der UV-Index als international harmonisierte Größe die maximale sonnenbrandwirksame Strahlung am Tag dar. Das in Salzgitter beheimatete Bundesamt veröffentlicht dazu im Internet den jeweils aktuellen UV-Index für verschiedene Regionen in Deutschland (auch speziell für Berlin, Adresse s. unten). Den besten Sonnennutz und -schutz geben sich die Menschen durch eine vernünftige Dosierung, darin sind sich die Experten einig. Auch der Naturheilkunde-Mediziner Prof. Bühring möchte den mündigen Patienten im Zentrum stehen sehen: «Die Menschen sollten bei aller Vorsicht jedoch auch daran denken, regelmäßig an die frische Luft zu gehen und Sonnenhygiene als Element der Gesundheitsvorsorge begreifen.»

Quelle: Berliner Morgenpost, 16. Mai 2001

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Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 02. Juni 2007 um 07:54 Uhr