Rundschau: Salzgrotten, Cremes, mündige Patienten

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In der „Rundschau“ weisen wir auf Beiträge in den Weiten des Internets hin. Darin geht es – neben der Psoriasis – um Gesundheit und Gesellschaft im weitesten Sinne.

Salzgrotten und ihre Wirkung bei Schuppenflechte
(test, Dezember 2014)

Stiftung Warentest hat sich der Salzgrotten angenommen. Manche Betreiber behaupten gern, dass die auch bei Schuppenflechte helfen könnten. Aber:

Auch was den medizi­nischen Nutzen angeht, ist vieles unklar: Die bisherigen Studien haben oft metho­dische Schwächen und können die Wirk­samkeit nicht zweifels­frei belegen. Das hat auch juristische Folgen. So entschied das Ober­landes­gericht Hamm: Werbung mit der Heil­kraft von Salz­grotten ist wegen unzu­reichender Belege unzu­lässig.

Zitiert wird der Haut­arzt Bernd Salzer vom Berufs­verband der Deutschen Dermatologen:

Bei Krankheiten wie Neuroder­mitis oder Schuppenflechte könne sich feuchter Salz­nebel positiv auf die trockenen Haut­stellen auswirken. (…) Allerdings seien dafür mindestens 80 Prozent Luft­feuchte nötig. Auch müsse die nackte Haut direkt mit dem Nebel in Berührung kommen. Beides trifft auf künst­liche Salz­grotten nicht zu: Hier liegt die Luft­feuchtig­keit bei etwa 50 Prozent und Besucher bleiben angezogen.

Was passiert mit dem Fett aus Fettcremes in der Haut?
(Leonardo, 20.11.2014)

Fettcremes sind zur Pflege der Haut bei Psoriasis spätestens im Winter keine so schlechte Idee. Die Wissens-Sendung Leonardo erklärt, was bei Kosmetik-Cremes mit dem Fett in der Haut geschieht:

Eigentlich zieht eine Körpercreme überhaupt nicht in die Haut ein. Man hat nur das Gefühl, weil die Wasseranteile in der Creme relativ schnell verdunsten. Der Fettanteil lagert sich in den oberen Hautschichten ein und wird beim nächsten Duschen, spätestens aber mit der natürlichen Erneuerung der Haut, wieder abgestoßen. (…) Selbst Zusatzstoffe in Cremes, die noch so tolle Sachen versprechen, dringen nur etwa einen zehntel Millimeter tief ein. Anders ginge es bei Kosmetika sowieso nicht, denn sie dürfen nicht in den Körper hinein wirken.

Wie gesagt – da geht es nur um Kosmetik-Cremes, nicht um solche mit medizinischen Wirkstoffen.

„Der gebildete Kranke“
(Süddeutsche Zeitung, 17.11.2014)

„Früher konnte man einfach nur krank sein, heute muss man ein mündiger Patient sein. Das kann auch sehr anstrengen“, sagt Christina Berndt, Redakteurin bei der Süddeutschen Zeitung. Verständnis zeigtdie Psychologin Monika Dorfmüller:

Man kann lange über unseriöse Berichte aus dem Internet schimpfen – oder aber die Menschen dahinter sehen. Diejenigen, die unrealistischen Heilsversprechen aus dem Netz glauben, sind oft Schwerstkranke, die sich an einen Strohhalm klammern.

Bildquellen

  • Zeitungen: Stefan Balk
Über Claudia Liebram 279 Artikel
Claudia Liebram ist Berlinerin mit Leib und Seele. Dort arbeitet sie als Redakteurin. Ihre Psoriasis begann, als sie 3 Jahre alt war – viel Erfahrung also, die sie weitergeben kann.

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