Neuer Ratgeber für Psoriatiker

broschuere_pierrefabreIm Herbst 2007 hat die Pierre Fabre Dermo-Kosmetik GmbH einen eigenen Ratgeber für Menschen mit Schuppenflechte herausgegeben. Die Broschüre gibt einen Überblick aller aktuell als wichtig erkannten Aspekte der Krankheit. Deshalb ist sie nicht nur interessant für Menschen, die sich neu über Psoriasis informieren wollen.

Die Firma ist seit einiger Zeit mit Produkten für Psoriatiker auf dem Markt. So bietet sie einen kortisonhaltigen verschreibungspflichtigen Schaum („Clarelux“), an, mit dem die Kopf-Psoriasis behandelt werden kann. Außerdem hat sie Pflege- und Reinigungsprodukte, die speziell für Psoriatiker ausgewiesen werden. Die Broschüre kann man auf dieser Seite herunterladen (PDF).

Kommentar

Auf den ersten Blick fallen mir die freundlichen Zeichnungen auf. Passend zu jedem Thema ist der Text damit aufgelockert. Das unterscheidet die Broschüre von anderen, die schwerere Psoriasis-Fälle mit bedrückenden Fotos dokumentieren. Hier wird dem Leser nicht Angst, sondern Mut gemacht. Klar erfährt man, dass man Psoriasis meist ein Leben lang haben wird und lernen sollte, damit umzugehen.

Alles, was zurzeit im Zusammenhang mit der Psoriasis diskutiert wird, ist sachlich und korrekt angesprochen. Das ist die Stärke des Textes. Besonders gefallen hat mir der Hinweis, die eigene Krankenkasse direkt nach Unterstützungsmöglichkeiten zu fragen. Man muss sich nicht alles selbst heraussuchen.

Aber das Heftchen hat auch Schwächen. Zuerst ist mir die Sprache aufgefallen. Der Text ist sehr konzentriert. Ich empfinde ihn oft als zu steif. Der Autor (der namentlich leider nicht genannt wird) rutscht dabei immer wieder ins Mediziner-Deutsch. Manchmal wird das irgendwo im Text erklärt. Oft bleibt der medizinische Laie damit allein. Nur, wer sich mit dem Thema schon beschäftigt hat, versteht auf Anhieb, was gemeint ist. So könne die erstmalige „Manifestation“ der Psoriasis durch ein „Arzneimittel-Exanthem“ „getriggert“ sein und durch eine „Lokaltherapie“ mit „Lokalkortikoiden“ behandelt werden. Alles klar?

Die Behandlung der Psoriasis mit äußerlich und innerlich wirkenden Medikamenten wird unterschiedlich ausführlich beschrieben. Die Wirkstoffe, die geschluckt, gespritzt oder über einen Tropf aufgenommen werden, sind umfassend beschrieben – auch ihre Nebenwirkungen. Bei den äußerlich anzuwendenden Wirkstoffen ist der Text auffällig zurückhaltender.

Zum Thema Kortison wird nur auf das „potenteste Kortikoid“ hingewiesen, das im Kopfschaum der Firma enthalten ist. Damit bleibt ungesagt, wie viele verschiedene Möglichkeiten es gerade bei äußerlichen Kortisonprodukten gibt. Es wird nicht deutlich darauf hingewiesen, dass sie nur wenige Wochen angewendet werden „dürfen“ (außer auf dem Kopf). Leider bleibt unerwähnt, dass man sich aus einer Kortison-Behandlung „ausschleichen“ muss, weil die Psoriasis sonst stärker als vorher auftritt („Rebound-Effekt“).

Für weiterführende Informationen wird leider fast nur auf Internet-Seiten hingewiesen. Es fehlen die korrekten Bezeichnungen der Patienten-Organisationen. Internationale Psoriasis-Verbände sind nicht für Patienten gedacht, sondern für Psoriasis-Vereinigungen.

Bei normalem Lampenlicht konnte ich die schwach gelb gedruckten Zwischenüberschriften kaum lesen. Hier sollte bei einer Neuauflage etwas kräftigere Farbe spendiert werden.

Die Broschüre ist, trotz der genannten Schwächen, lesenswert. Aber sie kann ein ausführliches Fachbuch für Patienten nicht ersetzen – und vor allem nicht die aktuellen Informationen, zum Beispiel hier im Psoriasis-Netz.

Über Rolf Blaga 115 Artikel
Rolf Blaga hat bis 2012 als Studienrat in Berlin am Oberstufenzentrum Gesundheit unterrichtet. Seit 1993 ist er aktiv in der Psoriasis-Selbsthilfe tätig, sowohl regional im Psoriasis Forum Berlin als auch überregional in der Psoriasis Selbsthilfe Arbeitsgemeinschaft.

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